Magazinrundschau - Archiv

Africa is a Country

42 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 5

Magazinrundschau vom 08.09.2026 - Africa is a Country

Die Antikorruptionsbehörde in Nigeria (EFCC) agiert nur zum Schein, vermerkt bitter der Jurist Obongodu Paul Unanam. Jeder Präsident ernennt einen neuen Leiter, der die Vorgänger strafrechtlich verfolgt und die Verbündeten schützt: "Human Rights Watch stellte fest, dass die EFCC seit ihrer Gründung von mehr als dreißig angeklagten, landesweit prominenten politischen Persönlichkeiten nur vier Verurteilungen erwirkt hat. Vier. In zwei Jahrzehnten. Und das in einem Land, in dem das Nationale Statistikamt schätzt, dass die Korruption die Wirtschaft jährlich über 18 Milliarden Dollar kostet. Ich möchte ehrlich darüber sprechen, wie es sich anfühlt, in diesem Umfeld aufzuwachsen. Man lernt, die Ankündigungen der Staatsanwaltschaft eher als politische Kommunikation denn als Strafverfolgung zu deuten. Wenn die EFCC eine prominente Persönlichkeit der All Progressives Congress (APC) vor Gericht stellt, nimmt man zur Kenntnis, dass die Peoples Democratic Party (PDP) wahrscheinlich irgendwo an Einfluss gewinnt. Wenn gegen PDP-Mitglieder plötzlich Anklagen häufen, schaut man in den Nachrichten nach, wer welche Wahl gewonnen hat. Die Afrobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2023 ergab, dass 76 Prozent der Nigerianer glauben, die EFCC erhebe Anklage aufgrund politischer Anweisungen und nicht aufgrund von Beweisen. Das ist kein Zynismus. Das ist Mustererkennung." Und es wird sich nichts daran ändern, solange die EFCC nicht unabhängig ist, glaubt Unanam.
Stichwörter: Nigeria, Korruption

Magazinrundschau vom 28.07.2026 - Africa is a Country

In Tunesien werden immer weniger Kinder geboren, angeblich, weil Frauen sich zu sehr auf ihre Karriere konzentrierten. Diese Kinderkrise hat zu einigen Debatten geführt, berichtet Shreya Parikh. Sie fragt sich, "ob der Geist, der die tunesischen Gemüter heimsucht, nicht nur die Angst vor einer schrumpfenden Bevölkerung ist, sondern auch die 'Kolonisierung' der Gesellschaft durch Migranten aus Subsahara-Afrika, die Tunesien zu einem 'schwarzen' Land zu machen droht. Seit der Pandemie im Jahr 2020 hat sich die Überzeugung, dass Tunesien 'afrikanisch' werde - wie schwarze Migranten in ganz Nordafrika ironischerweise genannt werden -, in Gesprächen in Cafés, WhatsApp-Gruppen und sozialen Medien eingeschlichen. ... Diese empirisch unbegründete Logik wurde im Jahr 2023, vom tunesischen Präsidenten Kais Saied aufgegriffen, der die Migration schwarzer Menschen als 'eine kriminelle Verschwörung' bezeichnete, 'die seit Beginn dieses Jahrhunderts vorbereitet wurde, um die demografische Zusammensetzung Tunesiens zu verändern'." Eine Verschwörungstheorie, die Saied durchaus nutzt: "Die Forderung nach Würde - ein revolutionärer Ruf, der 2011 die Straßen Tunesiens erfüllte - wurde von der herrschenden Elite entwertet und bedeutet nun die Wahrung der staatlichen Souveränität und Reinheit, wie die Wissenschaftlerin Nadia Marzouki festgestellt hat. Und was sich in den letzten drei Jahren abzeichnet, ist, dass Souveränität zum Synonym für die Fortpflanzung rassisch reiner Tunesier geworden ist - arabisch und muslimisch statt afrikanisch, wie Präsident Saied es selbst formulierte."

Etwas läuft schief bei den Wahlen in Nigeria, meint Sada Malumfashi. Die Präsidentschaftskandidaten "Obi, Kwankwaso und Atiku müssten sich weniger obsessiv darauf konzentrieren, die Macht auf Bundesebene an sich zu reißen, und stattdessen mehr darauf, eine echte regionale Vertretung zu festigen, die gemeinsam ein gewichtiges Gegengewicht zu demjenigen bilden könnte, der das Präsidentenamt innehat." Politiker sollten aufhören, sich als nationale Retter zu inszenieren, die von der Hauptstadt Abuja aus das Land retten, fordert Malumfashi. "Das Präsidentenamt verwandelt jeden bedeutenden Politiker in jemanden, der nach persönlichem Zugang zur absoluten Macht strebt, statt langfristige demokratische Institutionen aufzubauen. Die Zukunft der nigerianischen Demokratie liegt nicht im endlosen Kampf um Abuja, sondern in der Schwächung Abujas selbst. Dies würde ein radikales Umdenken in der nigerianischen politischen Kultur erfordern: stärkere regionale Autonomie, tiefgreifendere lokale Rechenschaftspflicht und eine geringere Konzentration der Macht auf Bundesebene. Es würde auch erfordern, dass die Bürger aufhören, nationale Wahlen als Momente emotionaler Erlösung zu betrachten. Kein Präsident wird kommen, um Nigeria zu retten. Solange die Macht auf Bundesebene der ultimative Preis bleibt, wird die Politik weiterhin Patronagenetzwerke, politische Dynastien und die Kontrolle über finanzielle Ressourcen gegenüber Kompetenz oder Ideen belohnen.

Magazinrundschau vom 16.06.2026 - Africa is a Country

In Südafrika hat es in den letzten Wochen große Proteste gegen Flüchtlinge und Einwanderer gegeben. Wie die südafrikanische Presse damit umgeht, ist ein Problem, finden Rumana Akoob und Lumka Oliphant: Anti-Einwanderungs-Rhetorik sei zur Norm geworden. Wenn beispielsweise ein angesehener Moderator des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ohne jeden Beleg "Menschen ohne Papiere in der Morgensendung als 'riesiges Problem' bezeichnet, bleibt diese Darstellung nicht auf das Studio beschränkt. Sie wird zum Vokabular der Zuschauer zu Hause, zur Bestätigung, dass das, was sie bereits vermutet haben, von einer Autoritätsperson bestätigt wurde. Diese Menschen sind das Problem. Ihre Anwesenheit ist die Krise. Ihre Abschiebung ist die Lösung. Der Journalismus hat die Fremdenfeindlichkeit in Südafrika nicht erfunden, aber er kann ihr eine seriöse Plattform bieten - und tut dies auch. ... Die Südafrikaner haben echte Sorgen und echte sozioökonomische Probleme. Die Schulen sind überfüllt, die Kliniken überlastet und der Wohnungsmarkt steht unter unhaltbarem Druck. Wir haben berechtigten Ärger. Würden Journalisten den Fakten statt der Stimmung folgen und fragen, was die Ursache für diese Zustände ist, würde die Antwort nicht auf Ausländer hinweisen, sondern auf jahrzehntelange Vernachlässigung und Korruption auf allen Ebenen der Regierung. ... Eine Behauptung braucht keinen fremdenfeindlichen Moderator, um Teil der öffentlichen Wahrnehmung zu werden. Sie braucht nur einen Raum, in dem die Frage 'Aber wo sind Ihre Beweise dafür?' niemals gestellt wird."

Magazinrundschau vom 25.11.2025 - Africa is a Country

In Nigeria muss man Intellektuelle nicht mehr töten, man kann sie einfach kaufen, bemerkt bitter der Dichter Efe Paul-Azino, während er beobachtet, wie geschickt und erfolgreich Präsident Bola Ahmed Adekunle Tinubu, selbst mal ein Oppositioneller im Exil, mit Geld und Pöstchen jede Kritik an seiner Herrschaft unterdrückt. Aber so richtig übel nehmen kann Paul-Azino es den Intellektuellen nicht, während er auf die Geschichte Nigerias zurückblickt: "Für die britischen Kolonialbehörden waren die Nigerianer Ressourcen, messbar in Tonnage, Steuern und Arbeitskraft. Die moralischen Fragen der Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit wurden der neuen politischen Elite überlassen, die das System erbte. Was folgte, war, wie zu erwarten, ein existenzieller Kampf um Positionen. Die Regierung wurde zu einer Fabrik für Privilegien, und die einfachen Nigerianer waren das Rohmaterial, das sie verbrauchten. Die tiefere Tragödie liegt darin, wie diese ausbeuterische Ordnung die moralische Vorstellungskraft deformiert hat. Nur wenige Regierungen in der Geschichte der Menschheit haben ihre Bürger mit so viel Verachtung behandelt wie die nigerianische Regierung. Das Volk wurde buchstäblich dazu gezwungen, Scheiße zu essen und sich dabei auch noch zu bedanken. In einer Gesellschaft, in der die Hauptfunktion des Staates eher in Ausbeutung als in Schutz besteht, hat das Volk gelernt, durch Nachahmung zu überleben: indem es Regeln beugt und sich einschmeichelt, schamlos Nähe zur Macht kultiviert - ein darwinistischer Überlebenswille, der sich seitdem zu einer Kultur verfestigt hat. ... Unter diesen Umständen wird ein Intellektueller, der sich aus Prinzip gegen Korruption stellt, als naiv oder, schlimmer noch, als erfolglos angesehen. Ein Schriftsteller oder Journalist, der sich weigert, seine Plattform an den Meistbietenden zu verkaufen, gilt als geschäftlich ungeschickt. Ein Wissenschaftler, der lukrative Beratungsaufträge der Regierung ablehnt, um seine Unabhängigkeit zu bewahren, wird eher als töricht denn als prinzipientreu angesehen."

"Während die Welt über Restitution debattiert, brechen Afrikas eigene Kulturerbe-Institutionen zusammen. Die Frage ist nicht mehr, wer uns unsere Vergangenheit genommen hat, sondern wer sie am Leben erhält", ruft Ngaire Blankenberg, deprimiert über den Zustand der Kulturinstitutionen in ihrer Heimat Südafrika. "Das Tempo des städtischen Wachstums in Afrika ist beispiellos: Bis 2050 wird sich die in Städten lebende afrikanische Bevölkerung verdoppeln. Da immer mehr Menschen aus den Dörfern wegziehen und Beziehungen zu Menschen aufbauen, die ihnen nicht ähnlich sind - persönlich und online -, können wir uns nicht mehr auf regelmäßige Gespräche mit den Ältesten oder die Teilnahme an oder Beobachtung von Gemeinschaftsritualen und -veranstaltungen verlassen, um traditionelles Wissen zu erlernen oder zu bewahren. Institutionen sorgen für Kontinuität, Erinnerung und Widerstandsfähigkeit über Generationen und Regionen hinweg. In einer Welt, in der Wissen zunehmend über KI und ihre digitalisierten Informationsquellen produziert und gesucht wird, laufen wir auf diesem unglaublich weisen und schönen Kontinent Gefahr, dass das, was und wie wir wissen, nicht nur aus den kulturellen Aufzeichnungen der Welt, sondern auch aus unseren eigenen vollständig ausgelassen wird. Ohne afrikanische Institutionen, die unser reiches kulturelles Erbe bewahren, digitalisieren, verteidigen und fördern, laufen wir Gefahr, obsolet zu werden."

Magazinrundschau vom 24.06.2025 - Africa is a Country

Viele Malier waren gar nicht so unzufrieden, als 2021 die Armee unter Assimi Goïta nach zwei Militärputschen die Regierung festnahm und die Macht übernahm, dann die Franzosen aus dem Land warf und schließlich auch die Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen (MINUSMA). Hilfe bei der Verteidigung des Landes gegen die Islamisten suchten die Militärs dafür bei der Wagner-Gruppe. Die Malier, die die Korruption ihrer Beamten und die fremden Soldaten im Land satt hatten, nahmen es hin und hofften auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Doch daraus wurde bis heute nichts, schreibt der politische Berater Abdelkader Abderrahmane. "Seit Februar 2022 hat die Übergangsregierung die Wahlen wiederholt mit der Begründung 'technischer Gründe' verschoben und schließlich eine Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten bis 2030 vorgeschlagen. Die Besorgnis über Goitas autoritären Stil wächst, insbesondere nachdem er sich selbst 2024 in den Rang eines Generals erhoben hat. Die Verschiebung der Wahlen war der unmittelbare Auslöser für die Demonstrationen der politischen Oppositionsparteien Anfang Mai. Anstatt die Forderungen nach einer Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung bis Dezember 2025 anzuerkennen, erließ die Regierung rasch ein Verbot aller politischen Parteien. Die politische Krise hat wirtschaftliche Wurzeln. Trotz zahlreicher Versprechungen der Regierung Goïta sind die Lebensbedingungen für die meisten Malier nach wie vor katastrophal, wobei sich das Wirtschaftswachstum weitgehend auf die städtischen Gebiete und Großstädte konzentriert und die ländlichen Gebiete vernachlässigt werden." Auch an der Korruption hat sich nichts geändert, und die Armut steigt. Und jetzt noch das Verbot aller politischen Parteien, "das zweifellos mehr Jugendliche dazu ermutigen, sich militanten Gruppen anzuschließen, die in Mali und in der Sahelzone sowie weiter südwestlich auf dem Kontinent aktiv sind. Solche Gruppen sind bereits auf dem Vormarsch ..."
Stichwörter: Mali, Goita, Assimi

Magazinrundschau vom 03.06.2025 - Africa is a Country

"Als ich 2021 nach Südafrika zog, gehörte das Land zu den tödlichsten Orten der Welt, um eine Frau zu sein. Mit einer der höchsten Femizidraten weltweit hatte die südafrikanische Regierung Ende 2019 eine Femizidkrise ausgerufen", erzählt Kari Mugo. Damals wurde in Südafrika alle drei Stunden eine Frau ermordet. "Vier Jahre später bin ich wieder in Kenia, wo eine sich ausbreitende Femizidkrise auch die internationalen Nachrichten beherrscht." Laut einem Polizeibericht würden jeden Monat in Kenia 44 Frauen getötet, mehr als eine pro Tag. Die Daten zu Gewalt gegen Frauen sind allerdings lückenhaft, zu viele staatliche Stellen, die wohl nicht immer miteinander arbeiten, sind zuständig. Auch werde betroffenen Frauen oft von einer Anzeige abgeraten. Man könnte trotz dieser Mängel mehr tun, findet Mugo. "Auch wenn eine zentralisierte nationale Datenbank noch in Vorbereitung ist, verfügen wir bereits über genügend Daten, um zu handeln. Da 60 Prozent der Femizide weltweit im häuslichen Bereich und vor allem durch Familienmitglieder und Intimpartner begangen werden, bedeutet die Bewältigung der kenianischen Femizidkrise auch eine Auseinandersetzung mit der Familie als Ort der Gewalt. Polizei und Justiz sind nicht in der Lage, unsere Häuser zu sicheren Orten für Frauen und Mädchen zu machen. Sich ausschließlich oder in erster Linie auf sie zu verlassen, bedeutet, sich der Verantwortung zu entziehen und blindlings die Arbeit zu verweigern, die erforderlich ist, um in patriarchalen Gesellschaften ein sicheres, gesundes und förderliches häusliches Umfeld aufzubauen und zu pflegen."

Magazinrundschau vom 06.05.2025 - Africa is a Country

"In 'Die Verdammten der Erde' warnte der antikoloniale Theoretiker Frantz Fanon davor, dass die postkoloniale Bourgeoisie Afrikas die Symbole der schwarzen Befreiung für ihre eigenen engstirnigen Ziele vereinnahmen und es ihr letztlich nicht gelingen würde, sowohl die psychologischen als auch die materiellen Ketten des Kolonialismus zu sprengen. Fanons Prophezeiung hat sich bewahrheitet: Afrikanische Politiker haben nicht nur die Macht ergriffen, um die kolonialen Unterdrückungsstrukturen mittels Kapitalismus und Korruption zu reproduzieren, sondern fanden auch bereitwillige Kollaborateure unter der afrikanischen Diaspora-Elite, die panafrikanistische Ideale für ihren persönlichen Vorteil entstellten", kritisiert Naila Aroni mit Blick auf schwarze Künstler und Prominente aus den USA oder UK wie Chance the Rapper und Meek Mill, Naomi Campbell, John Legend oder Idris Elba, die Konzerte geben, Filme drehen, Land kaufen oder sich schenken lassen, ohne sich einen Deut um die politischen Hintergründe zu scheren. Die Sängerin Kelis zum Beispiel hat eine große Farm in Kenia erworben, ihrem "Paradies". Doch "die großflächige Landwirtschaft in Kenia ist nach wie vor weitgehend den weißen Siedlern und der kenianischen Elite vorbehalten, während die einheimischen Bauern in Kenia unverhältnismäßig stark von Dürren und Überschwemmungen betroffen sind, was zum Verlust von Ackerland für Vieh und Familie führt. ... In der Zwischenzeit ist die kenianische Regierung nach wie vor in Skandale verwickelt ... Noch besorgniserregender ist, dass Kenias derzeitige Regierung die wirtschaftlichen Beziehungen zu repressiven Regimen zu vertiefen scheint. Vor kurzem empfing sie die sudanesischen Rapid Support Forces (RSF), dieselbe militärische Gruppe, die für Kriegsverbrechen in einem der verheerendsten Bürgerkriege der jüngeren Geschichte verantwortlich ist, und erlaubte ihnen, Treffen zur Bildung einer Parallelregierung im Sudan zu organisieren. Als Vergeltung verbot der Sudan die Einfuhr aller kenianischen Produkte, was den kenianischen Teehandel störte und die Wirtschaft weiter destabilisierte. Kenia als 'Paradies' zu bezeichnen, egal ob es sich um Ackerland handelt oder nicht, setzt eine vorsätzliche Ignoranz der Umstände voraus, unter denen die Kenianer ums Überleben kämpfen."

Auch mit der Demokratie in Südafrika steht es 31 Jahre nach dem Ende der Apartheid nicht zum Besten, kritisiert Ali Ridha Khan. "Südafrikas Demokratie ist in vielerlei Hinsicht würdelos geworden: Die Verwaltungssysteme lassen die Schwachen routinemäßig im Stich und verlangen von den Bürgern, endlos auf auf dem Papier garantierte Rechte zu warten, während sich eine politische Elite und eine kleine neue Klasse von Nutznießern ungestraft an den staatlichen Ressourcen laben. Um diese Realität zu verstehen, muss man die Bedeutung von Verwaltungsjustiz, Würde und Geduld nachzeichnen, bevor man sich der Art und Weise zuwendet, wie sich die Südafrikaner in der Vergangenheit gegen politischen Verrat aufgelehnt haben. Es ist auch notwendig, das Versagen der politischen Parteien in Bezug auf die Rechenschaftspflicht, die Dysfunktionalität der Verwaltung, die die Ungleichheit vertieft, und die emblematischen Fälle - Wohnungsbau, TRC-Wiedergutmachung, Militärveteranen und Landrückgabe - zu betrachten, die die Risse im Verfassungsversprechen offenlegen. Schließlich wird in diesem Aufsatz darüber nachgedacht, wie das weiße Privileg, das von Gruppen wie AfriForum und internationalen Akteuren während und nach der Trump-Administration verstärkt wird, die Frustrationen im Inland verstärkt und einen alarmierenden Rückgang der Wahlbeteiligung anheizt."

Magazinrundschau vom 29.04.2025 - Africa is a Country

In Kenia hat Kenyattas Nachfolger, sein Vize William Ruto, der 2022 die Wahlen gewann, die Opposition durch Umarmung praktisch ausgeschaltet, erklärt Achan Muga. Beispiel Raila Odinga: Der 80-Jährige ist der prominenteste Oppositionspolitiker Kenias. Seine "Partei 'Orange Democratic Movement' hat inzwischen 50 Prozent der Regierungsposten in einer gestärkten 'Regierung auf breiter Basis' zugewiesen bekommen". Siege oder Niederlagen "bei Wahlen, vor Gericht, auf der Straße, selbst in Addis Abeba, sind für ein Establishment, das die Dinge nur so handhabt, wie es das am besten kann, nämlich durch den Zusammenhalt der Eliten oder, besser noch, durch die Kohabitation der Eliten, nicht wirklich von Bedeutung. In Anbetracht seiner Hauptrolle in den umstrittensten Episoden des Ruto-Regimes - nämlich der Zusammenarbeit mit dem Präsidenten bei der Amtsenthebung von Ex-DP Rigathi Gachagua und der Förderung der umstrittenen, milliardenschweren Adani-Geschäfte - gilt Odinga inzwischen als Giftmischer Nummer eins. Aber er ist bei weitem nicht der einzige, der Ruto unterstützt. Nach einem Fototermin per Handschlag wurden mehrere Loyalisten von Ex-Präsident Uhuru Kenyatta im Dezember 2024 in Regierungsämter berufen, womit das Kriegsbeil zwischen den besten Freunden, die zu Feinden wurden, offiziell begraben wurde." Für die Kenianer, und vor allem für die Gen Z, sind es düstere Aussichten: "Was ist die 'Gen Z' überhaupt - eine Altersgruppe, eine Gruppe in den sozialen Medien, eine soziale Schicht von abwärtsmobilen Yuppies, eine Stimmung, all das, oder irgendetwas, das nicht mit Odinga in Verbindung gebracht wird? Diese Debatten sagen insgesamt etwas Bedrückendes über Kenias Existenz in den Grenzbereichen der illiberalen Demokratie aus. Der Opposition fehlt es zwar nicht an Tiefe, aber an Alternativen. Anderen fehlt Odingas Glanz als dienstältester politischer Gefangener des Landes, seine Fähigkeit, die Straßen zu mobilisieren, und die kultische Anziehungskraft, die er dadurch erlangt hat, dass er den Kampf um Wahlgerechtigkeit aufgab, um dem Blutvergießen ein Ende zu setzen. Dieser Einfluss hat ihn zu einem schwergewichtigen Kandidaten gemacht, der ein Wahlergebnis nach dem anderen anfocht und schließlich die Glut des Bürgerkriegs mit einem kapitulierenden Händedruck nach dem anderen löschte. Statt echte politische Macht auszuüben ist er lediglich eng mit dem jeweiligen Präsidenten verflochten, was ihn zum einzigen Gesprächspartner der Opposition macht. Odinga tummelt sich in diesem exklusiven Grenzbereich und ist ein Teil dessen, was Kenia zurückhält."

Magazinrundschau vom 08.10.2024 - Africa is a Country

Mmakgabo Helen Sebidi, "Bayeng"(Visitation), 1990-1991. Foto: Gabriel Baard; courtesy Everard Read gallery


1991 wurde die damals schon renommierte südafrikanische Malerin Mmakgabo Helen Sebidi nach Schweden an die Nyköping Folk High School eingeladen, eine Internatsschule für Erwachsenenbildung südlich von Stockholm. Sie sollte dort Workshops geben, berichtet Riason Naidoo, sich mit lokalen Künstlern austauschen und vor allem eine Einzelausstellung ihrer Werke veranstalten. Dazu kam es allerdings nie. Sebidi nahm einige ihrer wichtigsten Kunstwerke mit nach Schweden, doch die Ausstellung fand nie statt: "In der Gewissheit, dass sie im kommenden Jahr zu einem neuen Termin eingeladen würde, vertraute Sebidi ihre Werke Pieter Dewoon von der Volkshochschule Nyköping an und kehrte nach Hause zurück. Ein Jahr verging, ohne dass die Ausstellung noch einmal erwähnt wurde. Frustriert bat Sebidi um die Rückgabe ihrer Kunstwerke. Zu diesem Zeitpunkt erfuhr sie, dass ihre Kunstwerke gestohlen worden waren. Trotz zahlreicher Bemühungen, einschließlich einer Anzeige bei der Polizei und einer Durchsuchung der Volkshochschule Nyköping, wurden die Bilder nicht gefunden. Die seit 1992 andauernden Bemühungen, das Werk ausfindig zu machen, einschließlich Korrespondenz mit der schwedischen Botschaft, Zeitungsartikeln und Fernsehberichten, blieben erfolglos. Etwas mehr als drei Jahrzehnte später, im Mai 2023, räumte Jesper Osterberg, der Hausmeister der Volkshochschule Nyköping, einen Schrank an der Decke aus, wo er die dort versteckten Kunstwerke von Sebidi entdeckte. Sie waren noch originalverpackt." Riason Naidoo hat die Malerin auch zum Interview getroffen, in dem sie immer wieder ins Spirituelle abschweift, aber auch über ihre Maltechnik und den Einfluss ihres Lehrers John Koenakeefe Mohl spricht: "Bei den Techniken handelt es sich um all die Arbeiten, mit denen wir aufgewachsen sind: Perlenstickerei, Kuhfladenarbeit, Schlammarbeit. Die Afrikaner arbeiten schon seit langem an ihrem Geist. Heute nennt man das Wandmalerei und Bildhauerei. Es gibt keine Ndebele. Wir sind Tswana. Unsere Sprache wurde verändert. Nach dem Tod von Herrn Mohl hat mich meine Großmutter angeleitet. Sie wollte, dass wir immer arbeiten, und sie fand mich immer arbeiten. Wenn uns jemand besuchte, wollte sie nicht, dass wir mit ihm sprachen. Sie wollte uns beschützen. Wir kochten Tee und ließen sie mit dem Besucher reden, während wir weiterarbeiteten. Sie würde das Reden übernehmen. Zehn Jahre lang habe ich das getan. Nach ihrem Tod hatte ich das Gefühl, nackt und leer zu sein. Sie war eine Sozialarbeiterin, eine Hebamme - sie hat alles gemacht. Als ich Bill Ainslie traf, hatte ich diesen europäischen Einfluss in meiner Arbeit."

Der Artikel ist gespickt mit Sebidis ausdrucksstarken Bildern, es gibt auch einen Bericht über sie von Newzroom Africa auf Youtube:

Magazinrundschau vom 30.07.2024 - Africa is a Country

Der Student Gilbert Nuwagira blickt voller Hoffnung von Uganda aus auf Kenia, wo sich die Bevölkerung gegen ihre Ausplünderung durch die Eliten wehrt: "Auch unsere gewählten und ernannten Amtsträger haben uns einen Korruptionsskandal nach dem anderen beschert ... Eines ist sicher: Unser kollektives Schweigen, wie Audre Lorde es fordert, wird uns nicht schützen. Schweigen ist keine Option. Zunächst müssen wir uns auf dem öffentlichen Platz zeigen und unbequeme Gespräche führen, sei es in der Kafunda oder in den Gotteshäusern. Unser kollektives Nachdenken wird eine kritische Masse hervorbringen, um eine engagierte Bürgerschaft zu katalysieren, die die Unzulänglichkeiten spürt, die uns von unserer diebischen politischen Klasse auferlegt werden. Diese Bemühungen sollten für die Nachwelt dokumentiert werden. Die von Prof. Jimmy Spire Ssentong initiierten Ausstellungs-Hashtags auf X - #UgandaHealthExhibition, #UgandaParliamentExhibition und #KampalaPotholeExhibition - leisten in dieser Hinsicht eine lobenswerte Arbeit. Die Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses ist entscheidend, um einen Rahmen für die Rechenschaftspflicht zu schaffen und staatlich geförderten Desinformationskampagnen entgegenzuwirken. Zweitens sollten wir Systeme fordern, die tatsächlich für uns, die Bürger, funktionieren. Mütter sollten nicht während der Entbindung sterben. Wir sollten uns nicht jedes Mal, wenn es in Kampala regnet, mit Überschwemmungen abfinden. Wir sollten nicht hinnehmen, dass Lehrer, Ärzte und Beamte nicht an ihren Arbeitsplätzen erscheinen. Wir fordern einen öffentlichen Dienst, der funktioniert - und zwar für den ugandischen Alltag. Wenn wir einen funktionierenden öffentlichen Dienst fordern, ist es auch fair zu verlangen, dass unnötige öffentliche Ausgaben kontrolliert werden - der jährliche Kauf des neuesten Toyota Land Cruisers sollte nicht zur Normalität werden."