Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

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Magazinrundschau vom 15.09.2025 - The Atlantic

Nicht nur an amerikanischen Unis grassiert Antisemitismus - oft ein Vorwand für Donald Trump, um die Unis zu maßregeln - sondern auch in Trumps eigenem Lager. Extrem populäre Journalisten und Blogger wie Carlson Tucker und Candace Owens haben nicht die geringste Scheu, Holocaustrelativierer wie Darryl Cooper auftreten zu lassen und selbst ein "differenzierteres" Bild von Hitler zu fordern. Yair Rosenberg erklärt sich diesen neuen Antisemitismus in der MAGA-Rechten mit einem Wunsch, in die alten Muster der Vorkriegszeit zurückzukehren: Amerika war vor dem Krieg wesentlich antisemitischer als nach dem Krieg, schreibt er. Noch während des Krieges war die Stimmung gegnüber Juden in Amerika ziemlich feindselig, kann er mit Bezug auf Umfragen belegen. Erst nach dem Krieg sah man sich als Befreier der Juden, und Antisemitismus war verpönt. Tucker, der J. D. Vance sehr nahesteht, und seine Kollegen wollen dies Rad jetzt herumdrehen, so Rosenberg: "Wenn sie die amerikanische Politik von Grund auf verändern wollen, dann müssen sie die Art und Weise ändern, wie Amerika über sich selbst und seine Vergangenheit spricht, haben diese rechtsextremen Figuren erkannt. 'Der Grund, warum ich mich immer wieder darauf konzentriere, ist wahrscheinlich derselbe, aus dem Sie es tun', sagte Carlson zu Darryl Cooper, dem Amateur-Holocaust-Historiker. 'Ich denke, es ist von zentraler Bedeutung für die Gesellschaft, in der wir leben, für die Mythen, auf denen sie aufgebaut ist. Ich denke, es ist auch die Ursache für die Zerstörung der westlichen Zivilisation - diese Lügen.'" Vor zwanzig Jahren hätten Äußerungen wie die zitierten noch Empörung hervorgerufen. Heute verblasst die Erinnerung an den Holocaust, und Rosenberg zitiert Statistiken: "Ende letzten Jahres befragte David Shor, einer der führenden Datenwissenschaftler der Demokratischen Partei, rund 130.000 Wähler dazu, ob sie eine 'positive' oder 'negative' Meinung über jüdische Menschen hätten. Kaum jemand über 70 gab an, eine negative Meinung zu haben. Bei den unter 25-Jährigen waren es mehr als ein Viertel."
Stichwörter: Trump, Donald

Magazinrundschau vom 12.08.2025 - The Atlantic

Zweimal ist Friedenspreisträgerin Anne Applebaum in den Sudan gereist. Einmal in den nördlichen Teil, der von den Sudanese Armed Forces beherrscht wird, und einmal nach Darfur, wo die Rapid Support Forces die Überhand haben. Sie beschreibt in einer langen Reportage (eine Stunde Lesezeit) das Chaos und die Gewalt im Land, die totale Kompliziertheit der Konflikte, in denen sich verschiedene Ethnien, Schichten und Interessen überlagern und wo immer neue Milizen entstehen, wenn eine der Hauptkräfte in ihrer Dominanz nachlässt. Einerseits tummeln sich in dem Konflikt eine Menge Mittelmächte mit unklaren Interessen und Gier nach dem Gold, das in dem Land geschürft wird, zum Beispiel die Türkei, der Iran, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Andererseits zeigt der Konflikt für Applebaum, wie eine Welt aussieht, in der Amerika und internationale Institutionen nicht mehr agieren. "Die erste Trump-Regierung hat die Idee der 'responsibility to protect' sofort fallen gelassen - und alle anderen taten es ihr gleich", schreibt sie, die auch den UN eine Mitschuld gibt. Man vergleiche die Situation nur mit dem Anfang des Jahrhunderts: "In den nuller Jahren waren amerikanische Kirchen, Synagogen und säkulare Gruppen ebenfalls empört und engagiert angesichts der Janjaweed, der Vorläufer der RSF, und der ethnischen Säuberung der Darfur-Region von nicht-arabischen Stämmen. Das United States Holocaust Memorial Museum in Washington projizierte 2006 dramatische Fotos aus Darfur auf seine Außenwände. Eine Fotoausstellung wanderte auch durch mehrere Universitäten. George Clooney, Angelina Jolie, Mia Farrow, Don Cheadle und Keira Knightley besuchten den Sudan, um auf die Lage aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Diese Kampagnen zeigten Wirkung. George W. Bush hatte enge Verbindungen zu den religiösen Hilfsorganisationen, die im Sudan tätig waren, und trat sein Amt mit der festen Absicht an, zu helfen. Die Obama-Regierung glaubte an die 'Schutzverantwortung' der USA... Beide investierten echte diplomatische und politische Anstrengungen im Sudan, vor allem weil die Amerikaner dies wollten. Keine der beiden Parteien würde das noch für ein Land in Afrika tun."

Rachel Ruysch: "Spray of Flowers, with a Beetle on a Stone Balustrade" 1741

Zachary Fine bietet Einblick in die idyllisch und gleichzeitig verstörende Welt der Blumenstillleben. Rachel Ruysch, schon zu Lebzeiten bekannt, eine einflussreiche Künstlerin des 17. Jahrhunderts, bewies, dass Blumen nicht bloß ihrer Schönheit wegen existieren: "Wenn der erste Glanz verblasst, schärft sich der Blick. Was ist das - eine Laubheuschrecke? Eine Sandeidechse? Auch wenn das Auge auf das Gemälde geheftet ist, ist das Gehirn woanders. Die Flammentulpe versetzt einen in die Türkei, die gewöhnliche Sonnenblume nach Nordamerika, die Schmetterlinge und Insekten auf die Pinnwand eines Entomologen. Es ist eine Fundgrube an Informationen für den wissenschaftlich interessierten Betrachter (und tatsächlich war der Auftraggeber, Pieter de la Court van der Voort, ein geschickter Gärtner mit einem Gespür für neue Gewächshaustechniken). Plötzlich ändert sich etwas. Zunächst scheinen die Insekten eine kleine Fiesta mit den Früchten zu feiern - Ameisen, Wespen und Spinnen knabbern an einem Pfirsich oder huschen auf eine Kastanie zu. Dann bemerkt man, dass die gespaltene Zunge der Sandeidechse nur Millisekunden davon entfernt ist, einen Schmetterling zu schnappen. Eine andere Eidechse in der Ecke hat gerade ein Vogelnest mit frischen Eiern infiltriert und scheint einen barbarischen Schrei auszustoßen. Das Gemälde beginnt unter dem Druck des Todes zu wanken. Der schwammige Waldboden sieht pilzartig aus; der Granatapfel wimmelt von seinen eigenen Samen; die Maiskörner werden zu Warzen; die Trauben sind Fischeier. Die gesamte Komposition schlittert und kriecht mit sich selbst. Mit einem Wort: Sie ist monströs. Als Betrachter kann man diese Noten auf und ab spielen - das ästhetische Vergnügen, die wissenschaftliche Anregung, die Grausamkeit der Natur als moralische Warnung - oder sie alle gleichzeitig im Kopf spielen. Manchmal hängt es einfach davon ab, wie nah man vor dem Gemälde steht."

Magazinrundschau vom 25.08.2025 - The Atlantic

Haben Sozialisten in den USA derzeit Oberwasser? Der Sieg Zohran Mamdanis bei den internen Vorwahlen der Demokraten im Vorfeld der New Yorker Bürgermeisterwahl scheint das nahe zu legen. Der Historiker Arash Azizi berichtet über die "Democratic Socialists of America", deren Mitglied Mamdani ist, und vermittelt einen anderen Eindruck; Die Organisation wird nicht von linken Pragmatikern wie Mamdani, Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez dominiert, sondern von sektiererischen, oft offen antidemokratischen Spinnern: Auf dem jüngsten Parteitag der Sozialisten deutete jedenfalls wenig "auf eine breite politische Bewegung hin, die darauf abzielt, Wahlen zu gewinnen und an die Macht zu kommen. Mamdani, AOC und Sanders waren abwesend, ebenso wie ihr einladender, praxisorientierter Politikstil. Tatsächlich hat die nationale Führung der DSA beschlossen, AOC nicht zu unterstützen, und viele in der Organisation stehen ihr inzwischen offen feindlich gegenüber. Einige brachten auf dem Parteitag sogar eine Resolution ein, um sie offiziell wegen ihrer 'stillen Unterstützung des Zionismus' zu rügen (...) Die überwiegend junge und weiße Teilnehmerschaft sprach kaum über die Präsidentschaft Donald Trumps (ein Antrag, eine solche Diskussion zu führen, wurde früh abgelehnt) und schien aus einem Zusammenschluss von Aktivisten zu bestehen, von denen viele auf Einzelthemen fokussiert waren. Einige waren damit beschäftigt, gegen das Fehlen einer Maskenpflicht auf dem Parteitag zu protestieren." Später im Text wird es noch gruseliger, etwa wenn Azizi die besonders radikalen Fraktionen der amerikanischen Sozialisten vorstellt. Diese umfassen beispielsweise "Red Star, einen selbsternannten 'marxistisch-leninistischen Flügel', der Hamas offen unterstützt und 'die Rolle der Vorhut bei der Organisation der Revolution' betont. Während Leute wie Sanders seit Langem den New Deal loben, verurteilt diese Gruppe dieses Modell als 'Zugeständnis an die weiße Arbeiterklasse, um ihre Loyalität gegenüber dem kapitalistischen Staat zu sichern'. In ähnlicher Weise kritisiert sie den von Sanders und AOC befürworteten Green New Deal, weil dieser es versäume, 'ein klares Bekenntnis zum Rückbau des Siedlerkolonialismus und des amerikanischen imperialistischen Projekts' zu formulieren. Ein weiterer Flügel, die Marxist Unity Group, fordert, dass sich die DSA 'von der Demokratischen Partei befreit und 'kämpft, um die Verfassung zu stürzen', mit dem Ziel, 'jede Institution zu zerstören, die dem Volk eine echte Volksdemokratie verweigert - einschließlich der Abschaffung des Senats, des Electoral College, des Obersten Gerichtshofs und des unabhängigen Präsidentenamts.'"

Magazinrundschau vom 20.05.2025 - The Atlantic

"J. D. Vance stellt ein Problem dar, das im Kern eine Frage des Charakters ist", meint George Packer in seinem ausführlichen Porträt des amerikanischen Vizepräsidenten. "In den Jahren nach der Wahl 2016 wandelte er sich von einem Mitte-Rechts-Memoirenschreiber und öffentlichen Redner, der eine komplexe Analyse der sozialen Missstände in Amerika und eine scharfe Kritik an Donald Trump vorbrachte, zu einem rechtspopulistischen Politiker, dessen illiberale Ideen und bissige Rhetorik das Original häufig übertrumpfen. Nach Ansicht von Vance und seinen Anhängern folgte dieser Wandel auf die Erkenntnis während Trumps erster Amtszeit, dass der Präsident die gefallene Arbeiterklasse des Landesinneren, die den jungen J.D. hervorgebracht hatte, wieder aufrichtete. Um seinen Leuten zu helfen, musste Vance seinen Frieden mit ihrem Meister machen. Seinen Kritikern zufolge entschied sich Vance zynisch dafür, seine wahren Werte zu verraten, um den einzigen Weg einzuschlagen, der einem ehrgeizigen Republikaner in der Trump-Ära offenstand, und als Konvertit, der unter Verdacht stand, verfolgte er diesen Weg mit aller Härte. ... Beide Versionen erinnern an den Protagonisten eines Romans aus dem 19. Jahrhundert - Pip in Dickens' 'Große Erwartungen', Lucien in Balzacs 'Verlorene Illusionen'. Ein Romanautor, der den Niedergang des amerikanischen Imperiums im 21. Jahrhundert schildern will, könnte einen Protagonisten wie J. D. Vance erfinden. Er taucht an allen wichtigen Stellen auf und verkörpert jedes wichtige Thema. Er ist das Produkt einer insularen Subkultur (der schottisch-irischen in den Appalachen von Kentucky) und wächst inmitten der Übel (Armut, Sucht, Zusammenbruch der Familie) einer sterbenden Stahlstadt in Ohio auf, die von der Deindustrialisierung heimgesucht wird. Er flieht rechtzeitig vor dem Irak-Krieg zum Marine Corps und dann in die zweifelhafte Umarmung der kognitiven Leistungsgesellschaft (Yale Law School, Risikokapital der Westküste, Medien der Ostküste). An einem Wendepunkt in seinem Leben und dem des Landes - 2016, mit dem überraschenden Erfolg von 'Hillbilly Elegy' und dann dem überraschenden Sieg von Trump - wird Vance zu einer Berühmtheit, zum gesalbten Sprecher der 40 Prozent des Landes, die die weiße Arbeiterklasse bilden, die plötzlich politische Macht und kulturelles Interesse hat. Er hat die Aufgabe, die Welt, aus der er kommt, der Welt zu erklären, der er gerade beigetreten ist. ... In einem anderen Zeitalter wäre sein Aufstieg vielleicht als Beweis dafür gewertet worden, dass der amerikanische Traum lebendig und weitgehend intakt ist. Aber unser Zeitalter hat keine einfach inspirierenden und verbindenden Geschichten mehr, und jedes Kapitel von Vances Erfolg ist Teil eines nationalen Scheiterns".

Magazinrundschau vom 06.05.2025 - The Atlantic

Der Rechtsanwalt und Berater Paul Rosenzweig ist entsetzt über die Demontage des Justizministeriums durch die Trump-Administration. Er sieht darin einen direkten Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit: "Ein Beispiel für den Missbrauch des Justizministeriums ist vielleicht das erschreckendste von allen. In einem kürzlich herausgegebenen Memorandum des Präsidenten wies Trump den Generalstaatsanwalt an, 'die Vorwürfe zu untersuchen bezüglich der Nutzung von Fundraising-Plattformen für 'Stroh-' oder 'Schein'-Beiträge und um ausländische Beiträge für politische Kandidaten und Komitees in den USA zu erheben, die alle gegen das Gesetz verstoßen'. Wäre die Untersuchung neutraler Natur, wäre dies vielleicht verständlich. Aber das ist sie nicht. In der Tat gibt es zwei große Fundraising-Plattformen: WinRed (die republikanische Plattform) und ActBlue (die demokratische). Obwohl WinRed Gegenstand von siebenmal so vielen FTC-Beschwerden war wie ActBlue, betrifft das Trump-Memorandum nur letztere. Indem er das Fundraising seiner Gegner ins Visier nimmt, nutzt Trump ganz offen die Befugnisse der Bundesbehörden, um die politische Opposition auszuschalten. Im Grunde benutzt Trump die Behörde, um künftige Wahlsiege der Republikaner zu sichern. Man kann sich kaum eine erschreckendere Variante von Lawrenti Berias berüchtigtem Ausspruch vorstellen: 'Zeige mir den Mann und ich zeige dir das Verbrechen.' ... Das Schlimmste ist, dass wir mit dem Verlust der Rechtsstaatlichkeit auch das System verlieren, auf dem unsere Demokratie beruht. Das Recht erzwingt sich nicht von selbst. Es existiert und belebt unsere Gesellschaft, weil wir daran glauben. Wenn dieser Glaube unter Trumps Angriffen zerbröckelt, leiden wir alle darunter."
Stichwörter: Rechtsstaatlichkeit

Magazinrundschau vom 01.04.2025 - The Atlantic

Neben Wladimir Putin scheint Donald Trump noch einen anderen Lieblingspolitiker zu haben: Victor Orbán. Viel wird über Orbáns Politik derzeit im Weißen Haus geredet, ein republikanischer Politiker bezeichnete das Land gar als "eines der erfolgreichsten Vorbilder für konservative Prinzipien und Regierungsführung", erinnert Anne Applebaum. Für sie ist offensichtlich: Die USA steuern "rasant auf ungarischen Populismus, ungarische Politik und ungarische Justiz zu". Doch das bedeute auch, dass "ungarische Stagnation, ungarische Korruption und ungarische Armut bevorstehen." Denn von "Erfolg" könne bei Ungarn nun wirklich überhaupt nicht mehr die Rede sein - Orbán habe sein Land heruntergewirtschaftet, die Geburtenrate sinke immer weiter, qualifizierte Fachkräfte verließen das Land. Das ist auch kein Wunder, meint Applebaum, denn Orbán mache Politik nur für einen eingeweihten Kreis von Geschäftsleuten: "In Budapest werden diese Oligarchen auch NER, NER-Leute oder NERistan genannt - Spitznamen, die von 'Nemzeti Együttműködés Rendszere' oder 'System der Nationalen Zusammenarbeit' abstammen, dem orwellschen Namen, den Orbán seinem politischen System gab - und sie profitieren direkt von ihrer Nähe zum Staatschef. Direkt36, eines der letzten investigativen Medien in Ungarn, drehte kürzlich den Dokumentarfilm 'Die Dynastie' (den man hier anschauen kann). Darin wird beispielsweise gezeigt, wie Wettbewerbe um staatlich und von der EU finanzierte Aufträge ab etwa 2010 gezielt so gestaltet wurden, dass Elios Innovatív, ein Energieunternehmen im Mitbesitz von Orbáns Schwiegersohn István Tiborcz, sie gewinnen würde. Die EU untersuchte schließlich 35 Verträge und fand in vielen davon schwere Unregelmäßigkeiten sowie Hinweise auf Interessenkonflikte. In einer Erklärung von 2018 erklärte Elios, man habe sich an die gesetzlichen Bestimmungen gehalten, was zweifellos stimmt; der Sinn dieses Systems besteht darin, dass es legal ist (...) Der ungarische Geschäftsmann und ein ungarischer Ökonom, mit dem ich sprach - beide bestanden aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen auf Anonymität - hatten unabhängig voneinander berechnet, dass NERistan etwa 20 Prozent der ungarischen Wirtschaft ausmacht. Das bedeutet, wie mir der Ökonom erklärte, dass 20 Prozent der ungarischen Unternehmen 'nicht nach Markt- oder Leistungsprinzipien, sondern grundsätzlich über Loyalität' funktionieren."

Magazinrundschau vom 29.04.2025 - The Atlantic

Amerikanische Behörden haben Unmengen an persönlichen Daten der Bürger gesammelt, durften diese aber nie in einen gemeinsamen Pool werfen. Das könnte sich jetzt ändern, berichten Ian Bogost und Charlie Warzelt. Elon Musks Doge hat, während es die Bundesbehörden filzte, eine unbekannte Menge an Daten abgesaugt. Die können ihm ganz persönlich helfen, das Rennen um Künstliche Intelligenz zu gewinnen. Aber auch für Donald Trump können diese Daten der Bürger als Regierungschef wie Privatmann extrem nützlich sein: "Das industrielle Sammeln und Zusammenstellen von Daten ohne erkennbaren Grund würde eine enorme und beunruhigende Veränderung darstellen. So groß, dass die Bundesbediensteten, mit denen wir darüber sprachen, Schwierigkeiten hatten, sich einen Reim darauf zu machen. Sie betonten, dass die Regierung immer versucht habe, den Menschen zu dienen, anstatt sie auszubeuten. Und doch passt diese Umkehrung perfekt zum transaktionalen Ethos von Trump: Aus 'Wie können wir unseren Mitbürgern dienen?' wird 'Was haben wir davon?' Wir, das ist in diesem Fall nicht einmal die Regierung, geschweige denn die amerikanischen Bürger. Es sind Trumps Geschäftsinteressen, die Interessen seiner Freunde und Verbündeten, einschließlich Musk, und anderer Loyalisten. Sobald die Gesetze, Regeln und anderen Schutzmaßnahmen, die eine Vermischung von Bundesdaten verhindert haben, wegfallen - und viele von ihnen sind es praktisch schon -, können zuvor abgeschottete Bundesdaten mit privaten Datensätzen kombiniert werden, z. B. mit denen im Besitz von Trumps Verbündeten oder Mitarbeitern, von Technologieunternehmen, die sich auf die Seite der Regierung stellen wollen, oder von jedem anderen, den die Regierung dazu zwingen kann." Zuerst trifft es immer die Schwächsten - Einwanderer zum Beispiel. Aber sie werden nicht die einzigen sein, die unter dem Datenmissbrauch leiden werden, prophezeien Bogost und Warzel: "Ein Worst-Case-Szenario ist leicht vorstellbar. Einige dieser Informationen könnten einfach für Erpressungen nützlich sein - medizinische Diagnosen und Aufzeichnungen, gezahlte Bundessteuern, Schuldenerlass. In einer Kleptokratie könnten solche Daten gegen Mitglieder des Kongresses und Gouverneure oder andere vom Staat missliebige Personen verwendet werden. Stellen Sie sich das als eine domestizierte, systematisierte Version von kompromat vor - wie beispielsweise Oppositionsausforschung auf Steroiden: Hey, Wisconsin erwägt ein Gesetz, das uns schaden würde. Es gibt vier Gesetzgeber, die noch unentschlossen sind. Fragen Sie die Datenbank ab; sagen Sie mir, was wir über sie haben."

Magazinrundschau vom 15.04.2025 - The Atlantic

Trump führt einen Kampf gegen die sogenannte "Kreative Klasse", die Franklin Foer nicht so sehr an den so häufig bemühten Faschismus, sondern eher an Mao erinnert. Es geht gegen die "Wissensarbeiter der Gesellschaft, ihre kognitive Elite, die Gewinner des Turniers, das die amerikanische Meritokratie darstellt. Sie umfasst nicht nur Anwälte, Universitätsverwalter und Professoren, sondern auch Berater, Investmentbanker, Wissenschaftler, Journalisten und andere Angestellte, die im Informationszeitalter zu Wohlstand gekommen sind." Der Hass auf diese Klasse, der darin gipfelt, "ihre institutionelle Heimat und die Grundlage für ihren Lebensunterhalt zu zerstören", wuchs mit der Expansion eben dieser Klasse über die Jahre. "Dank des Babybooms explodierten die Universitäten in den späten 1960er Jahren und schufen eine riesige neue Professorenklasse. Dank Lyndon Johnsons 'Great Society' expandierte auch die Bundesbürokratie und schuf ein Heer von Sozialarbeitern, Staatsanwälten und Wirtschaftswissenschaftlern. Die Gesellschaft zeigte den Einfluss dessen, was Irving Kristol als 'die neue Klasse' bezeichnete. Kristol, der den Weg vom Trotzkismus zum Konservatismus gegangen war, schien diese Klasse verwerflich, weil sie wenig Interesse am Geldverdienen zeigte. Stattdessen strebte sie nach Macht und nutzte fortschrittliche Ideen als Deckmantel, um diese zu erlangen. Kristol zufolge nutzte die neue Klasse ihre Kontrolle über die Medien, die akademische Sphäre und die Regierung, um ihre eigennützigen Ideen in der Nation zu verankern. Jetzt also der Backlash, Ausdruck einer lange unterdrückten Wut, die dazu führt, "gleich die ganze Krebsforschung und das gesammelte Wissen über die Funktionsweise der Wirtschaft zu ignorieren. In gewisser Weise praktiziert Trump seine ganz eigene Form des Maoismus, eine Kulturrevolution gegen die Intelligenz - das, was die Kommunistische Partei Chinas denkwürdigerweise als 'stinkende neunte Klasse' bezeichnete. Obwohl Trumps Säuberungen im Vergleich dazu zahm sind, gibt es Parallelen. Wie Trump wollte Mao Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie im eigenen Land schaffen."

Magazinrundschau vom 25.03.2025 - The Atlantic

Robert F. Worth fragt sich, ob es dem Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa gelingen wird, für ein stabileres Syrien zu sorgen. Mangelnde Regierungserfahrung vieler der von ihm eingesetzten Beamten und Spannungen zwischen Alawiten, Schiiten, Kurden und Drusen sind nur zwei der vielen Probleme, die das Land nach dem Sturz Assads beschäftigen. Die dringendste Sorge ist aber wohl eine andere, mutmaßt Worth: "Geld ist wahrscheinlich die größte Herausforderung von allen für Sharaa. Sein Land ist seit mehr als sechzig Jahren ökonomisch vom Rest der Welt isoliert, dank seiner eigenen xenophoben Richtlinien und einer Mauer aus Sanktionen, die gegen das Assad-Regime erhoben wurden. Die EU hat einige Restriktionen syrischer Banken im Februar behoben, aber die Trump-Administration scheint nicht zu folgen, insbesondere nach den Massakern diesen März. Die Amerikaner und Europäer bleiben skeptisch wegen Sharaas islamistischer Vorgeschichte und sind sowieso mit anderen Dingen beschäftigt, siehe Ukraine und Gaza. Sharaa hat sich umsonst dafür eingesetzt, dass das Milizenbündnis HTS von den USA nicht mehr als terroristische Vereinigung gesehen wird, ein weiteres Hindernis für Investments. Selbst seine Bitten für Nothilfe haben nicht viel ergeben. Die Saudis und Kataris haben versprochen zu helfen, aber bislang wenig geliefert. Immerhin hat niemand in Syrien Geld, einen weiteren Krieg anzuzetteln. Aber wenn Sharaa keinen Weg findet, das Land wirtschaftlich überlebensfähig zu machen, könnte seine Koalition aus ehemaligen Kämpfern zusammenbrechen. Menschen, die sich seit Jahren mit Syrien beschäftigen, halten mir dieses Szenario wieder und wieder vor Augen: Kein weiterer Bürgerkrieg, aber ein langsamer Zerfall in Anarchie, nicht so anders als in Libyen, mit einem Land, das in einen Flickenteppich aus Enklaven zerstückelt wird, die von lokalen Milizen regiert werden."

Magazinrundschau vom 18.03.2025 - The Atlantic

Ein Gutes hat die Trump-Regierung: Zum ersten Mal seit langem sind Europas Rechtspopulisten in der Defensive, meint die britische Publizistin Helen Lewis. "Wähler außerhalb der Vereinigten Staaten haben ein Problem mit der MAGA-Bewegung: Trump und seine Verbündeten sprechen über andere Länder auf eine zutiefst befremdliche Weise. 'Amerika zuerst'? Schön und gut, aber 'Amerika denkt, dass dein Zinnsoldatenland ein Witz ist'? Nicht so gut. Die giftige Kombination aus Trumps pro-russischen Neigungen, der Arroganz und Herablassung von Vizepräsident J. D. Vance und Musks traurigem Fall von fortgeschrittener Twitterkrankheit hat Amerikas Ansehen bei seinen traditionellen Verbündeten in den Keller gedrückt." Das verstehen auch die hiesigen Rechtspopulisten: "Trumps Abkehr von der Ukraine ist in Europa so unpopulär, dass sich die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und die französische Rechtsaußen-Führerin Marine Le Pen - zwei natürliche MAGA-Sympathisanten - vorsichtig davon distanziert haben." Noch problematischer ist das für den britischen Rechtsaußen und bekennenden Trumpfan Nigel Farage, der wesentlich am Brexit beteiligt war. Trump ist weitgehend unpopulär in Großbritannien, wo Farage mit seiner Reform-Partei "hofft, seinen Stimmenanteil von 14,3 Prozent bei der letzten Wahl zu verbessern. (Wahrscheinlich muss er diesen Anteil mindestens verdoppeln, wenn er eines Tages Premierminister werden will.) Noch schlimmer für ihn ist, dass Trumps MAGA-Bewegung als offen rassistisch und pro-russisch angesehen wird, zwei Dinge, die die Mehrheit der britischen Wähler ablehnt. Selbst rechte britische Zeitungen waren empört über Trumps schäbigen Umgang mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski im Oval Office, während die bisherigen Wähler der Reform-Partei mit ihren scharf einwanderungsfeindlichen Ansichten bereits Ausreißer sind. Weiter nach rechts zu rücken, ist in Großbritannien keine erfolgreiche Strategie. Oder anderswo. 'Die populistische Rechte auf der ganzen Welt hat ein MAGA-Problem', sagte mir Sunder Katwala, der Direktor der Denkfabrik British Future. 'In Ländern, die nicht Amerika sind, gibt es einen Rückkopplungseffekt.'"