
"Bitte tretet nicht rückwärts",
ruft die Medienwissenschaftlerin
Veronika Kövesdi ungarischen Künstlern zu. Statt der abgewählten Regierung irgendwelche Parolen hinterherzuwerfen, gelte es in die Zukunft zu schauen: "Nicht jeder beliebte Künstler muss eine politische Meinung äußern. Wer dies jedoch bisher getan hat, sollte jetzt nicht damit aufhören. In den letzten Jahren haben sehr viele junge Menschen aufmerksam verfolgt, was mit dem Land geschieht, und das ist eines der besten Dinge, was passieren konnte. Es wäre schade, ihre Aufmerksamkeit zu verlieren. Ein Musiker, sprach sich vorher oft und entschieden gegen das Orbán-Regime aus, bereits als es noch etwas zu verlieren gab, und tat dies auch jetzt auf dem Sziget-Festival. Allerdings ist es nicht sicher, ob es die beste Fortsetzung war, dass er zu seinem Publikum sagte: '
Wer nicht tanzt,
ist ein Fidesz-Anhänger.' Zugegeben, von der Bühne aus, zwischen zwei Songs, klingt der Satz 'Wer nicht tanzt, kann seinen eigenen politischen Standpunkt nicht formulieren, ohne den Namen einer Partei oder eines Politikers zu erwähnen' weniger gut. Auch der Unterhaltungswert von '
Bringt die Hochschulbildung in Ordnung!' ist wesentlich geringer, und ich glaube, dass diese Sätze vielleicht gar nicht so recht zu dem sorgfältig ausgearbeiteten Image eines Künstlers passen. Aber nur weil ich bei einem Konzert wie
Bileams Esel dastehe, weil mir die Musik nicht so gut gefällt, dass ich dazu tanzen würde, bin ich noch lange kein Fidesz-Anhänger. (…) Denn das ziellose und ergebnislose '
Orbán-
Bashen' betrachte ich als eine interessengeleitete und gewinnorientierte Ausnutzung der Aufmerksamkeit. Wir haben gerade erst begonnen, uns aus jenem Sumpf der öffentlichen Debatten herauszuwinden, in dem man nicht argumentieren, sondern nur fluchen oder loben konnte. Ich verstehe, dass damit noch eine Weile Geld zu verdienen ist (…)."