
Der
Observer ist ein wenig aus dem Blickfeld geraten, seit der
Guardian ihn abgestoßen hat. Chloe Hadjimatheou, Sarah Dadouch und Gary Marshall
präsentieren einen langen Hintergrundbericht über eine Engländerin, die einen
Rieseneinfluss in Syrien, besonders in den letzten superfinsteren Jahren Baschar al-Assads hatte: seine Frau, die hauchzarte und wunderhübsche
Asma al-Assad, die einst Gegenstand eines hochbezirzten
Vogue-Porträts war (
mehr dazu hier). Als sich die Wolken immer mehr über dem Regime zusammenzogen und Baschar sogar seinen Cousin Rami Makhlouf in Ungnade fallen ließ, der bis dahin das Geld fürs Regime organisiert hatte, trat sie an seine Stelle. Was die Reportage im
Observer erzählt, ist nicht schön, so verwaltete Asma etwa über ihre
mildtätigen NGOs einige Waisenhäuser, wo auch
Kinder von Gefängnisinsassen gehalten wurde. "Ein Mitarbeiter, der eng mit der Hilfsarbeit in Syrien befasst ist und anonym bleiben will, erzählt, Asma habe ein Netzwerk aufgebaut, um so viel wie möglich von der
humanitären und Entwicklungshilfe, die ins Land gelangte, an sich zu reißen. Die UNO sei sich bewusst gewesen, dass das Regime davon profitierte - es sei ein intern diskutiertes moralisches Dilemma gewesen, sagte man -, doch letztlich sei man zu dem Schluss gekommen, dass dies ein Preis sei, den es sich zu zahlen lohne, selbst wenn nur wenige Bedürftige Hilfe erhielten. Die First Lady sah zudem tatenlos zu, während die syrischen Geheimdienste Hunderte von Kindern
als Geiseln festhielten, um sie im Krieg als Verhandlungsmasse einzusetzen - entweder bei Gefangenenaustauschen oder um Druck auf ihre Eltern auszuüben, die möglicherweise inhaftiert waren oder der Opposition angehörten. Der
Observer hat Einblick in Dokumente, in denen Waisenhäuser, die von Asmas NGOs finanziert und unterstützt wurden, angewiesen wurden, die Kinder nicht an Verwandte zu übergeben. Mitarbeiter von Waisenhäusern, die unter der Schirmherrschaft der First Lady gearbeitet hatten, gaben an, sie direkt über diese Praxis informiert zu haben, entweder in Berichten oder in direkten Gesprächen. '
Sie wusste alles, über alle Verbrechen. Ich meine, zu hundert Prozent', sagt ein Mitarbeiter eines Waisenhauses. Eine andere Mitarbeiterin berichtet, Asma habe ihr gesagt, sie solle sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, es handele sich um
Kinder von Terroristen."