9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

393 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 40

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2026 - Wissenschaft

In der Affäre Jason Arday sieht Anna-Lena Scholz (Zeit) vor allem einen Schuldigen: die Universität Cambridge. "Sie hat Arday benutzt, um sich selbst zu profilieren. Kalt und berechnend. 0,4 Prozent der Professoren in Cambridge sind schwarz. Jason Arday war einer von ihnen. Man stellte ihn ins Licht, als würde dann nicht mehr auffallen, dass Cambridge eine der weißesten, elitärsten, verschlossensten Institutionen der Welt ist. Hier hat Zugang, wer immer schon dazugehörte. Privatschulkinder, Premierminister in spe." Die Universität sollte daher auch "ihre eigene Rolle aufklären: etwa dass sie Vorwürfe gegen Arday lange ignorierte, dass sie im Berufungsverfahren besser geeignete Kandidaten überging, wie die New York Times berichtete. Und vor allem sollte sie sich nicht länger feige wegducken vor einem schmerzhaften Eingeständnis: dass hinter der Berufung Ardays ein jahrzehntelanges institutionelles Versagen steht. Dass man hier, an einer der angeblich besten Universitäten der Welt, keinerlei Strategie hatte, um den Imperativ der Bestenauslese mit der Öffnung für Menschen mit anderen Lebensläufen zu versöhnen."

Aus der Frage, ob Jason Arday seine Karriere auf "falschen Angaben aufgebaut" habe, sei längst eine politische Auseinandersetzung geworden, konstatiert Lion Grote im Tagesspiegel. "Die Rechte sieht in ihm den Beleg für eine Universität, die Diversität über Leistung stellt. Ardays Unterstützer sehen in der Affäre den Beleg dafür, dass ein schwarzer Wissenschaftler trotz seiner Stellung nicht vor Rassismus sicher ist. Und Cambridge muss sich fragen lassen, warum eine der renommiertesten Universitäten der Welt daran gescheitert ist, ihren Professor zu schützen."
Stichwörter: Arday, Jason, Cambridge

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.08.2026 - Wissenschaft

Die Arday-Tragödie entwickelt sich zu einem bizarren Kulturkampf. Über 100.000 Menschen haben bisher einen offenen Brief der NGO "The Good Law" an den Premierminister unterschrieben, die eine Untersuchung der Berichterstattung in der britische Presse fordert. "Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der tragische Tod von Dr. Arday die direkte, vorhersehbare und vorhergesehene Folge der Schikanen durch die Presse war. Ein wesentlicher Faktor bei diesen Schikanen war seine Hautfarbe. Die Selbstregulierung der Presse ist gänzlich gescheitert … Wir bitten Sie höflich, unverzüglich eine öffentliche Untersuchung einzuleiten, um zu klären, wie angesichts des Beitrags der Presse zum tragischen Tod von Dr. Arday ein verantwortungsbewusstes Presseverhalten gewährleistet werden kann."

Ähnliche Forderungen wurden am Montag auf einer Gedenkveranstaltung für Arday auf dem Trafalgar Square erhoben, wo laut Chennel 4 100.000 Menschen zusammenkamen.


Der Guardian ist mit in die Angriffslinie geraten, weil er, obwohl links, ebenfalls kritisch zu Arday recherchierte. Er rechtfertigt sich in einem Editorial: "Der Guardian wollte herausfinden, was wahr ist. Das ist die eigentliche Aufgabe des Journalismus. Arday hatte die Reporter vor über einem Jahr kontaktiert, und diese haben intensiv daran gearbeitet, seine Aussagen zu überprüfen. In vielen Fällen gelang ihnen dies jedoch nicht. Es war richtig vom Guardian, seine Recherchen zu veröffentlichen, und es ist falsch, dass die Journalisten, die ihre Arbeit verantwortungsbewusst erledigt haben, nun einer Flut von Beschimpfungen ausgesetzt sind."

Graeme Wood fühlt sich im Atlantic eher an Ibsen-Dramen erinnert, wo die Protagonisten oft ihren Lebenslügen erliegen. Nicht ohne wohlwollende Unterstützung: "Ardays Kollegen, seine Herausgeber und diejenigen, die wussten, dass er ein Betrüger war, aber nichts sagten, mussten wegen ihrer Rolle bei seiner Einstellung und der Veröffentlichung seiner Arbeiten einiges an Spott hinnehmen. Doch bis heute habe ich keine Anzeichen dafür gesehen, dass sie sich ihrer Mitschuld bewusst geworden sind". Linke Medien wie die Byline Times glauben dagegen eher, rechte Netzwerke um Peter Thiel stünden hinter der Kampagne gegen Arday. Nils Markwardt kritisiert in Zeit online die symbolische Überhöhung der Affäre durch die Kritiker der Wokeness: "Der Fall Arday macht deutlich, welch ein Privileg es ist, im Skandalfall nicht sofort als Repräsentant einer Gruppe, als Ausdruck einer Idee oder als Produkt einer Ideologie angesehen zu werden." In der Welt schreibt Nicholas Potter.
Stichwörter: Arday, Jason

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2026 - Wissenschaft

Der pädagogische Fachbereich der Uni Cambridge ist durch die Jason-Arday-Affäre ins Gespräch gekommern. Hier lehrte nicht nur Jason Arday als von der Hierarchie gewollter und dann fallengelassener Posterboy eines antirassistischen Diskurses, dessen psychische Labilität der Uni offenbar kein Kopfzerbrechen bereitete. Hier wird in einem der Uni assoziierten Projekt eines "islamischen Kurrikulums" auch gelehrt, dass die Evolutionstheorie eine kolonialistische Erfindung sei (unser Resümee). Andrew Gilligan setzt im Spectator eine Serie über die islamische Pädagogik in Cambridge fort: "Ein von der Universität Cambridge getragenes akademisches Projekt wirbt für einen 'islamischen Lehrplan', der 12-Jährigen vermittelt, die Hamas sei ein 'Vorwand, den Israel nutzt, um seine Angriffe auf den Gazastreifen zu rechtfertigen', der die am 7. Oktober von der Terrorgruppe entführten zivilen Geiseln als 'Kriegsgefangene' bezeichnet und in den Unterrichtsmaterialien für Schüler eine Karte der Region veröffentlicht, auf der Israel ausgelassen wurde. Das Projekt veröffentlicht zudem einen nach den Angriffen verfassten Leitfaden für Eltern und Kinder, in dem gefragt wird: 'Was ist der Lohn eines Shaheed (Märtyrers)? Wie fühlst du dich, wenn du an all die Kinder in Gaza denkst, die nun Shuhada (Märtyrer) sind?' Und es heißt darin unter Berufung auf den Koran: 'Sagt niemals, dass diejenigen, die für die Sache Allahs den Märtyrertod erlitten haben, tot sind - in Wahrheit sind sie lebendig, aber ihr nehmt es nicht wahr.'"
Stichwörter: Cambridge

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.08.2026 - Wissenschaft

Die Affäre um Jason Arday beschäftigt die Medien in Großbritannien und den USA in großer Intensität weiter. Dem Rassismusexperten und jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Uni Cambridge waren massive Plagiate vorgeworfen worden, auch seine Lebensgeschichte - der Aufstieg vom autistischen Kind zum renommierten Professor einer der berühmtesten Universtitäten - zeigte immer mehr Risse. Am Freitag wurde er tot aufgefunden. In den sozialen Medien tobt der Streit um die Frage, ob er nun ein Opfer des Rassismus geworden sei, oder nicht eher jener woken Uni-Hierarchien, die unbedingt ihr "Diversity"-Bild verbessern wollten und Arday in seinen Lügengebilden bestärkten. Die New York Times brachte am Samstag eine lange Recherche, die wohl schon vor seinem Tod begonnen wurde und in der einige seiner Behautpungen in Frage gestellt werden: "Ardays Behauptungen, er habe nicht sprechen können, seien falsch, sagen ein ehemaliger Klassenkamerad und ein Sprachtherapeut, der mit ihm gearbeitet hatte, gegenüber der New York Times. Sein angeblich bemerkenswerter Werdegang vom nonverbalen Kind im Vorjugendalter zum promovierten Wissenschaftler habe in der medizinischen Fachliteratur keinen Präzedenzfall, sagen Experten für Entwicklungs- und Sprachverzögerungen. Das hätte beim Einstellungsausschuss in Cambridge, dem auch ein Kinderpsychiater angehörte, der sich mit Autismus befasst hatte, die Alarmglocken läuten lassen müssen, so die Experten."

Der Oxforder Theologe Nigel Biggar hatte schon zwei Tage vor Ardays Tod gespürt, wie gefährlich die Sache für Arday selbst werden könnte. In einem Blogbeitrag schrieb er: "Jason Arday selbst tut mir irgendwie leid. Ja, er hat immer wieder unehrlich gehandelt. Und doch - nach dem, was ich beobachtet habe - glaubt er wirklich an seine eigenen Lügen. Wenn er Kritiker als 'rassistisch motiviert' abtut, klingt es so, als meine er aufrichtig, was er sagt. Er ist in einer Fantasiewelt gefangen. Unabhängig von seiner persönlichen Schuld hat seine missliche Lage etwas Tragisches an sich. Denn wenn die Realität schließlich durchbricht, wird auch die Nemesis Einzug halten. Eine schreckliche Abrechnung wird dazu führen, dass das Selbst, das er sich aufgebaut hat, zerfällt. Ich fürchte um sein Leben."

Gina Thomas zitiert in ihrem Bericht für die FAZ den im New Stateman schreibenden Politikwissenschaftler David Runciman, der darlegt, "dass der Fall niemals so hohe Wellen geschlagen hätte, wenn er sich nicht in Cambridge ereignet hätte. Der Kontrast zwischen dem Ansehen der Institution und 'der höchst zeitgenössischen Dynamik' des Arday-Skandals verleihe der Geschichte ihre Brisanz. 'Rasse, Klasse, Snobismus, Wokeness - all das tritt umso schärfer hervor, wenn die Handlung sich in dieser abgeschotteten Welt alter Colleges und elitärer Reputationen zuträgt, von denen einige nun in Trümmern liegen', schreibt Runciman."

Dominic Johnson lotet in der taz nochmal die Tiefe des Sturzes aus: "Arday wurde durch TV-Shows gereicht, mit Ehrungen überschüttet, in unzählige Gremien berufen und erhielt einen Millionenvorschuss für seine Autobiografie. Größen in Wissenschaft und Politik priesen ihn in höchsten Tönen als einzigartiges Phänomen, als Stimme der Benachteiligten, als neuartige Spezies von Wissenschaftler, der seine Erkenntnisse aus tatsächlicher Lebenserfahrung statt aus akademischer Forschung bezieht." Johnsons nicht unbedingt taz-typische Schlussfolgerung: "Arday ist nicht Opfer von Rassismus geworden. Eher ist er ein Opfer eines falsch verstandenen Antirassismus, der Einzelnen willkürlich ungerechtfertigte Vorteile verschafft." Hier Daniel Zylbersztajn-Lewandowskis und Dominic Johnsons taz-Bericht zur Affäre.

Die Cambridge University soll die Untersuchung, die sie zu Vorwürfen gegen Arday angestrengt hatte, nach seinem Tod vorläufig ausgesetzt haben, berichtet der Guardian, "solange Ardays Familie trauert, zu gegebener Zeit werde geprüft, ob sie wieder aufgenommen werden soll. Wissenschaftler und Politiker haben Zweifel daran geäußert, ob Cambridge Ardays Verletzlichkeit ernst genommen hat, als er 2023 in diese hochrangige, öffentlichkeitswirksame Position berufen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Universität wegen mangelnder Vielfalt in Führungspositionen in die Kritik geraten."
Stichwörter: Arday, Jason

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2026 - Wissenschaft

Professor Jason Arday, dessen Geschichte in den letzten Wochen weltweit Aufsehen erregt hatte, ist von der Polizei gestern Nachmittag tot aufgefunden worden. Arday war bekanntlich als Experte für Diskriminierung als jüngster schwarzer Professor in den pädagogischen Fachbereich der Cambridge Universität aufgenommen worden. Sowohl an seiner wissenschaftlichen Qualifikation als auch an seiner Lebensgeschichte waren erhebliche Zweifel aufgekommen (unsere Resümees). Der Guardian, der selbst durchaus kritisch zu Arday recherchiert hatte, zitiert bereits ein Statement seiner Familie, das Ardays Kritiker für seinen Tod verantwortlich macht. Der Guardian kommt auch auf die Reaktionen an der Cambridge Universität zu sprechen: "Nachdem sie sich zunächst den Forderungen leitender Mitarbeiter nach einer unabhängigen Untersuchung widersetzt hatte, lenkte Vizepräsidentin Deborah Prentice Anfang dieser Woche ein und erklärte, sie erkenne die 'Verärgerung und Besorgnis angesichts dieses schädlichen und schwierigen Falls' an. Sie bezeichnete den Vorfall als Einzelfall, der nicht dazu genutzt werden dürfe, die Fähigkeiten der Mitarbeiter mit anderer Hautfarbe in Frage zu stellen."

Die Auseinandersetzung mit dem Pädagogischen Fachbereich der Uni Cambridge dürfte auch nach Ardays Tod nicht aufhören, wie ein Twitter-Beitrag des Evolutionshistorikers Richard Dawkins zeigt. In diesem Fachbereich werden nach seiner Recherche auch "kreationistische" Positionen vertreten - an der Uni, wo einst Darwin lehrte! "Das Projekt, das die kreationistischen Behauptungen verbreitet - die 'Islamic Educator Learning Community' (IELC) -, wird von Farah Ahmed geleitet, einer Assistenzprofessorin für Erziehungswissenschaften in Cambridge und ehemaligen Aktivistin der inzwischen verbotenen Terrororganisation Hizb ut-Tahrir. Die IELC wird von einer universitären Einrichtung namens 'Cambridge Teacher Research Exchange' (Camtree) 'beherbergt' und arbeitet mit dieser zusammen. Die IELC veröffentlicht auf ihrer Website unter Angabe einer Camtree-Adresse einen Beitrag zum Thema 'Islamisches wissenschaftliches kritisches Bewusstsein' … In dem Beitrag heißt es, dass die 'Bekämpfung der kolonialen Hegemonie in der naturwissenschaftlichen Bildung für Muslime' unter anderem darin bestehen könnte, 'Lücken im Fossilienbestand aufzudecken, um zu belegen, dass die Beweise für die Abstammung des Menschen vom Affen nicht schlüssig sind'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.08.2026 - Wissenschaft

Der Fall des woken Mythomanen Jason Arday, den die Cambridge Universität trotz überdeutlicher Plagiate zum jüngsten schwarzen Professor kürte, wo er am pädagogischen Fachbereich als Experte für "Critical Race Theory" brillierte, fasziniert die Medien nach wie vor. Der Guardian berichtet über Schulkameraden, die behaupten, Arday habe entgegen seiner Behauptung schon vor dem Alter von zwölf Jahren gesprochen. Aber eigentlich kommt es gar nicht so sehr auf Arday an, sondern auf jene Professoren, die ihn möglich machten, meint Malcolm Clark in Spiked online, zum Beispiel auf seine Dekanin Hilary Cremin, die Arday nach Cambridge geholt hatte. Sie ist Anhängerin der "Friedenspädagogik" von Johan Galtung, der in seinen späten Jahren ein ausgewiesener Antisemit und Holocaustrelativierer war, so Clark. "Hat Cremin Anstalten gemacht, sich von Galtung zu distanzieren? Leider nein. Stattdessen wird in ihrem 2017 mitverfassten Buch 'Positive Peace in Schools', durchgehend auf ihn Bezug genommen, und zwar bereits ab dem ersten Satz. Jason Arday mag wie ein Fantast wirken, doch möglicherweise hat er uns unwissentlich einen Gefallen getan, indem er die Wahnvorstellungen offenlegte, die ganz oben im Elfenbeinturm als Erkenntnisse durchgehen." Von Galtung müssten sich allerdings auch manche deutsche Größen distanzieren, hier ein KI-Resümee über seinen Einfluss in Deutschland.
Stichwörter: Galtung, Johan

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.08.2026 - Wissenschaft

Tyler Austin Harper war Professor für Literaturwissenschaften am Bates College in Maine, USA. In einem Artikel in Atlantic erklärte er kürzlich, warum er dort gekündigt hat: Das progressive College ändere mit seinem Diversity-Programm an den Machtstrukturen genau gar nichts. Das sei alles nur Show. Es habe zum Beispiel kein Problem damit, die Gründung einer Gewerkschaft am College zu hintertreiben. In der FAZ winkt Frauke Steffens ab: Zu allgemein, längst bekannt und andere haben das schon viel besser begründet, gähnt sie. "Harpers Text handelt von Rassismus, von der Prekarisierung der Arbeit und dem Zusammenbruch des Tenure-Systems. Die online zirkulierenden Schlagwörter sind sein unglücklicher Vergleich der DEI-Maßnahmen mit 'Jim Crow', die 'racial monomania' und 'ideologische Verrücktheit', die er dem College vorwirft. Aber mit Táíwò und anderen kann man auch nach der Lektüre der anekdotischen Evidenz weiter fragen: Hat wirklich 'progressiver Extremismus' die Krise der Universität hervorgebracht? Oder hat eine als Investment-Modell funktionierende Hochschule progressive Sprache über- und Forderungen aufgenommen, weil sie ihr moralische Legitimation bieten, ohne die Machtverhältnisse zu bedrohen?" Womöglich denkt Harper, beides ist der Fall? Und vielleicht ist das - auch mit Blick auf den Skandal um den britischen Pädagogikprofessor Jason Arday (unsere Resümees) - gar nicht so falsch?

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Der Rechtsphilosoph Christoph Möllers gibt in der Welt das xte Interview zu seinem Buch "Autoritäre Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit". Hier antwortet er konkret auf die Frage, ob und wie eine AfD-Regierung beispielsweise in Sachsen-Anhalt die Wissenschaften beschneiden könnte: "Sie könnte kofinanzierte Förderung einstellen. Wir haben eine Menge an Instituten, Max-Planck-Institute und andere, die von Bund und Ländern finanziert werden. Das Land kann damit beginnen, diese Finanzierung auszutrocknen. Da gibt es Kündigungsfristen, aber Länder können aus dieser Zusammenarbeit aussteigen. Und damit die außeruniversitäre Forschung infrage stellen, die eine Bund-Länder-Forschung ist. Für die Universitäten kann ein einziges Land die gesamte Bund-Länder-Zusammenarbeit für die Zukunft killen. So hängt die Exzellenzinitiative am Konsens von Bund und Ländern. Es ist natürlich fatal, weil ein einziges Land genügt, um die ganze Kooperationsstruktur infrage zu stellen."

In der FAZ verteidigt der Ethnologe Martin Zillinger die Kölner Museumsdirektorin Nanette Snoep, deren Vertrag für ihre Leitung des Rautenstrauch-Joest Museums nicht verlängert werden soll. Sie war unter anderem wegen ihres radikalen postkolonialen Ansatzes, sinkender Besucherzahlen und ihres Führungsstils in die Kritik geraten (hier ein KI-Resümee). Für Zillinger setzt sie sich dagegen schlicht nur mit dem Kolonialismus auseinander, ihre Kritiker hingegen würden der AfD in die Hände spielen: "Was sich bei Mitgliedern der Museumsgesellschaft als Sehnsucht nach einer Vergangenheit noch unschuldiger Museen und gesicherten Wissens artikuliert, wird von der AfD in Sachsen-Anhalt bedient, indem sie einen 'Stolz-Pass' vorschlägt, über den deutsches Kulturgut ohne den Ballast ihrer Gewaltgeschichte vermittelt werden soll. Eine internationale Bühne erhielten diese Wünsche, als der amerikanische Außenminister Marco Rubio forderte, Europa müsse aufhören, seine imperiale Geschichte kritisch zu hinterfragen, und solle diese stolz verteidigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2026 - Wissenschaft

Der Fall Jason Arday ist eine Illustration dafür, wie Institutionen funktionieren. Viele wussten davon, dass Arday dubiose Referenzen hatte, aber man bewahrte ein höfliches Schweigen. Der einzige, der es wagte, die Gerüchte über Ardays Plagiate zu verifizieren, Nathan Cofnas, wurde gleich, etwa von der New York Times, des Rechtsradikalismus beschuldigt, schreibt Andrew Hammel in Quillette. Aber um die Verstöße herauszufinden "musste Ardays Dissertation nur durch einen Online-Plagiatsprüfer namens 'Copyleaks' laufen. Diese fünfminütige Aufgabe scheint nicht nur Ardays Doktorvater überfordert zu haben, sondern auch Hunderte von Wissenschaftlern, die seit 2015 mit ihm zusammengearbeitet, ihn unterstützt, empfohlen oder ihm akademische Grade und Auszeichnungen verliehen haben. Vielleicht sind einigen von ihnen die falsch gesetzten Apostrophs und das eklatante Plagiat tatsächlich aufgefallen, doch ihnen fehlte der Mut, sich zu Wort zu melden. So viel zur akademischen Integrität des Nonplusultra der Hochschulbildung. Cofnas' Vorgehen erforderte beträchtlichen Mut. Er widersetzte sich nicht nur dem gesamten britischen Bildungsestablishment, sondern zog sich damit auch die feindselige Aufmerksamkeit von Londoner Anwälten und vielleicht sogar der Polizei zu. Seine Entscheidung, Arday den Stecker zu ziehen, hat Hunderte seiner akademischen Kollegen gedemütigt. Dennoch wird in einem Großteil der Berichterstattung über die Arday-Affäre Cofnas' Beitrag entweder ignoriert oder er wird als Rassist diffamiert."

John McWhorter gehört zu den schwarzen Intellektuellen in Amerika, die skeptisch gegenüber Antidiskriminierungsprogrammen sind. Für ihn ist der Fall Arday ein Beleg für den "Rassismus niedriger Erwartungen" - mit fatalen Folgen, wie er im City-Journal darlegt: "Wenn ehrgeizige junge schwarze Studierende sich zu Menschen wie Arday hingezogen fühlen, lernen sie, dass für schwarze Wissenschaftler ihre Hautfarbe wichtiger ist als der Inhalt dessen, was sie zu sagen haben. Leider verstärken weiße Kollegen dies noch, indem sie schwarze Wissenschaftler auf Konferenzen und bei der Einstellung genau darin bestätigen. ... Arday wurde für sein egozentrisches, unkonzentriertes und uninformiertes Geschwätz als brillant angesehen - und sein Rücktrittsschreiben lässt keinerlei Bewusstsein erkennen, dass daran etwas falsch war. Studenten, denen die Überzeugung eingetrichtert wurde, dass nicht harte geistige Arbeit, sondern ihre Hautfarbe sie bedeutend macht, lernen nicht, wie man präzise und klar argumentiert. Und wieder sorgen weiße Wissenschaftler dafür, dass sie das auch nie müssen."
Stichwörter: Arday, Jason, Cambridge

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.08.2026 - Wissenschaft

Der Fall des Jason Arday (unser Resümee) ist natürlich ein gefundenes Fressen. Der Pädagoge, jüngster schwarzer Professor in der Geschichte der Cambridge Universität, hat sich als eine Art Münchhausen der woken Ideologie erwiesen. Nicht nur waren seine Arbeiten über weite Strecken plagiiert und dabei nicht einmal von Belang, sondern auch seine Lebensgeschichte eines autistischen Kindes, das erst spät zur Blüte kam, und die er mit vielen unglaublichen Details ausgeschmückt hat, musste auffliegen. Peinlich ist der Fall für die Uni auch, weil er ihren Ruf beschädigt - Studenten zahlen zwischen 25.000 und 67.000 Pfund jährlich, um dort studieren zu dürfen. Aus all dem sollte man nicht schließen, dass Antidiskriminierungspolitik ("DEI") grundsätzlich gescheitert sei, mahnt der Guardian in seinem Editorial: "Maßnahmen zur Unterstützung von Menschen mit Autismus und Angehörigen ethnischer Minderheiten zu diskreditieren, muss energisch entgegengewirkt werden. Im Nachhinein erscheint es erstaunlich, dass die Einzelheiten von Ardays erstaunlicher Lebensgeschichte nicht schon früher unter die Lupe genommen wurden. Es war falsch von ihm, den Journalisten Jack Grove von der Times Higher Education aufgrund einer Reihe von per E-Mail gestellten Fragen bei der Polizei anzuzeigen. Doch Arday ist eine Einzelperson. Auch wenn aus seinem übereilten Aufstieg Lehren gezogen werden können, besteht die Lösung nicht darin, das Ziel der Chancengleichheit aufzugeben."

"Die Geschichte des jungen schwarzen Intellektuellen liest sich wie ein Märchen, und leider ist sie auch eines", kommentiert Dominic Johnson in der taz. "Das Lehrestablishment in Cambridge hält viel auf seinen guten und neuerdings progressiven Ruf. Sally Morgan, Vorsitzende des Einstellungpanels für Arday, sitzt für die regierende Labour-Partei im britischen Oberhaus. Noch Ende Juli pries sie Arday als 'den Besten der Welt'. Ardays erstes Buch empfahl David Lammy, der ranghöchste schwarze Labour-Politiker, als 'Pflichtlektüre'. Morgan und die anderen müssen sich nun fragen lassen, ob sie Arday als Maskottchen des Antirassismus benutzt haben, um sich selbst zu profilieren."

Bei Zeit Online reagieren die Soziologen Stephan Lessenich und Sarah Nies auf einen Artikel von Armin Nassehi und seiner Kollegin Irmhild Saake (unser Resümee). Die Soziologie sei zu links ausgerichet, schreiben die beiden, gestützt auf eine Studie des amerikanischen Wissenschaftlers James Manzi. Schon diese Grundlage sehen Lessenich und Nies kritisch. Manzi konstruiere "ein 'Rechts-Links-Spektrum des US-amerikanischen politischen Denkens', mit dem die jeweilige Semantik der Abstracts abgeglichen wird. "Im Ergebnis rangiert die Soziologie im oberen Mittelfeld der ausgewählten Disziplinen. Mit einem Wert, der sich zwischen 1960 und 2024, gemäß einer im 'linken' Spektrum vornehmlich an Repräsentant:innen der Demokratischen Partei orientierten Skala, von der typisierten Position eines 'Joe Biden' hin zu jener von 'Elizabeth Warren' bewegt." Auf "Grundlage eines diskutablen Studiendesigns wird in einem wissenschaftlichen Artikel konstatiert, dass soziologische Publikationen der englischsprachigen Welt tendenziell eine sozialdemokratische normative Grundierung aufweisen. In diesen Publikationen dürfte, so lässt sich auf der Linie dieses Befunds vermuten, womöglich weniger häufig von 'Volk' und 'Nation' die Rede sein, dafür wohl vermehrt von 'Demokratie' und 'Geschlecht'. Oder aber von 'Ungleichheit', dem erklärten Reizwort der beiden deutschen Autor:innen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2026 - Wissenschaft

"Ein Experiment, wie weit man die Absurdität treiben kann, bevor jemand nachfragt," so erscheint Benjamin Scherp in der Welt der Lebenslauf des Hochstaplers Jason Arday (unsere Resümees), der zum jüngsten Professor in der Geschichte der Universität Cambridge wurde, bis aufflog, dass seine ganze Geschichte von vorne bis hinten erfunden war: "Entlarvend war dabei die Reaktion der Universität auf Recherchen. Anstatt Hinweisen auf Plagiate und Datenmanipulationen nachzugehen, schaltete die Institution auf Abwehr. Sachliche Anfragen von Medien wie der 'Times Higher Education' wurden mit medienrechtlichen Drohungen blockiert, indem man kritische Nachfragen kurzerhand als rassistisch motiviert darstellte. Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr: Nicht der Betrug wird zum Skandal erklärt, sondern der Versuch der Aufklärung."
Stichwörter: Arday, Jason