9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.07.2025. In der NZZ erklärt Hamed Abdel-Samad, warum man die iranische Mord-Fatwa gegen Donald Trump ernstnehmen sollte. FAZ und Welt streiten über eine SPD-Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf. Warum kommt der Untersuchungssausschus zu Nord Stream 2 nicht voran, fragt die FAZ: weil das Thema Medien und Bevölkerung nicht kratzt, ist die Antwort. Nochmal in der NZZ wünscht sich Viktor Jerofejew eine realistischere russische Opposition.
05.07.2025. Während Wladimir Putin ukrainische Zivilisten massakriert, findet er noch Zeit, das Telefon abzunehmen - meistens ist Donald Trump dran, berichtet die FAZ, und dann plaudern sie über Kino. Im Gespräch mit der NZZ lässt Monika Maron kein gutes Haar an den Westdeutschen. Und auch nicht an den Ostdeutschen. Ebenfalls in der NZZ antwortet Nikolai Klimeniouk auf Masha Gessen, die den Begriff des Antisemitismus umformulieren will, damit er auf die neue Linke nicht mehr zutrifft. Wie nationalistisch sind die protestierenden Studenten in Serbien, fragen die Zeitungen.
04.07.2025. Soll man auf einen Regimewechsel im Iran hoffen? Ja, meint die exiliranische Autorin Nasrin Amirsedghi im Perlentaucher - in Antwort auf eine Warnung Josef Joffes vorm "Balkanistan" Iran. In der FAZ äußert sich der Politologe Vali Nasr eher pessimistisch zu diesem Thema und warnt vor einer "Pax Israeliana". Heute ist der Fourth of July: In der taz erzählt Andrei S. Markovits, wie er zwischen der Skylla des Trumpismus und der Charybdis des Antisemitismus verzweifelt. Guardian und SZ schildern die Abgründe der Trumpschen Deportationsrhetorik und -politik.
03.07.2025. In der FAZ geißelt der Rechtshistoriker Dominik Kawa die bleibende deutsche Ignoranz über die deutschen Verbrechen an den Polen. In der SZ antwortet Eva Illouz auf die Frage, ob Antizionismus eine Form des Antisemitismus ist - mehr oder weniger mit ja. Im Interview mit der Zeit erklärt Alice Schwarzer, warum sie den Wehrdienst verweigern, aber gern ein soziales Pflichtjahr absolvieren würde - und trotzdem gern schießen können würde.
02.07.2025. Einen regime change im Iran können derzeit nur die Iraner bewerkstelligen, meint in der FAZ der Politikwissenschaftler Michael Zürn. Schlechte Nachrichten für alle, die Bluetooth-Kopfhörer benutzen: Sie können abgehört und sogar in Mikrofone verwandelt werden, berichtet Zeit online. Angesichts der Toten bei der Verteilung von Hilfsgütern fragt die NZZ: Was ist Israels langfristige Strategie für Gaza? In der taz plädiert Georg Seeßlen für weniger Rechthaberei beim Debattieren.
01.07.2025. Der israelisch-amerikanische Schlag gegen die iranischen Atomanlagen war nötig - und er war erfolgreich, hält die Times of Israel in einem langen Hintergrundtext fest. Woher kommt die Tendenz der Demokratien zum Appeasement, fragt Richard Herzinger im Perlentaucher. Die SZ bezweifelt, dass europäische Unis vom brain drain der amerikanischen profitieren können. Das Auswärtige Amt versagt bei der Unterstützung der belarussischen Opposition, schreibt Felix Ackermann in der FAZ.
30.06.2025. In der FAZ schildert Joseph Stiglitz die unheimliche Angst an amerikanischen Universitäten, die durch eine Schikanierung ausländischer Studenten (und Studiengebührenzahler) unter Druck gesetzt werden. Die Zeit depubliziert Maxim Biller, dafür darf sich aber die UNRWA äußern. In Cicero kritisiert Samuel Schirmbeck, dass Berlin sein Neutralitätsgebot aufgibt. hpd.de attackiert Julia Klöckner, die die Regenbogenfahne am Bundestag unter Berufung auf die "Neutralitätspflicht" nicht hissen will. Und Clemens Setz und Peter Sloterdijk denken - noch mit dem eigenen Hirn - über KI nach.
28.06.2025. In der Welt befürchtet der im Iran geborene Schriftsteller Amir Gudarzi eine Welle des Terrors des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Viele Menschen im Iran sind keineswegs so entsetzt über die israelischen Bombardierungen, wie es ein Teil der Diaspora behauptet, glaubt die taz. Trump als "Faschist" zu bezeichnen, hilft nicht - wir brauchen neue Geschichten, um Trump zu verstehen, schreibt der Historiker Christopher Clark in der SZ. Viel Aufsehen gibt es um eine von der Zeit depublizierte Kolumne von Maxim Biller. Und in der NZZ konstatiert Michel Houellebecq eine "Anpassung an den Islam".
27.06.2025. In der SZ erklärt Natan Sznaider, warum selbst Israelis, die Netanjahu nicht mögen, den Schlag gegen den Iran befürworten. Ähnlich sieht es der Geheimdienstler und Netanjahu-Kritiker Amos Yadlin in der Zeit. Die iranische Diaspora diskutiert über den Schah-Sohn und Oppositionspolitiker Reza Pahlavi. Die USA verabschieden sich laut taz von der internationalen Impfallianz Gavi. Die FAZ besucht die große Ausstellung über die Bauernkriege im Kloster Schussenried.
26.06.2025. In der FAZ fürchtet der Völkerrechtler Ulrich Fastenrath eine Erosion der internationalen Ordnung, wenn man Israel nicht zur Räson ruft. Aber das Völkerrecht hat nur dort Bestand, wo es durch Macht durchsetzbar ist, erinnert Robert D. Kaplan bei Zeit online. Auch auf den UN-Sicherheitsrat kann das Völkerrecht derzeit nicht setzen, bedauert die SZ. In der New York Times erklärt Masha Gessen, warum man erst den Antisemitismusbegriff neu definieren muss, um einen neuen Bürgermeister zu installieren. Bei Mediazona hofft der belarussische Oppositionspolitiker Sergej Tichanowskij, dass Donald Trump noch mehr politische Gefangene aus der Haft befreit.