Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ab Himbeerrot tut es weh

21.08.2026. Die FAZ bewundert die flagellantische Russlandaustreibung der litauischen Theatermacherin Agnietė Lisičkinaitė. Außerdem applaudiert sie Cyril Aris  Spielfilmdebüt "A Sad and Beautiful World" über den Krieg im Libanon. Die FR blickt in Frankfurt melancholisch auf eine Zeit zurück, in der Grafikdesign ohne KI möglich war. Die taz tritt mit Catherine Christer Hennix in Karlsruhe durch die Schwingtüren des Transfeminismus.

Metapher in Dich rein

20.08.2026. Die FAZ schaut zu, was passiert, wenn Milo Rau in Tel Aviv Wagner aufführt. Außerdem verliebt sie sich in die farbigen Faltenwürfe des ungarisch-französischen Künstlers Simon Hantaï, die in einer Ausstellung in Baden-Baden zu sehen sind. Eline van der Velden, der Mensch hinter der KI-Schauspielerin Tilly Norwood, erklärt in der Zeit, warum die Filmbranche keine Angst vor KI haben muss. Der Perlentaucher lässt sich von Saša Vajdas Coming-of-Age-Film "The Lights, They Sleep" die weniger repräsentativen Seiten von Berlin zeigen.  

Fabelwesen auf spitzen Absätzen

19.08.2026. Die FAZ begeistert sich in Kopenhagen für Sebastian Kloboks getanzte Hommage an das Radio. Der Tagesspiegel bejubelt die queeren und blutigen Exzesse in Jane Schoenbruns Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma". Der Standard feiert das neue Album der Folksängerin Phoebe Bridgers, dessen schmeichelnde Klänge unbedarfte Hörer sirenengleich in den Tod locken. Die Welt ärgert sich über gedankenlos zeitgeistige Installationskunst im Bayreuther Richard-Wagner-Museum.

Ein kaufmännisch beschlagener Hase

18.08.2026. Kapitalismuskritik von Hase, Taube und Schwein bekommen die Kritiker bei Nicolas Stemanns Inszenierung des Jelinek-Stücks "Unter Tieren" in Salzburg serviert - virtuos sind hier lediglich die Schauspieler, findet die Nachtkritik. Die FAZ staunt in der Ausstellung "Wechselwirkungen" in Berlin, wie Gemüsebilder von Kai Bornhöft und Frank Tornow Unbewusstes ans Licht bringen können. Die Autorin Valeria Luiselli erklärt im taz-Gespräch, warum man in Sizilien den Ursprung der Welt am besten spürt. Dank des Künstlers Heimo Zobernig werden aus dem Billy-Regal von Ikea auratische Aluminium-Objekte, staunt die Welt in einer Ausstellung in Berlin.  

Es fehlt der Swag

17.08.2026. Molières "Menschenfeind" kann die Kritiker in Jette Steckels Salzburger Fassung mit seiner bunten Teletubbies-Ästhetik nicht recht überzeugen. Die Jüdische Allgemeine fragt, warum Maha El Hissy, der sie Antisemitismus vorwirft, in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen wurde. Die FR bestaunt beim Filmfestival in Locarno sinnliche Handchirurgen. Steffen Kopetzky spricht mit der Zeit über die Waldbrände im Hürtgenwald. Die FAZ bewundert in Dresden japanische Holzschnitte - und ihre Fälschungen. 

Es ist wie ein Tango

15.08.2026. Der Standard erliegt der cleveren Kapitalismuskritik und dem Charme einer Kuh namens Anna, die Elfriede Jelinek in Salzburg auf die Bühne bringt. Der Tagesspiegel bewundert in Susch die feministische Kunst Mariuccia Secols. Zeit online pflegt seine Melancholie mit Phoebe Bridgers' drittem Album "Lost Weekend". Die FAS unterhält sich mit Autorin Emma Cline übers Sterben. Die Italiener haben die Sünden ihrer Vergangenheit unter den Teppich gekehrt und pflegen nun eine Kultur der Unschuld, kritisiert die Autorin Melania Mazzucco in der NZZ. Critic.de sieht den letzten Film von Thomas Heise.

Der kosmische Funke ist erloschen

14.08.2026. In der SZ erklärt der Denkmalschützer Mathias Pfeil, warum die Habermas-Villa nun unter Denkmalschutz steht: Habermas' Vernunft ist eingeflossen in den Entwurf. Die FAZ fliegt im Arp-Museum mit rotem Narrenkäppchen zu den Sternen. Im Standard spricht Robert Misik über Rechtsextremismus und seinen Essay "Erziehung zur Grausamkeit". In der SZ erklärt Jan "Monchi" Gorkow von "Feine Sahne Fischfilet", warum er in sein Heimatdorf in Meck-Pomm zurückgezogen ist - trotz 54 Prozent AfD-Wählern.

Scharten, Schwächen und Schandflecke

13.08.2026. In der Zeit erzählt die afghanische Schriftstellerin Homeira Qaderi, wie sie mit einem anonymen online-Literaturzirkel für afghanische Frauen einen "Hort des Widerstands" geschaffen hat. In der taz erklärt die im Iran geborene Künstlerin Aynaz Najafi, wie sie in ihrer Miniaturmalerei verschlüsselt vom Kampf der Frauen im Iran erzählt. In der FAZ wirft der Architekturhistoriker Adrian von Buttlar den Planern einer begrünten Ludwigstraße in München Geschichtsvergessenheit vor. Und der Perlentaucher amüsiert sich über die unbarmherzigen Merz-Porträts von Nikita Teryoshin.

Kauderwelsch des Schreckens

12.08.2026. Wo sind die großen Namen auf der Longlist, fragen sich die Feuilletons: Die haben keinen Nerv mehr, umsonst Preisverleihungen absitzen zu müssen, glaubt die SZ. Es gibt kein amerikanisches Kino, behauptet James Gray in der Welt. Die Universität der Zukunft gibt es schon, meint die FAZ mit Blick auf einen Flachbau von Hans Scharoun. Der Perlentaucher erkennt in Emmanuel Mourets "Drei Freundinnen" was die Liebe mit dem Erzählen macht.

Ein Phänomen wie Spodysseus

11.08.2026. FAZ und Welt schwelgen in der barocken Pracht von Antonio Cestis in Innsbruck aufgeführter Oper "Il pomo d'oro" über einen antiken Zickenkrieg. Die FAZ ist außerdem erschüttert von Lyobov Sinitsinas und Torstein Grudes Doku über russische Kriegsrealitäten. Die NZZ berauscht sich an den fließenden Fotografien der iranischen Künstlerin Shirana Shahbazi im Kunstmuseum Luzern. Die SZ fragt, ob ein 2,3 Millionen teures Stahlnetz der Künstlerin Janet Echelman die Frankfurter Konstablerwache drogenfrei machen kann. Dem iranischen Rapper Mahnam Navab Safavi droht in Iran die Todesstrafe, berichtet die taz