Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.08.2026. Die monumentalen Bilder von Anne Loch ziehen die NZZ in Bern in ihren Bann. Außerdem ist sie fasziniert vom experimentellen Jazz von Domi & JD Beck. Was geschieht mit dem Bauhaus-Weltkulturerbe bei einem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, fragt der Tagesspiegel. Wolfgang Matz ärgert sich in der FAZ über die Seelenlosigkeit von KI-Literatur. "Game of Thrones"-Fans können laut SZ nun nach Stratford-upon-Avon pilgern, wo gerade ein Prequel auf der Bühne zu sehen ist.
08.08.2026. Monopol erliegt in Moritzburg der Farbpracht der Bildbauwerke des Avantgardisten Edmund Kesting. Die Welt findet Wolfram Weimers Idee, eine Porträtgalerie nach Londoner Vorbild zu schaffen, gar nicht so verkehrt. Die FAS erkennt in einem erst jetzt entdeckten Drehbuch von Heiner Müller, wie sehr Müller bereit war, den Aufbau des Sozialismus didaktisch zu begleiten. Die SZ kann nur bewundern, wie es Marshall Allen gelingt, mit 101 Jahren den Free Funk in die Gegenwart zu holen. Und die FAZ weiß, was Tech Bros lesen.
07.08.2026. Weniger Kunstverachtung und Marketinggags bitte, ruft die SZ Matthias Lilienthal zu Beginn seiner Volksbühnenintendanz zu. ND erfüllt dem Schriftsteller Joachim Lottmann einen Wunsch: Ein Nachruf zu Lebzeiten auf einen Künstler, den die Wirklichkeit high macht. Die FAZ lernt von dem Wiener Konzeptfotografen Fritz Simiak, wie man Bachs h-Moll-Messe in Fotos von Zäunen übersetzt. Und die NZZ stellt fest: In Italien hört man nur noch alte Schlager.
06.08.2026. In Salzburg knien die Theaterkritiker nieder, wenn Dirigent Maxime Pascal die rauschhafte Emotionalität von Messiaens "Saint Francois d'Assise" erklingen lässt. In der FAZ sehnt sich der Regisseur Christoph Hochhäusler nach einer europäischen Öffentlichkeit des Kinos. Die Welt blickt in München überwältigt auf monumentale Papierarbeiten von Dana Schutz. Die taz lernt in Heidelberg von Andrea Pichl, was DDR-Lauben, NS-Behelfsheime und Baumarktgartenhäuschen gemein haben.
05.08.2026. Die Welt erlebt bei Eun-Me Ahns in Wien aufgeführtem Tanzstück "Post-Orientalist Express" Kolonialismuskritik als psychedelischen Fiebertraum. Die Gen Z geht plötzlich wieder ins Kino, staunt die SZ angesichts der Kassenerfolge von "Die Odyssee" und "Spider-Man: Brand New Day". Wim Wenders' "Falsche Bewegung" ist ohne die Nacktszene mit Nastassja Kinski nicht mehr derselbe Film, befindet die FAZ. Die ergötzt sich außerdem in einer Aschaffenburger Ausstellung an einem Gemälde von Christian Schad, das einen erstaunlich androgynen Alain Delon zeigt.
04.08.2026. Die SZ ist in München regelrecht hypnotisiert von Tord Gustavsens und Trygve Seims spirituellem Jazz. Die Kritiker lassen sich von Ersan Mondtags Salzburger Inszenierung der Strauss-Oper "Ariadne auf Naxos" auf den Mars verfrachten - und sind reichlich verwirrt. Der Filmdienst unterhält sich mit Sandra Wollner über ihr eigenwilliges Trauerdrama "Everytime". Der Tagesspiegel erzählt aus dem Leben der "Frauenmalerin", Designerin und Bühnenbildnerin Marie Laurencin.
03.08.2026. Der KI-"Ring" kann die Wagnerianer nicht überzeugen, vom Publikum gibt's Buh-Rufe, von den Kritikern Ideen, wie sich eine KI sinnvoller einsetzen ließe. Wim Wenders hat die Nacktszene mit Nastassja Kinski nun aus dem Film geschnitten, besser spät als nie, finden alle. Der Tagesspiegel bestaunt die gegenständlichen Pop-Art-Gemälde von Edward Dwurnik in Warschau. Die Literaturkritiker trauern um Monika Helfer. Der Standard geht in Kyjiwer und Charkiwer Clubs tanzen.
01.08.2026. Bruder Röhm? Frank Castorf bewundert in der Welt die radikale Selbstinfragestellung Klaus Manns, dessen "Mephisto" er am BE inszeniert. Die SZ lässt ihre Vorstellungskraft schweifen in einer Wiener Ausstellung über die Anfänge der Reisefotografie. In der FAS erinnert der Historiker Stephan Malinowski daran, wie sehr Gillo Pontecorvos Film "Schlacht um Algier" vor sechzig Jahren die westliche Sehnsucht nach revolutionären Großnarrativen bediente. Die Welt lernt in einer New Yorker Ausstellung über Edward Saids These vom Orientalismus, welch ein Segen kulturelle Aneignung für die Kunst ist. Der Riesendrache war doch ganz hübsch, meint die SZ, halb ausgesöhnt mit der KI im Bayreuther "Siegfried".
31.07.2026. Als Intendant geschasst, als Pianist umjubelt: Markus Hinterhäuser gab in Salzburg zusammen mit dem Bariton Matthias Goerne Schuberts "Winterrreise" und nicht nur die SZ hörte den "Wunsch, das Dröhnen der Welt auszublenden". In Salzburg brilliert Christian Thielemann mit einem synästhetischen "Siegfried" auf Weltniveau, freut sich die nachtkritik. Die taz lässt sich in Mönchengladbach von dem Bildhauer Grant Mooney erklären, wie Material gesellschaftlich mit Wert aufgeladen wird. Und der Guardian schreibt den Nachruf auf den Plastinator Gunther von Hagens.
30.07.2026. Die taz lernt bei den diesjährigen "Rencontres de la photographie" in Arles, was "Hydrofeminismus" ist. Die Zeit erfährt von Christine Burgartz, wie die letzten Jahre der Schriftstellerin Brigitte Reimann verliefen. Der FAZ ist das von Gustavo Dudamel dirigierte Mahler-Konzert bei den Salzburger Festspielen geradezu zu perfekt. Außerdem besucht die FAZ Juli Zeh auf dem Lande.