9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
08.05.2026. Deutschland rüstet gewaltig auf. Wird es Europa diesmal guttun, fragt bang Timothy Garton Ash in der SZ. Lasst uns die AfD verbieten, fordert der ehemalige S. Fischer-Verleger Jörg Bong ebendort. Dschihadisten werden in Algerien amnestiert, wer ihre Verbrechen benennt, wird bestraft, während die Kolonialverbrechen der Franzosen per Gesetz als "unverjährbar" eingestuft werden - was ist das für eine Erinnerungspolitik, fragt Kamel Daoud in Le Point. In der Zeit warnt der Historiker Serhii Plokhy vor Konsequenzen aus dem Ukraine-Krieg: Wer seine Atomwaffen abgibt, wird angegriffen.
07.05.2026. Die Zeit erklärt, wie sich der EuGH mit einem Urteil selbst zum Über-Verfassungsgericht Europas erklärt hat, das künftig in alle Bereiche des nationalen Rechts eingreifen kann. In der NZZ sucht der amerikanische Schriftsteller Percival Everett vergeblich das Rückgrat der Republikaner. Die taz berichtet von einem Streit um die sowjetischen Ehrenmale in Berlin, über die in der Zeit auch die ukrainische Historikerin Yevheniia Moliar und ihr Kollege Jörg Baberowski diskutieren. Die FR fürchtet einen Backlash unter jungen Männern gegen Frauenrechte.
06.05.2026. Faschismus ist nur eine Vokabel, sie erklärt in unserer Gegenwart gar nichts, meint in der FAZ Jan-Philipp Reemtsma. In der NZZ stellt sich der Publizist Sigbert Gebert die Frage: Wann ist Gewalt legitim? taz und Politico berichten über den Sturz der konservativen Regierung in Rumänien durch ein Bündnis aus Sozialdemokraten und extremer Rechter. Nein, die Linke ist nicht schuld an der Auflösung des Wahrheitsbegriffs, ruft Robert Misik in der taz. Weniger NS-Geschichten in den Medien, dafür einen Lehrstuhl für Holocaustforschung wünscht sich in der FR der Historiker Ulrich Herbert.
05.05.2026. Die Vereinigten Staaten feiern in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. In der NZZ erklärt der Historiker Manfred Berg die demografischen und politischen Herausforderungen, vor denen das Land steht. Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger schildert zugleich in Zeit online den Hofstaat, mit dem sich Trump umgibt. Die taz fragt, warum es eigentlich nur in Hamburg nie einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum NSU gab und warum eine stattdessen eingesetzte "Forschungsgruppe" nicht vorankommt.
04.05.2026. In Sachsen-Anhalt ist die AfD gefährlich nah an der Macht: Die FAZ warnt vor ihrer kommenden russophilen Bildungspolitik. In der SZ erklärt der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecky, warum die europäischen Rechtsextremisten Putin so lieben. Librejournal.fr analysiert die Dialektik des französischen "Antifaschismus" - er bringt die extreme Rechte an die Macht. Polen und Griechenland erinnern laut taz und FAZ die Deutschen an die Verheerungen ihres einstigen Rechtsextremismus. In der NZZ erklärt Kacem El Ghazzali , warum er kein Aushängeschild für Quotendiversität sein will.
02.05.2026. Die Russen haben inzwischen solche Angst vor ukrainischen Drohnen, dass sie lieber die Parade zum 9. Mai verkleinern, berichtet die FAZ. Steckt die AfD hinter dem Buchhandlungspreis-Chaos, fragt die SZ. Zum Antisemitismus empfiehlt die Vogue einen blauen Samtblazer sowie ein markantes Brillengestell. Die taz warnt vor der Kulturpolitik der AfD. Und sie prognostiziert Keir Starmers Untergang.
30.04.2026. Wenn Peter Magyar in Ungarn Erfolg haben will, darf er nicht an Orbans Methoden anknüpfen, mahnt der Politologe Zoltan Adam in der NZZ. Der Berliner Finanzsenator Stefan Evers ist jetzt auch der Berliner Kultursenator. Der Berliner Kultur und dem Tagesspiegel macht diese Meldung eher Sorge. Die taz und Le Grand Contintent fragen, wer das Terrornetzwerk "Hayi" ist. Mali ist auch das Desaster des Postkolonialismus, konstatiert Laurent Joffrin in librejournal.fr.
29.04.2026. In der SZ schaut Claudius Seidl auf die Katastrophe der Berliner Kulturpolitik. Carl Schmitt war zwar nicht der "Katechon", aber die Verschwörer des 20. Juli mochten ihn auch so nicht besonders, muss die Zeit feststellen. Dort wird auch über ein "Gruppenexperiment" Adornos berichtet, das er lieber nicht veröffentlichte. Die SZ recherchiert zum Leiter einer Deutsch-Arabischen Schule in Berlin, der einen Anschlag gegen sich erfunden haben soll. Die taz vermisst die Action einstiger 1. Mai-Demos in Berlin.
28.04.2026. Die SZ lässt sich von Christoph Möllers erklären, warum Antisemitismus unter Kunstfreiheit fällt. Im Ukrainekrieg erkennen inzwischen selbst russische Propagandisten den Widerspruch zwischen militärischen Zielen und der militärischen Wirklichkeit, erzählt der Schriftsteller Christoph Brumme in der NZZ. In der taz beklagt der Blogger und Aktivist Emran Feroz eine "Islamophobie-Industrie" in Deutschland. Und die SZ stellt den Zuckbot vor.
27.04.2026. In der NZZ fordert der Historiker Jan Grabowski einen offenen Blick auf den Holocaust - auch die Komplizen in den besetzten Ländern müssen in der Geschichtsschreibung vorkommen, fordert er. In Frankfurt wird ein Habermas-Kongress vorbereitet, und so gut wie alle Adepten fragen sich laut FAZ: Bin ich es, der da reden soll? Die Welt beleuchtet das unheimliche, von Palantir in Aussicht gestellte Szenario eines von KI automatisierten Krieges. hpd.de beleuchtet den religiösen Aspekt am Trumpismus: Die Trennung von Staat und Religion erodiert.