Herausgegeben von Hans-Peter Nowitzki und Peter Henning Haischer. Für eine lange Zeit stand das ganze Schaffen Wielands im Schatten des "Oberon". Das Versepos eroberte sich schon bald nach Erscheinen eine immense Leserschaft und strahlte auch schnell auf Musik und bildende Kunst aus. Mit seiner vordergründigen Sittlichkeit schien es selbst Wielands konservativsten Kritikern zu genügen, was ihm besonders im prüden 19. Jahrhundert Freunde machte. Feierte er in seinen Helden nicht bedingungslosen Gehorsam, unerschütterliches Gottvertrauen, Biedersinn, Pflichtbewußtsein, Arbeit, Fleiß und die bürgerliche Kleinfamilie? Ach, wenn es so einfach wäre … Bei genauer Lektüre entpuppt sich Wielands märchenhafte Erzählung als subtile Befragung konventioneller Moral und christlicher Glaubensvorstellungen, deren Kernsymbole er raffiniert nutzt, um sie kritisch gegen die Tradition zu wenden. Seine ironisch-phantastische Behandlung dieser Themen macht ihn zu einem Romantiker avant la lettre und den Oberon zu einem trojanischen Pferd seiner skeptischen Weltanschauung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.08.2026
Rezensent Martin Oehlen kann sich der Magie von Christoph Martin Wielands Heldengedicht nicht entziehen. In der "erhellenden" kritischen Ausgabe der Herausgeber Peter-Henning Haischer und Hans-Peter Nowitzki macht ihm Wielands Hauptwerk noch mehr Freude. Wie Wieland den abenteuerlichen Stoff aus dem Mittelalter, die Geschichte um den Elfenkönig Oberon und die Elfenkönigin Titania, fasst, ist für Oehlen reine Avantgarde und mit den freien Versen auf der Höhe unserer Zeit. Amüsant ist es überdies, versichert der Rezensent.
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