Herausgegeben von Ralf Schenk. Fred Gehler schreibt seit Ende der 1950er-Jahre über Kino- und Filmgeschichte. Mit seinen Kritiken, die unter anderem in der Wochenzeitung Sonntag, in den Fachzeitschriften Deutsche Filmkunst und Film und Fernsehen zu lesen und im Berliner Rundfunk zu hören waren, avancierte er zum hochgeschätzten Ratgeber für ein cineastisch interessiertes Publikum. Zu seinem 75. Geburtstag legt die DEFA-Stiftung nun eine Auswahl der schönsten Texte vor: eine Zeitreise sowohl durch die DEFA-Historie als auch durch die Geschichte des internationalen, besonders des sowjetischen, polnischen und ungarischen Films. Das Interesse Gehlers gilt dabei nicht nur namhaften Regisseuren, sondern auch jungen Talenten sowie weniger bekannten Künstlern, die er mit nicht nachlassender Leidenschaft vor dem Vergessen zu bewahren sucht. Der Blick geht dabei weit über die DDR hinaus; seine Liebe gilt dem Kino der gesamten Welt aus Vergangenheit und Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2012
Hans-Jörg Rother ist ziemlich unzufrieden mit der Perspektive auf Fred Gehler, die in "Cui bono, Fred Gehler?" präsentiert wird. Zum 75. Geburtstag des Filmkritikers hat der Herausgeber Ralf Schenk für die Defa-Stiftung eine Auswahl von Gehlers Kritiken herausgegeben, gepaart mit den jeweiligen Einwänden der SED, ein Gespräch zwischen Gehler und Schenk am Anfang betone besonders die Verbotsvorgänge - eine kritische Perspektive kommt dem Rezensenten hier viel zu kurz. Gehler hatte, nachdem er in einer Kritik einen westdeutschen Nachkriegsfilm einem Ostdeutschen vorgezogen hatte, seine Stelle an der Universität Leipzig verloren und wurde aus der SED geworfen. Nach einiger Zeit fand Gehler trotzdem einen Weg zurück zu einer Beschäftigung als Filmkritiker. Der Rezensent sieht diesen letzten Umstand in Verbindung mit Gehlers Vergangenheit als IM und beruft sich dabei auf die Dissertation des Historikers Andreas Kötzing. Rother hofft auf ein weiteres Buch zu Fred Gehler, das im nächsten Jahr erscheinen soll und sich auch mit seiner Stasi-Vergangenheit auseinandersetzt.
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