System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2026
ISBN
9783787350155 Gebunden, 364 Seiten, 74,00
EUR
Klappentext
Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Hans Vaihinger (1852-1933) war als Gründer der Kant-Gesellschaft und der "Kant-Studien", als Kant-Kommentator und Philosophiehistoriker einer der bedeutendsten Philosophen des beginnenden 20. Jahrhunderts. In Abgrenzung zum Neukantianismus vertrat er einen ganz eigenen, idealistisch-positivistischen Ansatz. Sein Hauptwerk, die "Philosophie des Als Ob", bildete seiner Aussage nach die Summe seines philosophischen Schaffens. In drei Teilen (1. Einführung in die Fiktionenlehre, 2. exemplarische Analysen aus Ökonomie, Staatswissenschaft, Psychologie, Philosophie, Physik und 3. Rückvergewisserung bei Kant) entwirft Vaihinger eine Art metaphysische Supertheorie von allem in Leben, Natur und Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die es mit diesem Anspruch nach ihm nicht mehr gegeben hat."Die Philosophie des Als Ob" erschien 1911; Vaihinger brachte 1924 bei Meiner eine gekürzte "Volksausgabe" heraus, die hier mit einer neuen Einleitung von Gerald Hartung wieder zugänglich gemacht wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.09.2026
Rezensent Michael Hesse freut sich, dass dieses Buch des nicht unumstrittenen Philosophen Hans Vaihinger (1851-1930) eine Wiederveröffentlichung erfährt. Vaihinger war von seinem Lehrer Ernst Laas geprägt, sowie vor allem von Immanuel Kant, dessen Denken er im Sinne des Neukantianismus auf aktuelle Entwicklungen in den Naturwissenschaften beziehen wollte. Er selbst unterscheidet zwischen Fiktionen und Hypothesen, letztere sind an der Wirklichkeit überprüfbar, erstere - Beispiele sind mathematische Ideen, aber auch Konzepte wie "Atome" - nicht, was nicht heißt, dass sie nutzlos sind. Vielmehr können sie bei der Erkenntnis der Wirklichkeit helfen. Herausgeber Gerald Hartung zeigt in seiner Einleitung auf, wie Vaihinger unter dem Einfluss von Darwins Ideen mit solchen Gedanken durchaus auch einem "kruden Naturalismus" huldigt und Normen und Regeln über Gebühr in den Himmel hebt. Doch obwohl Vaihingers Philosophie offensichtlich teilweise gescheitert ist, findet Hesse es schön, dass sie wieder zugänglich ist - auch aus solchen Büchern kann man viel lernen, meint er.
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