Aus dem Englischen von Wolfgang Müller. Seit Jahrzehnten leben Gacalo und Mugdi in Oslo, wo sie ein ruhiges und weitgehend assimiliertes Leben geführt und ihre zwei Kinder großgezogen haben. Doch nachdem ihr geliebter Sohn Dhaqaneh sich den Dschihadisten in Somalia angeschlossen hat und bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen ist, gerät ihre Welt aus den Fugen. Schweren Herzens bieten sie seiner somalischen Familie an, nach Oslo zu kommen. Als sich aber ihre Schwiegertochter immer mehr in die Religion vertieft, während ihre Kinder sich nach den Freiheiten ihrer neuen Heimat sehnen, gibt es einen Bruch in der Familie, der ihrer aller Leben unwiderruflich verändern wird. Vor dem Hintergrund realer Ereignisse erzählt Nuruddin Farah eine Geschichte von Liebe, Loyalität und nationaler Identität, die uns die Frage stellt, ob es je möglich ist, einem Erbe der Gewalt zu entkommen - und wenn ja, zu welchem Preis.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2020
Gleich im ersten Satz klärt Jonathan Fischer alle auf, die es noch nicht wissen: Nurrudin Farah sei ein "Kosmopolit alter Schule". Aufmerksam und wohlwollend berichtet der Kritiker von der Geschichte der Protagonisten dieses Romans und würdigt die komplexe und am Ende sich dramatisch zuspitzende Konstellation. Vor allem den Autor selbst würdigt er, der seit vielen Jahrzehnten in der ganzen Welt über das Schicksal der somalischen Exil-Kommunität aufkläre und dessen persönliche Geschichte seine Romanfiguren beglaubige. Dass die Romanhandlung erzählerisch von zwei Attentaten umspannt wird - dem Selbstmordattentat des Sohnes zweier fiktiver Exil-Somalier und dem Massenmord durch Anders Breivik auf Utoya - empfindet der Rezensent als markanten Kommentar dazu, dass die Fundamentalisten beider Seiten einander bedingen und brauchen. Bei aller Melancholie der Analyse hat er jedoch auch ein paar "Mut-Momente" gefunden, etwa in den Kindern einer Dschihadistin, die nach Norwegen gebracht werden und einem freieren Leben zustreben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.04.2020
Sehr knapp bespricht Rezensentin Stephanie von Oppen diesen Roman des somalischen Schriftstellers Nuruddin Farah, dessen Lektüre sie aber mit kleinen Einschränkungen empfehlen kann. Erzählt wird die Geschichte eines somalischen Ehepaars, das nach Norwegen flieht, sich bestens integriert und deren Kinder studieren. Dann jedoch bricht ein Sohn sein Studium ab, schließt sich Islamisten in Somalia an, kommt bei einem Selbstmordattentat ums Leben und hinterlässt vor Ort Frau und Kinder. Die Hinterbliebenen werden von den Eltern nach Norwegen geholt, resümiert die Kritikerin, die durchaus gespannt verfolgt, wie der Autor den Konflikt und die "kulturellen Ambivalenzen" zwischen der religiösen Schwiegertochter, den traumatisierten Enkeln und dem Ehepaar ausarbeitet. Dass die Geschichte etwas "konventionell" scheint und der Autor einige Fährten auslegt, ohne sie bis zum Ende zu verfolgen, verzeiht die Rezensentin.
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