Stella Gaitano

Eddos goldenes Lächeln

Roman
Cover: Eddos goldenes Lächeln
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN 9783462005462
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Larissa Bender. In einem kleinen Dorf im südlichen Sudan wächst Lucy unter dem abfälligen Namen "Irinu" auf, den ihre Mutter Eddo ihr gab, um den Tod abzuschrecken. Als Eddo stirbt, heiratet Lucy Marco und flieht mit ihm vor dem Krieg in den Norden des Sudans, nach Khartum. Dort wohnen sie bei Freunden, doch die politischen Unruhen des Landes holen sie auch in der Stadt ein und bedrohen ihre neue Heimat. Ein Roman, der die enormen Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen den Geschlechtern und den Religionen in einem von Gewalt geprägten Land erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.08.2026

Im Original ist dieser Roman der südsudanesischen Autorin Stella Gaitano schon 2018 erschienen, jetzt endlich auch auf Deutsch, jubelt Kritikerin Carola Ebeling. Gaitano lebt seit 2022 dank des Writers-in-Exile-Programm in Deutschland, Grund für ihre Emigration ist ihre Kritik an der Regierung des Landes, das seit 2011 gespalten ist, wie wir lesen. Diese Teilungen und Spaltungen spielen auch eine wichtige Rolle in ihrem Roman, der ab den 1960er Jahren angesiedelt ist: In einem südlichen Dorf lebt Eddo, die von einem Fluch besetzt ist, all ihre Kinder sterben vor dem ersten Geburtstag, erklärt Ebeling, bis auf eines, Lucy, das Eddo aber aus Angst kaum annehmen kann. Lucy wird von ihrer Mutter mit einee Art Gegenfluch belegt - sie bekommt so viele Kinder, "dass sie die ganze Welt bevölkern". In direkter Rede und unmittelbarer, eindrücklicher Sprache erzählt Gaitano der Rezensentin zufolge von der patriarchalen Gewalt des Dorfes, aber auch von den Gegensätzen zwischen dem christlich-ruralen Süden und dem urbanen, muslimisch geprägten Norden des Landes, in den Lucy und ihr Mann fliehen müssen. Der Teil nach der Flucht wird von kapitelweise wechselnden Ich-Erzählern berichtet, es geht um politische Unruhen, aber auch um familiäre und freundschaftliche Nähe, die Kritikerin zeigt sich sehr beeindruckt von dem Bild eines facettenreichen und gebeutelten Landes, das die Autorin hier so eindrucksvoll und mit Anklängen an die orale Erzähltradition ihrer Heimat zeichnet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.07.2026

Schon 2020 hat Stella Gaitano für diesen Roman den PEN Translates Award bekommen, völlig zurecht, wie Rezensentin Andrea Pollmeier befindet. Sie ist im Sudan geboren, ihre Muttersprache ist Arabisch, seit 2020 lebt sie im deutschen Exil, erfahren wir. Der Roman ist in den Jahren nach der Unabhängigkeit angesiedelt, von Larissa Bender kongenial übersetzt worden, betont Pollmeier, im Zentrum steht Eddo, die in einem südsudanesischen Dorf wohnt, von Spiritualität, kolonialen Konflikten und gesellschaftlichem Wandel umgeben, Eddo, deren Lächeln mit ihrem goldenen Zahn eine besondere Macht hat. Sie ist für die Kritikerin "eine Art Urmutter", obwohl neun ihrer zehn Kinder gestorben sind. Der überlebenden Irinu, später Lucy, gebe sie den Auftrag, diese Kinder quasi neu zu gebären. Lucy flieht in die Hauptstadt Khartum, anders als erwartet wird es eine dauerhafte Flucht, resümiert die Rezensentin, die von den hier kunstvoll verflochtenen Erzählsträngen sehr überzeugt ist, auch davon, dass trotz aller Probleme der sudanesischen Gesellschaft, im postkolonialen Zeitalter klarzukommen, so etwas wie Hoffnung durchscheint.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.06.2026

Nichts für schwache Nerven ist, was Stella Gaitano hier schreibt, meint Rezensent Dirk Fuhrig. Der raue Alltag im Sudan, Heimat der Autorin und Ort der Handlung, wird ohne jede Beschönigung beschrieben. Im Zentrum des Handlung stehen die Mitglieder zweier Großfamilien, die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel. Besonders die Frauen sehen sich immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob sie beruflich vorankommen oder eine Familie gründen wollen. Die junge Lucy, die sich für eine moderne, städtische Lebensweise entscheidet, hadern immer wieder mit ihrem eigenen Lebensstil. Das alles liest sich "feinfühlig und differenziert", findet Fuhrig, zumindest solange Gaitano persönliche Schicksale schildert. Einschübe, die die politische Entwicklung des Sudans thematisieren, sind hingegen etwas spröde geraten, kritisiert der Rezensent, der insgesamt freilich gleichwohl einen "fesselnden Roman" liest.
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