9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.04.2026. Die Zeitungen feiern das ungarische Wahlergebnis als Sensation - aber sie mahnen auch. 16 Jahre unauslöschliche Zerstörung in den Seelen müssen Peter Magyar, seine Regierung und die Ungarn selbst jetzt heilen, schreibt der ungarische Schriftsteller Gabor Schein in der SZ. Wird die Central European University nach Budapest zurückkehren, fragt Wilhelm Droste in der FAZ. golem.de und heise.de sind begeistert von Frankreich: Dort hat die Regierung einen Masterplan, um den Staat von den amerikanischen Software-Plattformen zu befreien. Religionsfreiheit ist die Freiheit, Religion zu kritisieren, betont Michael Roth in der Welt.
13.04.2026. Der Wahlsieg Peter Magyars gibt ganz Europa Hoffnung, freuen sich die ersten Kommentatoren in den Zeitungen. Er zeigt, dass die MAGA-Bewegung nichts Unaufhaltsames hat, so Anne Applebaum in Atlantic. "Illiberale" Demokratie führt in Korruption, für die sich das Wahlvolk am Ende rächt, so Yascha Mounk in seinem Blog. Nun kommt es auf eine "Mischung aus energischem Wandel und kluger Dosierung" an, mahnt der Tagesspiegel. Die SZ druckt Hape Kerkelings Buchenwald-Rede. Aktualisierung: Magyar siegt mit Zweidrittelmehrheit.
11.04.2026. Die Hälfte hungert, zwei Drittel sind auf Nothilfe angewiesen: Der Sudan ist Schauplatz des schlimmsten Konflikts der Gegenwart und gibt immer mal wieder Anlass zu Konferenzen, die laut taz nur etwas Ritualisiertes haben. Alice Schwarzer wundert sich auf emma.de doch sehr über die Queerbeauftrage der Bundesregierung, die Schwarzer mal eben in einem offiziellen Post "dem rechten Spektrum" zuordnet. Die Gefahr eines Weltkriegs ist heute größer als zu Zeiten des Kalten Kriegs, warnt der Historiker Odd Arne Westad in der FR. Ist die liberale Demokratie noch zu retten, fragt die taz einige Protagonisten des Diskurses. Nein, antworten die meisten.
10.04.2026. Bangigkeit vor den ungarischen Wahlen: In der taz schildert der Journalist Akos Toth, wie Orban die Presse gleichschaltete. In der SZ fragt Lacy Kornitzer, ob die Veränderungen der Orban-Jahre überhaupt noch rückgängig zu machen sind. Und in Zeit online befürchtet Garri Kasparow, dass Orban die Wahl verlieren und dann - mit freundlicher Unterstützung der USA und Russlands - mit Gewalt weiterregieren wird. Die Times of Israel zieht eine bittere Zwischenbilanz des amerikanisch-israelischen Angriffs auf Iran und seiner Folgen.
09.04.2026. Donald Trump hat mit seinen Drohungen gegen den Iran jede Grenze überschritten, meint die SZ unter Berufung auf den Historiker Timothy Snyder. Auch innenpolitisch scheint ihm der Krieg geschadet zu haben: MAGA liegt im Sterben, zitiert die FAZ die New York Times. In der taz erzählt der Rapper Behrad Ali Konari von dem Psychoterror, dem er in iranischen Gefängnissen ausgeliefert war. Die Zeit erinnert an das "größte Kriegsverbrechen der Gegenwart": die Abschlachtung der Bewohner der sudanesischen Stadt Al-Faschir. Ebenfalls in der Zeit ermuntert Aleida Assmann die Leser, eine neue Suchmaschine für die NSDAP-Mitglieder-Kartei zu nutzen, um die eigene Familiengeschichte in der NS-Zeit zu erkunden.
08.04.2026. Im Irankrieg scheint es ein Waffenstillstandsabkommen zu geben - das behauptet jedenfalls Donald Trump, berichtet Zeit online. Wie dieser Krieg jetzt auch ausgeht, Trumps sprachliche Eskalation hat den Genozid quasi salonfähig gemacht, fürchtet die taz. In der SZ beschreibt der ukrainische Schriftsteller Jurko Prochasko, wie Russland versucht, die Ukrainer jenseits der Frontlinie zu zermürben. Bei Zeit online erklärt der Historiker Jeremy Varon, warum die Trump-Regierung die Kritische Theorie gern als Schreckgespenst zeichnet, damit aber leider auch manchmal recht hat.
07.04.2026. Die Täter kamen in Deutschland aus der Mitte der Bevölkerung, sagt Götz Aly in der SZ - aber macht die Ausstellung "Wieviel wussten die Deutschen" in der "Topographie des Terrors" diesen Aspekt wirklich deutlich? Ebenfalls in der SZ spricht der Autor Arnd Henze über die gefährliche Ideologie des "Christlichen Nationalismus" in den USA. In der FAZ warnt der Ethiker Rainer Mühlhoff vor der Ideologie des Silicon Valley. In der taz erklärt der Kriminologe Klaus von Lampe, was es mit den vielen Schießereien in Berlin auf sich hat.
04.04.2026. Um Trump zu bekämpfen, sollten sich die Amerikaner mit der Geschichte ihrer Verfassung auseinandersetzen, ruft die Historikerin Jill Lepore im FAS-Interview. Peter Sloterdijk sieht in der MAGA-Bewegung den Ausdruck eines "kontrafaktischen Minderwertigkeitsgefühls", wie er im SZ-Gespräch erklärt. Der taz wird in einer Ausstellung in Berlin mit VR-Brille das Grauen des syrischen Foltergefängnisses Sednaya vor Augen geführt. In der SZ versichert die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub: Früher war es auch nicht besser!
02.04.2026. Wer sind die Feinde der Demokratie, wer definiert sie, und wann wird man selbst dazu, fragen in der FAZ Elisa Hove, Frauke Rostalski und Philip Manow. Die AfD sollte ruhig Regierungserfahrung sammeln, meint in der NZZ Rüdiger Safranski, das habe auch die Grünen am Ende entradikalisiert. Auf Zeit online fürchtet der Historiker Moshe Zimmermann einen Backlash gegen Israel in den USA. In der SZ erklärt die Rechtsphilosophin Elisabeth Holzleithner, warum der Tatvorwurf "leichtfertige Vergewaltigung" eine Lücke im Sexualstrafrecht schließen würde.
01.04.2026. Instabilität ist der neue Normalzustand, warnt der Ökonom Eswar Prasad bei Zeit Online. Kritik gibt's am neuen Gesetz zur Todesstrafe in Israel exklusiv für palästinensische Terroristen: Die taz hat von Israel eh nichts Besseres erwartet. Die Jüdische Allgemeine hofft, dass der oberste Gerichtshof das Gesetz kassieren wird. Die SZ lässt sich von Chat-GPT bestätigen, dass Open AI gegen das Urheberrecht verstößt. In der FAZ warnt der Migrationsforscher Alexander Kustov, Forschungsergebnisse zur Migration schön zu reden: Damit spiele man den Rechtsextremen in die Hände.