9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Quelle von Instabilität

01.04.2026. Instabilität ist der neue Normalzustand, warnt der Ökonom Eswar Prasad bei Zeit Online. Kritik gibt's am neuen Gesetz zur Todesstrafe in Israel exklusiv für palästinensische Terroristen: Die taz hat von Israel eh nichts Besseres erwartet. Die Jüdische Allgemeine hofft, dass der oberste Gerichtshof das Gesetz kassieren wird. Die SZ lässt sich von Chat-GPT bestätigen, dass Open AI  gegen das Urheberrecht verstößt. In der FAZ warnt der Migrationsforscher Alexander Kustov, Forschungsergebnisse zur Migration schön zu reden: Damit spiele man den Rechtsextremen in die Hände.

Von der Erhabenheit in die Lächerlichkeit

31.03.2026. Der Rheinmetall-Chef hat ukrainische Drohnen verspottet. Er hat allerdings nicht mit den ukrainischen Hausfrauen gerechnet, stellen taz und FAZ fest. Der Historiker Martin Sabrow versucht in Zeit online zu ergründen, warum Honecker heute so gern verharmlost wird. Die SZ erklärt, warum es in der polnischen Stadt Zamość, der Geburtsstadt Rosa Luxemburgs, keine Gedenkplakette für sie gibt. Ist der Rechtspopulismus das Endstadium des Spätkapitalismus, fragt die taz mit Eva von Redecker.

Ohne Eingriffe von oben

30.03.2026. Wenn der Irankrieg andauert, könnte sich herausstellen, dass Putin durch den Krieg mehr einnimmt, als Trump dafür ausgibt, fürchtet Sergei Gerasimow in der NZZ. Zugleich schildert die FAS, wie die Ukraine für ständige Innovation bei den Drohnen sorgt. Und Sönke Neitzel stellt auf einem FAZ-Forum die Frage, ob Europa die Ukraine fallen lässt. Die taz interviewt die Bürgerrechtlerin Debbie Gild-Hayo zum Projekt der israelischen Regierung, die Todesstrafe wieder einzuführen. geschichtedergegenwart.ch und FR schildern Diskursstrategien des Rechtsextremismus.

Permanent lauernde Crashgefahr

28.03.2026. In der FAS beschreibt Götz Aly den "Wirbel von Stärke und Schwäche", der Disruptoren wie Trump und einst schon Hitler vorantreibt. War die knappe Hälfte des Menschengeschlechts ein Fehltritt der Evolution? Diese Frage muss man sich stellen, und zwar ernsthaft, mahnt die Welt mit Blick auf die Fälle Epstein, Pelicot, Ulmen. Im Senegal veschärft sich das Klima gegen Homosexuelle weiter, berichtet Le Point. In der taz fragt die chilenische Schriftstellerin Nona Fernández, wie es die Chilenen fertigbrachten, einen Pinochet-Bewunderer demokratisch zu wählen. Die FAZ erzählt, wie Orban die ungarischen Medien gleichschaltete und diese darüber in Schlummer gerieten.

Durch das Vakuum gekühlt

27.03.2026. Der Musk-Kritiker Quinn Slobodian kommt in der FR nicht umhin zuzugeben: Es gibt auch Aspekte, die man an Elon Musk bewundern muss. "Die Klüngellösung wurde also knapp vermieden", freuen sich die Zeitungen, nachdem sich der Vertriebenenverband nicht mit seiner Personalpolitik beim "Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung" durchsetzen konnte. Le Monde bringt einen Nachruf auf Jean-Pierre Faye, der als erster Martin Heideggers Verwicklung mit dem Nationalsozialismus und Antisemitismus thematisierte.

Schwitzen wie Nilpferde im Whirlpool

26.03.2026. Wer sich auf das drohende Ende des Friedens vorbereiten will, dem empfiehlt Peter Sloterdijk in der Zeit die Lektüre von Machiavellis "Der Fürst" - und eine Suche nach den 27 Streitkräften der EU. Deutschland hat die Entwicklung des Drohnenkriegs verschlafen, warnt in der FAZ der Militärhistoriker Sönke Neitzel. In der taz und bei Beck aktuell erklären die Anwälte Johannes Eisenberg und Jörn Claßen am Beispiel Fernandes/Ulmen, wo die Grenzen der Verdachtsberichterstattung liegen. In der NZZ fragt sich der der Historiker Peter Techet, warum ausgerechnet so viele osteuropäische Länder heute in großen Teilen prorussisch sind.

Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld

25.03.2026. Ist ein Gedenken im ehemaligen KZ Buchenwald überhaupt noch möglich? Nun wenden sich Nachfahren ehemaliger Insassen gegen eine Rede Wolfram Weimers am Gedenktag, berichten mehrere Zeitungen. Die taz fürchtet, dass missliebigen Gruppen der "Zivilgesellschaft" die Subventionierung gestrichen wird. Zeit online fragt, ob das iranische Regime aus dem Krieg gar gestärkt hervorgehen könnte. Das wäre alles nicht passiert, wenn man sich an seine "kluge Diplomatie" gehalten hätte, schimpfte Frank-Walter Steinmeier unterdessen im Auswärtigen Amt.

Rein rationaler öffentlicher Diskurs

24.03.2026. Die Welt erklärt mit Stewart Brand, dem Erfinder des "Whole Earth Catalogue", warum die Umwelt nur mit Urbanisierung zu retten ist. Die SZ erklärt dem neuen grünen Bürgermeister von München, Dominik Krause, mehr oder weniger das gleiche. Die taz erinnert an die argentinische Militärdiktatur, die sich vor fünfzig Jahren an die Macht putschte. In der FAZ erklärt Philip Manow, wofür die Populisten ein "Problemanzeiger" sind. Und ein Habermas-Nachruf ist nachzutragen - von Palantir-Gründer Alexander C. Karp in Politico.

Großer Unmut in der Fraktion

23.03.2026. Das Palästinensertuch ist in der Gedenkstätte Buchenwald nicht verboten, versichert Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner in der SZ, eine "Kufija-Demo" aber schon. Ines Geipel beleuchtet zugleich in der FAZ ein besonders düsteres Kapitel in Buchenwald: die mögliche Kollaboration der KPD mit der SS, wenn's ums Töten ging. Der Rückhalt für Wolfram Weimer bröckelt selbst in der CDU, berichtet die FAZWelt und taz berichten mit unterschiedlicher Akzentsetzung über die von der Regierung geplante Revision des Programms "Demokratie leben". 

Man hat sie den Tauben überlassen

21.03.2026. Auf ZeitOnline glaubt HVG-Chefredakteur Marton Gergely an eine Abwahl Orbans: Während dieser von einer internationalen Revolution träumt, ist Ungarn gescheitert. Vergesst Belarus nicht, ruft die Menschenrechtlerin Marina Kolesnikowa Europa in der FAS zu. In der NZZ fordert die Philosophin Veronica Zanetti Europa auf, sich deutlich zum Völkerrecht zu bekennen. Nicht der Islam, sondern die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland, sagt der Journalist Hasnain Kazim in der SZ. Die FAZ schlägt indes einen gesetzlichen islamischen Feiertag vor. Wird Berlin überhaupt noch regiert, fragt die SZ außerdem.