9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Tiefer Respekt für den Thron von Benin

11.11.2025. Widersprüchliche Berichte über das Museum of West African Art (MoWAA) in Benin City. Während laut SZ gestern eigentlich alles in Butter schien, auch wenn in dem unter anderem dafür gebauten Museum wohl nie Benin-Bronzen zu sehen werden, berichten taz und Zeit online über Tumulte und Chaos. Das Museum selbst bekennt sich untertänigst zum Oba von Benin. In der SZ spricht Martin Schulze Wessel über den deutschen Blick auf die Ukraine. Über die BBC wird diskutiert. Und über Martin Hikel.

Nicht alles daran ist angenehm oder einfach

10.11.2025. Vor zehn Jahren starb André Glucksmann. Marko Martin erinnert in der Welt an ihn. Die SZ erklärt, warum im neuen Museum of West African Art in Benin City die von Deutschland zurückgegebenen Benin-Bronzen fehlen. Die BBC ist in Aufruhr über sich selbst: Ihre Chefs sind wegen Vorwürfen einseitiger Berichterstattung zu Israel und anderen Themen zurückgetreten. Die Zeitungen befassen sich mit Rechtspopulismus in Deutschland, Frankreich, Amerika und Spanien. 

Dann aber wie ein unbeteiligter Passant

08.11.2025. 9. November, Gedenksaison.In der SZ schildert der  Historiker Volker Weiß, wie Gedenkstätten buchstäblich übermalt werden von aktueller Politik: Was rechts oder links ist an den Schmierereien, ist nicht immer zu erkennen. Man kann nicht gedenken, ohne die Rolle der eigenen Familie zu reflekieren, mahnt die Geschichtsinfluencerin Susanne Siegert in der FR. Die FAZ zeigt auf, wie massiv China eine europäische Universität unter Druck setzt. Der Tages-Anzeiger erklärt, warum in der Schweiz mehr Schülerinnen mit Kopftuch herumlaufen als in Kosovo.

Es ist wie in "Mad Max"

07.11.2025. Christian-Zsolt Varga beschreibt in der FAZ, wie sich der Krieg für die Journalisten durch die Drohnen verändert -  sie müssen selbst damit rechnen, zum Ziel zu werden. Nun steht ein Revolutionär gegen einen Reaktionär: Jeffrey Goldberg, Chefredakteur von The Atlantic, äußert sich nach der Wahl Zohran Mamdanis pessimistisch über die amerikanische Politik. Melanie Mühl beobachtet in der FAZ einen Auftritt Björn Höckes: Seine kältesten Sätze sagt er mit einem Lächeln. Susanne Schröter verteidigt in der Jüdischen Allgemeinen Ahmad Mansour.

KI kennt keine Emotionen

06.11.2025. Von Zohran Mamdani lernen, heißt siegen lernen, sind Zeit, SZ und taz überzeugt. Nur ein Häufchen New Yorker Juden fragt sich, ob sie jetzt noch beschützt werden. Die SZ überlegt, ob die Brandmauer vielleicht nur vor einer nervigen Wirklichkeit abschotten soll. Aber rechte Wähler lassen sich kaum zurückgewinnen, warnt der portugiesische Politikwissenschaftler Vicente Valentim in der Zeit. Russische Soldaten töten nicht nur Ukrainer, sondern auch ihre eigenen Leute, erzählt im Spiegel der Journalist Ivan Zhadajew. Die FAZ stellt das geplante Musée-mémorial du terrorisme vor, mit dem Frankreich den Terrorismus seit 1794 länderübergreifend beleuchten will.

Der Druck des radikalen Flügels

05.11.2025. "Herzlichen Glückwunsch an Zohran Mamdani", begrüßt das Editorial Board der New York Times den neuen Bürgermeister der Stadt, aber die Times macht auch darauf aufmerksam, dass es mit linken Bürgermeistern in amerikanischen Städten nicht immer gut lief. Deutsche Zeitungen fragen sich inzwischen, ob Mamdani nun der Anti-Trump ist. Es gibt gar keine Christenverfolgung in Nigeria, hat die taz herausgefunden. Der Sc-Fi-Autor Kim Stanley Robinson warnt in Zeit online davor, den Klimaschutz plötzlich nicht mehr so wichtig zu finden. In der Linkspartei wird es laut Tagesspiegel heftigen Ärger geben. Und im Perlentaucher startet Elke Schmitter eine neue Kolumne.

Ursachen bekämpfen, ohne die Demokratie zu verraten

04.11.2025. Die Brandmauer bröckelt, aber stärkt sie nicht ohnehin die AfD, fragen Philipp Manow im Stern und Jürgen Kaube in der FAZ. Darf Ahmad Mansour nach Antisemitismus bei muslimischen Schülern fragen, oder ist das nicht wissenschaftlich? Der Streit geht weiter. Streit dürfte es demnächst auch in der Linkspartei geben, wo die Jugendorganisation laut Welt einen strikt israelfeindlichen Kurs einschlägt, dem die Partei als ganze folgen soll. 

Religion als Machtmittel

03.11.2025. Herfried Münkler will unser Ruhebedürfnis ja nicht stören, aber er macht in der SZ doch darauf aufmerksam, dass die Trennlinie zwischen Krieg und Frieden zerschlissen ist. Wer den Holocaust als singulär betrachtet, ist der eigentliche Leugner, fürchten Masha Gessen und Marianne Hirsch in der New York Times. Es ist für junge Frauen nicht mehr angesagt, sich mit ihrem Freund in sozialen Medien zu zeigen, informieren taz und Vogue. In der Welt warnt Ahmad Mansour vor ostentativen religiösen Praktiken an Schulen.

Die anderen sind alle ganz andere

01.11.2025. "Eine starke Klimapolitik schafft erst die Möglichkeit, in der Entwicklungspolitik voranzukommen", betont der Ökonom Ottmar Edenhofer im Zeit-Online-Interview als Reaktion auf einen Kommentar von Bill Gates zum Klimawandel. Die Massaker, die die RSF im Sudan begeht, kann man sogar aus dem All sehen, berichtet die taz. Die Demokratie braucht die Wirtschaft und die Wirtschaft braucht mehr Frauen, erklärt die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln im taz-Interview. Die FAS blickt auf die Freundschaft zwischen Alexandr Lukaschenko und Donald Trump, die allerdings von Putin gestört wird. 

Das eigentliche Nadelöhr

31.10.2025. In der NZZ spricht Juri Andruchowytsch über die Ukraine nach über drei Jahren Krieg. Hurra die Brandmauer steht wieder, zumindest in den Niederlanden, freuen sich die Zeitungen. Die "Gesellschaft für Freiheitsrechte" klagt für muslimische Gebete an Berliner Schulen, berichtet die hpd.de - das Problem mit dem Islamismus könne man ja mit pädagogischen Mitteln klären. Golem.de wirft einen sehr ernüchternden Blick auf China: Es hat uns überrundet, zumindest technologisch. taz und FAZ thematisieren Antisemitismus an den Uni.