9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.10.2025. In der FAZ plädiert der Präsident des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz, Lars Brocker, für eine Ausgestaltung des Sozialstaatsprinzips durch die Gerichte - und zur Not auch für Umverteilung. The Free Press zeichnet ein Porträt der Democratic Socialists of America, denen auch Zohran Mamdani angehört. In der Zeit erinnert Moshe Zimmermann an den Mord an Izchak Rabin vor dreißig Jahren, der den Osloer Friedensprozess beendete. Dennoch gibt es stille Erfolge im Nahen Osten, meint Yuval Harari in der SZ. Die taz überlegt, warum der Klimaschutz gerade so in der Defensive ist. Die unbequeme Antwort: Zu viel Ideologie.
29.10.2025. Die islamistische RSF-Miliz hat die Stadt El Fasher im Sudan erobert und tausende Menschen getötet: Die taz hofft, dass der Rest der Welt nun endlich etwas unternimmt. Geld und Waffen für den Krieg im Sudan kommen vor allem aus arabischen Ländern, berichtet der Spiegel. Die FAZ fragt, wie das ZDF nicht merken konnte, dass einer seiner Mitarbeiter Mitglied der Hamas war. backstageclassical dokumentiert, wie Wolfram Weimer die Kultur "schwarz lackiert."
28.10.2025. Von wegen "Stadtbild". Auch die extreme Rechte funktioniert über die Eroberung von Räumen, erklärt der Rechtsextremismusforscher Daniel Mullis in der FAZ. Die NZZ erzählt, wie Spanien mit Algorithmen und einem Überwachungssystem Gewalt gegen Frauen reduziert. Jungle World fragt, warum der 7. Oktober bei einer gewissen Linken eine solche Euphorie auslöste. Dank "Blaupause" können wir hoffen, keinem "Slop" aufgesessen zu sein.
27.10.2025. Es gibt immer mehr Deutsche, die keiner geregelten Erwerbsarbeit nachgehen - die taz ist empört. In der NZZ prangert der Ökonom Branko Milanovic die wachsende Ungleichheit in der Welt an. Trump kann ganz schön raffiniert sein, meint Michael Wolffsohn ebenfalls in der NZZ. Die FAZ klärt über die Piratenflagge aus der Mangaserie "One Piece" auf. Die Welt informiert über Antisemitismus in der deutschen Nahostwissenschaft.
25.10.2025. Algerien ist nahezu unsichtbar. Aber Kamel Daoud macht es in der FAS sichtbar. Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern besteht fort, weil er Funktionen erfüllt, schreibt der ägyptisch-amerikanische Essayist Hussein Aboubakr Mansour in der NZZ. Wehrdienst war mal nicht Zwang, sondern Partizipation, erinnert sich die SZ.
24.10.2025. Die Franzosen wollen nicht arbeiten, aber immerhin sind sie solidarisch mit denen, die an ihrer Stelle arbeiten, stellt Pascal Bruckner in der NZZ fest. Nochmals in der NZZ erklärt der Politologe Joseph Torigian, warum Xi Jinping bis heute an die Vorteile der Planwirtschaft glaubt. Die Zeitungen sind uneins über die Effekte volkstümlicher Rhetorik bei Friedrich Merz. Staatsgeld für die Zivilgesellschaft ist laut taz gut bei NGOs, laut SZ schlecht bei Wolfram Weimer.
23.10.2025. Migration wird gerade zur Chiffre für alles, was in Deutschland schiefläuft: Das dient aber nur der AfD, meint in der taz der Politikwissenschaftler Hans Vorländer. Die FAZ wünscht sich endlich eine Diskussion darüber, welche sinnvolle Einwanderung Deutschland braucht. Die NZZ stellt zwei Neuerscheinungen vor, die sich mit dem Antisemitismus der französischen Linken auseinandersetzen. Zeit und FAZ analysieren die Kräfte, die die Zukunft Gazas bestimmen wollen. Die Pressefreiheit in Italien gerät immer mehr unter Druck, konstatiert die SZ. Kein Wunder, wenn sogar Giorgia Meloni gegen Journalisten schießt, meint Roberto Saviano in der Zeit.
22.10.2025. In der Zeit sieht Herfried Münkler eine neue Hegemonialmacht im Nahen Osten erstehen: die Türkei. In der NZZ hofft Sergei Gerasimow: Sobald klar wird, dass Putin diesen Krieg verliert, wird sein eigenes Volk ihn stürzen. Die SZ hat einige Vorschläge, deutsche Stadtbilder, an denen sich Friedrich Merz stört, schöner und sicherer zu machen: Zum Beispiel, indem er mit den ewigen Baustellen biblischen Ausmaßes aufräumt. Außerdem plädiert sie für einen digitalen Postkolonialismus. Und in der Zeit zieht Maram Stern ein bitteres Fazit nach dem 7. Oktober: Wir sind allein.
21.10.2025. "Eine solche Räuberbande war noch nie an der Macht", meint der legendäre österreichische Journalist Paul Lendvai, der 1957 aus Ungarn ausgewandert ist, im SZ-Interview - er meint natürlich das Orban-Regime und seine rasende Korruption. Was bei Trump die "gestohlenen Wahlen" sind, meint Maarten Boudry in Quillette, ist bei der Linken der "israelische Genozid" - eine Lüge, an die man nicht glauben muss, denn sie ist ein Treueschwur. In der SZ warnen die Historiker Martin Wagner und Sören Urbansky vor dem chinesisch-russischen Bündnis. Und was ist mit Wolfram Weimer?
20.10.2025. Karl Schlögel sprach in seiner Friedenspreisrede über seine Bewunderung der Ukraine und nicht so große Bewunderung der deutschen Öffentlichkeit: "Es gab viele Russlandversteher, aber zu wenige, die etwas von Russland verstanden." Im Perlentaucher schreibt der Historiker Jeffrey Herf über Richard Herzinger. Die Welt recherchiert, warum Herta Müller nicht in Krakau reden durfte. Die NZZ findet heraus, wem Trumps Zollpolitik in Lateinamerika nutzt: nur China.