9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.07.2026. Die taz hat eine kleine, aber nicht unwichtige Beobachtung gemacht: In Russland spricht man nicht mehr von "Spezialoperation", sondern von "Krieg". Die FAZ erzählt unterdessen, wie erfolgreich die Ukraine etwa auf der Krim kämpft. Jürgen Kaube in der FAZ und Thomas Schmid in der Welt wenden sich gegen die "Faschismus"-Vokabel, die den Blick auf die AfD eher versperre als schärfe. In der sudanesischen Frontstadt El Obeid droht ein Blutbad, warnt die taz. Die SZ erzählt, wie die Maga-Bewegung die amerikanische Geschichte vom Thema der Sklaverei reinigen will.
06.07.2026. Die Skepsis gegenüber Trumps Amerika wächst: Hält das System der Checks and Balances noch? Selbst einigen Gerichtsurteilen, die das zu belegen scheinen, traut die SZ nicht. In der FAZ befürchtet der Ökonom Adam Posen einen Niedergang der USA durch Trumps offene Korruption. Der Parteitag der AfD belegte eine weitere Radikalisierung - die Zeitungen fragen, wie die Partei das mit ihrer angeblichen Koalitionsfähigkeit in Einklang bringen will. In der FAZ schreibt der einstige SPD-Politiker Michael Roth über die Krise des Bundestags.
04.07.2026. Die USA feiern heute 250 Jahre Unabhängigkeit, doch gute Stimmung will nicht so richtig aufkommen: Die FAZ erinnert daran, dass die amerikanische Verfassung schon von Beginn an das Potenzial zur "Selbstzerstörung" in sich trug. Auch der Historiker Joseph J. Ellis sieht in der FR viele heutige Probleme schon damals angelegt, zum Beispiel den Rassismus. Der Journalist Andrej Zacharow erklärt in der FAS, warum der russische Staat bald in eine "Cyberpunk-Dystopie" abstürzen könnte. Das russische Staatswesen beruht auf einer Fake-Identität, schreibt derweil der Politologe Andrew Chakhoyan in der NZZ.
03.07.2026. Die Bundesregierung will das Informationsfreiheitsgesetz quasi abschaffen - in der taz protestiert Arne Semsrott von "fragdenstaat.de". Netzpolitik schließt sich an. In Zeit online prangert der Politiologe Markus Linden eine neue Querfront gegen die Vergangenheitsbewältigung an. In der FR erklärt Nancy Fraser, wie sie eine "explizit antineoliberale Linke formulieren und den Kreislauf Biden-Trump durchbrechen" will.
02.07.2026. Linke Kulturkritik hat Deutschland positiv verändert, aber heute ist der Kulturbetrieb so verknöchert, wie er früher war, meint in der FAZ der CDU-Politiker Rüdiger Kruse und skizziert als Gegenprogramm eine konservative Kulturpolitik. In der taz diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer einen Rechtsruck in Schweden. Der Tagesspiegel liest eine Studie der Soziologin Celine Teney zur Frage, warum so viele Menschen AfD wählen. Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt.
01.07.2026. Der Guardian sucht bei Googles DeepMind nach einer KI mit ethischen Werten. Thomas Schmid interpretiert den Erfolg der AfD als Manifestation eines Unmut gegen den zähen Fluss der Alternativlosigkeit. Die NZZ erkennt angesichts der ausländerfeindlichen Proteste in Südafrika und Libyen: Das Unbehagen gegenüber Migration ist global. Die Welt fragt sich angesichts des neuen Code of Ethics des Internationale Museumsverband (ICOM), welche Rolle Kunst eigentlich hier noch spielt.
30.06.2026. Der heutige 30. Juni wird in Südafrika zum "Tag der Angst", berichtet die taz - denn für heute sind in dem Land ausländerfeindliche Ausschreitungen angesagt. Die Welt blickt auf dreißig Jahre Rechtschreibreform zurück. In der FAZ beleuchtet der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel die polnisch-ukrainische Geschichtskontroverse. Im Israel Journal of Foreign Affairs nimmt Jeffrey Herf die Israelkritik Omer Bartovs auseinander.
29.06.2026. Rette sich, wer kann (möglichst aber mit Klimaanlage): Auf die "dunkle Aufklärung" der schwadronierenden Tech-Milliardäre folgt nun ein "dunkler Sozialismus" in der Version des japanischen Marxisten Kohei Saito, informiert die Welt. Wortreich breitet Eva Menasse in republik.ch aus, was sie in Deutschland alles nicht sagen darf. In der Zeit hält der Neuköllner Noch-Bürgermeister Martin Hikel fest: Religion und Staat zu trennen, ist kein Rassismus.
27.06.2026. Dank Zeit, Spiegel und SZ stochern Millionen Deutsche in den Naziakten von Urgroßeltern - unterdessen ist der Nationalsozialismus an den Unis nicht mehr so en vogue, sagt der Historiker Ulrich Herbert in der SZ. Wie kann es kommen, dass eine Organisation wie "Islamic Relief", die der Muslimbruderschaft und auch der Hamas nahesteht, über Jahre 15 Millionen Euro Subventionen des Auswärtigen Amts und Blurbs von Frank-Walter Steinmeier bekommt, fragt hpd.de. In der NZZ beleuchtet Richard C. Schneider die israelische Debatte über die Ultraorthodoxen.
26.06.2026. Philippe Sands wird in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten - die Feuilletons sind begeistert, ein Streiter für das Völkerrecht und brillanter Erzähler. Wenn eine Frau Kopftuch trägt, gibt ihr das im Islam eine zwiespältige Macht, wenn sie es ablegt, setzt es 74 Peitschenhiebe, erfahren wir aus SZ und FAZ. Die FAZ berichtet auch über rassistische Ausschreitungen in Südafrika.