9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Das erste Gesetz auf dem Schulhof

24.04.2025. Die AfD ist laut einer Forsa-Umfrage erstmals stärkste Partei in Deutschland. Was tun? Die Demokraten brauchen ein überzeugendes Zukunftsmodell, meint der Friedensforscher Daniel Mullis in der FR. Wie wärs mit der im Wahlkampf versprochenen Mitte-Rechts-Politik, fragen die Ruhrbarone. Lehramtsstudenten an der FU Berlin glauben tatsächlich, dass Juden die Welt beherrschen, lernt man aus einem taz-Interview mit dem Studenten Lahav Shapira. Die SZ recherchiert zu den Single Use Agents, die Russland für Sabotageakte in der EU einsetzt.

Youtubemäßig

23.04.2025. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten Europas sollten aufrüsten, sich verbünden und eine Plattform gegen Youtube und Tiktok schaffen, meint die SZ. In Zeit online versucht der Jesuitenpater Klaus Mertes das religiöse Programm Peter Thiels und seiner Kreatur J.D. Vance zu entschlüsseln. Im kanadischen Wahlkampf führt Trumps Wüten zu einer Blüte des Liberalismus, erzählt der Politologe John Grant in der taz. Die Jüdische Allgemeine fragt: Warum lieben die Deutsche Omri Boehm so? In der Welt will sich Rüdiger Safranski endlich von der AfD dulden lassen.

Selektive Solidarität

22.04.2025. Papst Franziskus war "sympathisch auf der menschlichen Ebene", konstatiert Volker Reinhardt im Zeit-Online-Interview. Trotzdem kühlte die Begeisterung für sein Pontifikat schnell ab, stellt die SZ fest. Im Perlentaucher blickt Claus Leggewie auf die nochmalige Verschärfung des Tons zwischen Algier und Paris. In der taz prangert palästinensische Aktivist Hamza Howidy die "propalästinensischen" Aktivisten im Westen an, deren Unterstützung eher der Hamas als den Palästinensern zu gelten scheint.

Mythos nationaler Wiederauferstehung

19.04.2025. Wir haben kein neues 1933, sondern ein neues 1914, prophezeit der Ökonom Branko Milanovic in der FR. Die belarussische Aktivistin Palina Sharenda-Panasiuk berichtet in der FAS von den Zuständen in Lukaschenkos Gefängnissen. Die taz erzählt vom jüdischen Widerstand gegen das NS-Regime. Der Historiker Sven Reichardt denkt in der FAS über den Begriff des "Postfaschismus" nach.

Ein wenig aus der Zeit gefallen

17.04.2025. Der russische Angriff auf das Stadtzentrum Sumys war kein Versehen, sondern die bewährte russische Taktik des "Doppelschlags", erklärt Politico. Die NZZ blickt fassungslos auf ein Stück Pipeline, das die orthodoxe Kirche als eine Art Reliquie für den Heldenmut russischer Soldaten ausstellt. Die Jüdische Allgemeine stellt den islamischen Gelehrten Ali al-Qaradaghi vor, der hinter der Fatwa gegen Israel steckt. In Berlin sind Plakate aufgetaucht, die zum Mord an dem taz-Journalisten Nicholas Potter aufrufen. Das machen doch sonst Rechte, ruft entsetzt die Chefredaktion der taz.

Vor dem Ende des Bürgerkriegs

16.04.2025. Im Sudan hat der Bürgerkrieg mit der Verwüstung des größten Flüchtlingslagers in Darfur durch die RSF einen schaurigen Höhepunkt erreicht, berichten taz und Zeit. Europa (und der Rest der Welt) wirft einen Blick und widmet sich dann wieder Donald Trump. Auch die Demokratiebewegung in Georgien interessiert hier kaum: Nimmt Europa seine eigenen Versprechen ernst, fragt in der FAZ der Literaturwissenschaftler Zaal Andronikaschwili. In der SZ staunt Steven Pinker über die komplette Verachtung der Wissenschaft durch Donald Trump. In der Zeit kritisiert die Politologin Martyna Linartas unsere Erbengesellschaft.

Fragen von Moral und Menschlichkeit

15.04.2025. Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, nicht mehr über die Nazizeit zu schweigen, sagt Psychologe Louis Lewitan in der FR. Die humanitäre Krise im Sudan verschärft sich mit jedem Tag, warnt die SZ. In Meduza erfahren wir, wie sich der russische Diskurs über Amerika ändert, welches Putins Propagandisten unter Trump in viel rosigerem Licht erscheint. Und die taz sagt Ja zu "Ja heißt Ja".

Neudefinition von Freiheit

14.04.2025. In der FR erklärt Anetta Kahane mit Blick auf Omri Boehm, warum ihr "Universalismus" nicht behagt. In der FAZ erzählt Heinrich August Winkler, wie die KPD vor hundert Jahren Hindenburg möglich machte. In der NZZ beschreibt der russische Journalist Andrei Kolesnikow die Pathologie des russischen Blicks auf Amerika. Und in der Jungle World spricht Wolfgang Kraushaar über linken Antisemitismus und eine Einstaatenlösung für Israel.

Im Zentrum des Kulturkampfes

12.04.2025. Die taz beleuchtet mit der Figur des Russell Vought die Rolle des "Christlichen Nationalismus" im aktuellen politischen Wahn Amerikas. Die FAZ fragt, ob sich die Demokraten aus der Schockstarre lösen und aus dem Bann des Wokismus befreien können. In der FAS erklärt Evgeny Morozov , wie das neue Oligarchentum in Amerika funktioniert. Und nochmals die taz erklärt die immer schwierigere Lage von ungewollt schwangeren Frauen in Europa.

Um diesen Niedergang aufzuhalten

11.04.2025. Die Feuilletonchefs beugen sich über die kulturpolitischen Passagen im Koalitionsvertrag und finden nur weltanschauliche Plattheiten und Hoffnung auf Umwegfinanzierung. Die SZ wundert sich sehr über die Zeit: Anders als Jesus kommt Giovanni Di Lorenzo nicht mit zwölf Jüngern aus. golem.de rechnet aus, was ein Iphone kosten würde, wenn es in Amerika hergestellt würde. Europa ist nicht nur dadurch geschwächt, dass Amerika sich zurückzieht, konstatiert Richard Herzinger im Perlentaucher.