9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.03.2025. Florian Illies rät uns Europäern, Amerika die kalte Schulter zu zeigen, "um es wieder selbst mit dem Weltgeist zu versuchen". Das Selbstvertrauen, zu dem er rät, müssten wir aber auch nach innen erarbeiten, fürchtet Julia Encke in der FAS. Vielleicht hilft es, wenn der nunmehr achtzigjährige Daniel Cohn-Bendit sein Lächeln anmacht, denn damit verkörperte er "das ganze Positive von 1968", sagt er voller - genau - Selbstvertrauen in der taz.
28.03.2025. Russland rüstet, stellt die SZ fest, und zwar auch für einen Krieg, der über die Ukraine hinausgeht. Und Deutschland rüstet sich für eine Regierung mit Demokratieförderung, aber Ausweitung des Volksverhetzungsparagrafen und Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes, fürchten die Zeitungen. Kamel Daoud schildert in Le Point die Rolle der sozialen Medien in den franko-algerischen und inneralgerischen Scharmützeln. Und die SZ beleuchtet die Rolle von Tiktok im Medienkonsum der Amerikaner.
27.03.2025. Seit zwei Tagen gibt es größere Proteste gegen die Hamas im Gaza-Streifen: Oppositionelle Gazaner im Ausland begrüßen die Proteste, kritisieren aber sowohl die westliche als auch die arabische Berichterstattung. Die NZZ führt vor Augen, wie viel Mut dazu gehört, sich gegen die Hamas aufzulehnen. In der FAZ ruft der Philosoph Omri Boehm in der Nahost-Debatte dazu auf, sich auf das "Nachkriegsprojekt des kosmopolitischen Rechts" zurückzubesinnen. In Istanbul erleben wir derweil gerade den "Aufstand der Generation Z", ruft die SZ.
26.03.2025. Europa muss sich nicht nur praktisch, sondern auch geistig auf den Krieg vorbereiten, hält der Politologe Ivan Krastev im Zeit-Online-Gespräch fest. Garri Kasparow fordert in der Welt den Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland. In der FAZ fragt Bülent Mumay, wann der Westen endlich sein Schweigen zu den Ereignissen in der Türkei bricht. Donald Trump ist eine Antwort auf den Neoliberalismus der neunziger Jahre, glaubt die taz.
25.03.2025. In der NZZ will der Völkerrechtler Thomas Cottier die Hoffnung auf die regelbasierte Ordnung nicht aufgeben. Erdogan hat nun endgültig eine Diktatur errichtet, konstatiert die Welt. Aber spätestens ab jetzt könnte es für Erdogan gefährlich werden, glaubt die SZ. In der FR rät die Philosophin Olivia Mitscherlich-Schönherr zu "klugem Pazifismus".
24.03.2025. Die Zeitungen berichten aus Istanbul - zeigt die Festnahme Ekrem Imamoglus nicht vor allem Erdogans Schwäche, fragt die SZ. Dort denkt auch Norbert Frei mit Habermas darüber nach, wie ein Westen ohne Amerika funktionieren soll: offenbar unter Verzicht auf Osteuropa? Wie schlimm kommt es in Amerika? "Das Land ist Chaos, und genau das hat hier sein Gutes", hofft Jonathan Lethem in der NZZ. In Le Point ruft Pascal Bruckners die Mühseligen und Beladenen Amerikas auf, ins französische Exil zu kommen.
22.03.2025. In der SZ beharrt Jürgen Habermas darauf, dass man in Sachen Ukraine mit Russland hätte verhandeln müssen - ein europäisches Verteidigungsbündnis brauche es aber in jedem Fall. Polen bereitet sich währenddessen militärisch auf den Ernstfall vor, dokumentiert die taz. Selbst die Pessimisten waren noch zu optimistisch, was Donald Trump angeht, ruft der Historiker Thomas Zimmer auf Zeit Online. Und auch der Politologe Steven Levitsky konstatiert im Spiegel-Interview: Die Gewaltenteilung in den USA versagt gerade.
21.03.2025. Wie wird eine Welt aussehen, in der die USA die letzten freiheitlichen Ideen aufgegeben haben? Trotz aller Kritik, die an amerikanischer Politik geübt wurde: auf keinen Fall besser als noch bis vor kurzem, meinen James Kirchick in der Welt und Cyrus Schayegh in der NZZ. Erdogan schafft nebenher in der Türkei Grundlagen für ein Regime, "in dem es überhaupt nicht mehr möglich ist, einen Machtwechsel durch Wahlen herbeizuführen", schreibt FAZ-Kolumnist Bülent Mumay. taz, FR und FAZ beleuchten aus völlig unterschiedlichen Perspektiven die Gleichschaltung von Unis und Forschung durch Trump.
20.03.2025. In der Welt fragt sich Deniz Yücel, ob sich Erdogan mit der Verhaftung seines ärgsten Rivalen nicht selbst eine Grube gräbt. Im Zeit-Interview warnt Donald Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton: Trump will den Friedensnobelpreis und das bedeutet nichts Gutes für die Welt. In der SZ wundert sich der Historiker Michael Brenner über eine anstehende Antisemitismus-Konferenz der israelischen Regierung, auf der vor allem Rechtsradikale vertreten sein werden. "Wenn wir nicht auf europäischer Ebene zusammenarbeiten, wird Russland einen Staat nach dem anderen in Scheibchen-Taktik destabilisieren", warnt der Kommunikationforscher Florian Töpfl in der FR.
19.03.2025. Dass Putin die Zerstörung des Westens vorantreibt, ist für den Militärhistoriker Sönke Neitzel klar. Einen Dritten Weltkrieg hält er aber für unwahrscheinlich. Der Soziologe Armin Nassehi mahnt in der SZ die Bundesregierung, mit den neuen Krediten nicht der AfD in die Hände zu spielen. Bei Zeit Online denkt die Historikerin Susan Richter über Donald Trumps "destruktiven Charakter" nach. In der FAZ wundert sich der Historiker Bert Hoppe indes über die Vergesslichkeit von Herfried Münkler.