9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.03.2025. Der Geograph Michael Krell und die Soziologin Viktoria Kamuf plädieren auf Zeit Online dafür, rechte Räume differenzierter zu betrachten, als nur vom "blauen Osten" zu sprechen. Der Historiker Darius Muschiol klärt in der taz über Rechtsterrorismus in der BRD auf. Ijoma Mangold fragt sich auf Zeit Online, ob sich Trumps "Vibe-Shift" am Ende gegen ihn selber richtet. Der Politikwissenschaftler Carlo Masala versucht in der FR die feine Linie zwischen Abschreckung und Eskalationsspirale zu ziehen.
17.03.2025. Warum gibt's keine komische Oper über die Vorgänge im Weißen Haus, warum versinkt das Kulturschaffen freiwillig in Bedeutungslosigkeit, fragt Roman Bucheli in der NZZ. In Serbien kämpft eine tapfere Opposition gegen die Autokratie - warum ist es der EU egal, fragen mehrere Zeitungen. In der FAZ staunt der Jurist Jannis Lennartz über den Neokatholizismus in der Trump-Regierung. In der SZ arbeitet Martin Schulze Wessel die Unterschiede zwischen Trump und Putin heraus.
15.03.2025. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf kommt in der NZZ auf das Schweigen des Papstes Pius XII. zum Holocaust zurück: Eins ist durch die seit 2020 freigegebenen Archive klar, so Wolf: Der Papst war seit 1942 durch zahlreiche Quellen über den Holocaust informiert - und schwieg aus politischen Gründen. In der taz erklärt die Soziologin Karen Bell, warum Arbeiter mit den Ökodiskursen der Grünen nichts anfangen können. Die FAZ fordert eine digitale Souveränität Europas. Die NZZ fragt, warum die Linkspartei die Muslimbrüder so gern hat.
14.03.2025. Die Welt fragt heute schon, was Historiker in 50 Jahren fragen werden: Warum hat Europa im Jahre 2022 so erbärmlich versagt und die Ukraine geopfert? Auf Zeit Online vermisst der Politologe Stefan Meister eine grundlegende Debatte über eine europäische Russlandstrategie, die auf einen politischen Wandel in Russland zielt. In Belgien darf der Publizist Herman Brusselmans nach einem Gerichtsurteil weiter fantasieren, wie er jedem Juden, dem er begegnet, ein scharfes Messer in die Kehle rammt, berichtet die Jüdische Allgemeine. In der FR gibt die syrische Aktivistin Hind Kabawat dem Iran Mitschuld am Massaker an den syrischen Alawiten.
13.03.2025. Deutschland macht sich mitschuldig an den Massakern an den syrischen Alawiten, ruft der CDU-Politiker Ali Ertan Toprak in der Zeit. Im Welt-Interview wirft Philipp Peyman Engel dem deutschen Medienbetrieb Voreingenommenheit gegenüber Israel vor: Wo waren die großen Artikel über die deutsch-israelische Familie Bibas? Die SZ nimmt hingegen die Berichterstattung über den zweiten Anschlag von Mannheim unter die Lupe. Der russische Schriftsteller Dmitry Glukhovsky fragt sich in der Zeit, wie seine Landsleute es schaffen, vor dem Bösen die Augen zu verschließen.
12.03.2025. Im SpOn-Gespräch fragt sich Michail Chodorkowski, ob Trump nach den Verhandlungen mit der Ukraine den Friedensnobelpreis bekommen wird, oder ob Putin jetzt erst recht weiter angreift - und zwar nicht nur die Ukraine. Während Slavoj Zizek (SZ) und Sönke Neitzel (FR) zu Aufrüstung und Wehrpflicht aufrufen, rät Ilija Trojanow mit Blick auf Russland zu Nüchternheit: Zusammen sind die europäischen Nato-Staaten stärker als Russland, rechnet er vor. "Wir leben in einer digitalen Besatzungszone", konstatiert die FAZ angesichts der Abhängigkeit von US-Digitalmedien. In der FR verteidigt Aleida Assmann die Demonstrationen gegen rechts gegen Angriffe durch die CDU.
11.03.2025. Im taz-Gespräch zeichnet der Guardian-Journalist Luke Harding Trumps Russlandliebe seit 1987 nach. Der amerikanische Politologe Jeffrey Kopstein skizziert indes bei SpOn, wie Trump den Rechtsstaat aushöhlt und ein patrimoniales Regime errichtet. Das hätte der Westen verhindern könnten, seufzt Herfried Münkler ebenfalls bei SpOn. In der FAZ wirft der Althistoriker Egon Flaig der Ukraine vor, eine "postheroische Gesellschaft" zu sein. In Estland nähen alte Damen derweil bereits Uniformen für Soldaten, weiß der estnische Komponist Jüri Reinvere in der FAZ.
10.03.2025. Warum Pazifismus nicht funktioniert, bringt der Essayist Wolfgang Matz in der FAZ am Beispiel Simone Weils in Erinnerung. Die Historiker Agnieszka Pufelska und Felix Ackermann erklären bei geschichtedergegenwart.ch, was "Postpreußen" ist. In den Zeitungen wird diskutiert, ob die Ukrainer kriegsmüde sind. Beim RBB erklärt Claus Leggewie, warum sich Algerien obenauf fühlt. Mit Schrecken hört Le Monde bei den proputinistischen Medien der "Bollosphère" rein.
08.03.2025. In der SZ denkt Herfried Münkler über eine Umorganisation der EU nach, deren Ausgangsbasis das Weimarer Dreieck ist. Auf Zeit Online fordert Robert Reich, Ex-Minister unter Bill Clinton, Europa auf, die USA gemeinsam mit anderen Nationen zu isolieren. Im Guardian schlägt der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz vor, in Europa eingefrorenes russisches Staatsvermögen in die Verteidigung der Ukraine zu investieren. In der FAS blickt der Literaturwissenschaftler Adrian Daub auf die Zensur an amerikanischen Unis.
07.03.2025. "Auch Amerika erfährt nun, dass eine demokratische Verfassung Demokraten braucht", konstatiert die FAZ mit Blick auf die Schleifung der Institutionen durch die Trump-Satrapen. Morgen ist Tag der Frau, die taz bringt eine ganze Frauen-taz und macht klar, dass "Pink Globalization" keine gute Sache ist. Die FAZ greift die Geschichte der ukrainischen Reporterin Victoria Roshchyna auf, die von den Russen zu Tode gefoltert wurde. In der Welt erklärt Philip Manow, warum ein Bündnis zwischen CDU und AfD auszuschließen ist.