Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Kannst du aus der Asche erblühen?

24.02.2026. Der Guardian stellt die Fotografin Julia Kochetova vor, die in der Ukraine Zerstörung und Tod, aber auch Hoffnung, fotografiert. Die FAZ verfolgt gespannt Timofej Kuljabins Inszenierung von Bulgakows "Der Meister und Margarita", die die Geschichte als Geheimdienst-Verhör erzählt. Ebenfalls die FAZ hofft, dass bei der Frankfurter Buchmesse die ganze Bandbreite der rumänischen Literatur zu lesen sein wird. Es ist Zeit, den Machismo in der Architektur-Branche abzuschaffen, ruft die FR mit Blick auf den Rücktritt Thomas Pritzkers. 

Für das innere Ohr bestimmt

23.02.2026. Die Berlinale ist zu Ende: Die Kritiker sind glücklich, dass Sandra Hüller als beste Hauptdarstellerin mit dem Silbernen Bären und İlker Çatak für seinem Film "Gelbe Briefe" mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurden. Den ängstlich umschifften Eklat um den Gazakrieg gab es am Ende allerdings doch. Gespaltener Meinung sind die Kritiker zu Jakob Noltes und Laura Linnenbaums Bühnenversion von Gorkis "Kinder der Sonne". Mehr Streit im politischen Theater wünscht sich die SZ. Die NZZ entdeckt in Bangkok das neue Dib Intenational Contemporary Art Museum. Die FAZ besucht Peter Kogler in seinem Atelier.

Heftig belachte Sahneschnitte

21.02.2026. Endspurt der Berlinale: Die FAZ legt sich auf Favoriten fest - Lance Hammers "Queen at Sea" dürfte den Goldenen Bären mit nach Hause nehmen, ist sie sicher. Und einen Mangel an politischen Perspektiven, vor allem zum Nahost-Konflikt, gab es ebenfalls nicht, ruft sie den Unterzeichnern des jüngsten offenen Briefes entgegen. Der Standard erschrickt in Wien vor der Aktualität von Sue Williams Bildern, die immer wieder Gewalt gegen Frauen thematisieren. Die Welt erkennt: Die Operette funktioniert in Deutschland hervorragend, wenn sie nur genderfluid inszeniert wird. Die SZ hört Peaches und denkt dabei an Sex und andere soziale Schmiermittel

Zu poetisch, zu französisch?

20.02.2026. Was für ein Berlinale-Jahrgang, schwärmt die FR, die besonders die drei deutschen Beiträge lobt - allen voran Eva Trobischs "Etwas ganz Besonderes", der von der Treuhand-Zeit in den Neunzigern erzählt. In der NZZ und bei Artechock fällt der Jahrgang indes komplett durch. Kulturstaatsminister Weimer sollte am fast kinolosen Potsdamer Platz im großen Stil Gebäude einkaufen, rät die FAZ. Wenig Gefallen findet sie außerdem am "Mood-Management" des Bayerischen Rundfunks. Die Welt fragt angesichts der vielen Wiederentdeckungen von Künstlerinnen, ob die "Frauenfrage" überhaupt noch gestellt werden muss.

Unter ihren Füßen brennt der Boden

19.02.2026. Wo bitte wird auf der Berlinale zensiert oder Politik ausgespart, fragen SZ und Tagesspiegel die Unterzeichner des jüngsten offenen Briefes nicht zuletzt mit Blick auf Assaf Machnes' Film "Where to?" über die Freundschaft zwischen einem Israeli und einem Palästinenser. Immerhin haben es zwei Filme aus dem Iran in die Nebensektionen geschafft haben, freut sich die taz. Die FAZ macht mit Lance Hammers "Queen at Sea" über den sexuellen Missbrauch einer dementen Frau einen ersten Favoriten aus. Die taz bewundert in Rostock die Bilder von Hans Ticha, der mit klarer Geste gegen die Absurditäten des DDR-Regimes anmalte. 

Melange aus Graus und Faszinosum

18.02.2026. Angela Schanelecs Berlinale-Film "Meine Frau weint" ist ein Filmgedicht in Straub-Huillet-Tradition, jubiliert die FR. Die FAZ fühlt sich in der einsamen Bahn, die der Film verfolgt, nicht ganz so wohl. Die SZ fragt sich, was mit dem Pritzker-Architekturpreis passieren wird, nachdem der Sohn des Stifters Thomas J. Pritzker in den Epstein-Files aufgetaucht ist. Der Bochumer Theaterskandal beschäftigt die Kritiker auch heute noch.

Alle sind irgendwie cute und nice zueinander

17.02.2026. Groß war die Aufregung um Milo Raus "Prozess gegen Deutschland", bei dem auch Politiker aus dem rechtsextremen Spektrum zu gegen waren: Die FAZ findet die Veranstaltung wenig sinnvoll, auch die taz ist etwas ratlos. Die Filmkritiker trauern um zwei große alte Männer des Kinos: Robert Duvall und Frederick Wiseman. Die Kunstwelt muss sich von Henrike Naumann verabschieden, die als erste ostdeutsche Frau den Pavillon in Venedig bespielen sollte. 

Mit großer Courage

16.02.2026. Die Berlinale ist in vollem Gange: Der Tagesspiegel ärgert sich, dass der Dialog zum Erliegen gekommen ist, Tricia Tuttle verteidigt die politische Unabhängigkeit der Teilnehmenden und alle sind begeistert von Sandra Hüllers Spiel. Das Bochumer Schauspielhaus hat mit Tiago Rodrigues' Stück über die rituelle Ermordung eines Faschisten einen veritablen Theaterskandal, die Kritiker genießen den Aufruhr. Orhan Pamuk freut sich in der SZ über eine gelungene Serienadaption seines Romans "Das Museum der Unschuld".

Berlin als Ankara und Hamburg als Istanbul

14.02.2026. Gesinnungsprüfung zum Gazakrieg bei der Berlinale: Braucht das jemand, fragt die SZ. Für Iraner interessiert sich dagegen keine Sau. Auch nicht für die Forderungen nach elementaren Freiheiten in Afghanistan, wie monopol in einer Ausstellung der afghanische Künstlerin KIMIA notiert. In der FAS wundert sich Ronya Othmann über die positive deutsche Resonanz auf die Buchmesse in Damaskus: die dschihadistische Literatur dort ist niemandem aufgefallen? Endlich mal wieder Kontroverse, freut sich die Welt, wenn Milo Rau bei den Hamburger Lessing-Tagen in einem "Prozess gegen Deutschland" ein AfD-Verbot diskutiert lässt.

Überquellend von Weltwissen

13.02.2026. Besonders glücklich sind die Filmkritiker nicht, dass Tricia Tuttle die Berlinale mit Shahrbanoo Sadats Feelgood-Komödie aus Afghanistan eröffnet. Herbert von Karajan war kein glühender, aber doch ein von Hitler wenig geschätzter Formalnazi, hält Michael Wolffsohn in der FAZ fest. Die FR lernt in Frankfurt die Chancen von KI in der Kunst kennen. Und alle Zeitungen trauern um Cees Nooteboom, der uns zeigte, wie schön es ist, die Couch zu verlassen.