Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.10.2024. Die Filmkritiker sind sich uneins über Todd Phillips Joker-Musical: Die FAZ staunt, wie schön Joaquin Phoenix tanzt, der Tagesspiegel wartet auf einen Lady-Gaga-Film, der losgelassen wird. In Monopol denkt Gabriele Stötzer über eine internationale "Politikverkehrsordnung" nach. Die Welt erinnert sich in Zürich mit Dea Loher und Jette Steckel an die Todesangst während der Pandemie. Die FAZ feiert die "Sprachkraft" der Instrumentalmusik in Venedig.
01.10.2024. Die Feuilletons trauern um Kris Kristofferson, den Erneuerer und Zerstörer, der wie nur wenige den Geist der amerikanischen Arbeiterklasse verkörperte. FAZ und Guardian lassen sich von Alessandro Michele für Valentino an neoromantischen Nasenringen führen. Lehrreich oder Befriedigung angstlüsterner Fantasien? Uneins sind sich die Kritiker, wenn Nicola Hümpel im Haus der Pressekonferenz mit Maximilan Steinbeis die Frage stellt: Was geschieht, wenn ein Rechtspopulist an die Macht kommt. Im Standard erzählt der ungarische Filmemacher Gábor Reisz, wie sich Filmemachen unter Orban verändert hat.
30.09.2024. Albert Serras Stierkampf-Doku "Tardes de Solidad" hat beim Filmfestival San Sebastiàn gewonnen: Die taz sieht hier sowohl den Heroismus des Torrero als auch das Leid des Stiers. Die FAZ taucht bei Eva-Maria Höckmayrs Dresdner Inszenierung der Faust-Oper "Mefistofele" ab in Arigo Boitos von "düsterer Glut" durchdrungene Musik. Die FAZ trauert in der Berliner Berkéwicz-Villa der einstigen Größe des Hauses Unseld nach. Und: Kris Kristofferson ist tot.
28.09.2024. In der FAZ denkt Maria Stepanova über ihren Versuch nach, die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zu rekonstruieren - und über Putin. Die FR bewundert die Arbeiten der Fotokünstlerin Akosua Viktoria Adu-Sanyah in Frankfurt. Der Tagesspiegel stellt die myanmarische Punkband The Rebel Riot vor. Kirill Serebrennikov inszeniert Verdis "Don Carlo" in Wien als protestgebeutelten Familienzwist, so die FAZ. Auch der Standard berichtet. Und: Maggie Smith ist gestorben. Erste Nachrufe auf eine Ikone, der nur die Queen das Wasser reichen konnte, in NZZ und Guardian.
27.09.2024. Die taz verheddert sich in den 300 Kilometern an blutroten Schnüren, die die Künstlerin Chiharu Shiota in den Stollen des KZs Ebensee aufgehängt hat. Mit Library Music von Peter Thomas begibt sich die taz auf eine Noise-Forschungsreise. Krieg wird weder besser, wenn Frauen ihn führen, noch, wenn er ästhetisiert wird, gibt die FAZ Jeanine Tesori mit auf den Weg, die mit ihrer Oper "Grounded" die Saison an der Met eröffnet hat. Standard und Zeit Online tänzeln bestens schlecht gelaunt mit The Cure durch den Herbstnebel.
26.09.2024. Zum Hundertsten von Siegfried Unseld erinnert sich Jürgen Habermas in der Zeit an einen Verleger und Freund, der wochenlang darüber nachdenken konnte, ob sich Max Frisch über einen kostbaren Teppich freuen würde. Ebenfalls in der Zeit erklärt der Lyriker Michael Lentz die Unverständlichkeit von Herbert Grönemeyers Texten: Es ist ein Morsecode. Monopol bewundert im dänischen Humblebaek Franz Gertschs monumentalen Pestwurz. Und die FR überlegt mit Alexandre Ajas Horror-Kammerspiel "Never let go", ob es die Monster im Wald wirklich gibt.
25.09.2024. Die FR erliegt in Potsdam dem farbkrachenden Frühwerk von Maurice Vlaminck. Der Tagesspiegel macht es sich derweil auf der Biennale in Lyon zwischen Gürteltieren mit Hundekopf gemütlich. Die Welt kann sich in Hamburg wieder mit Carl Orff anfreunden, wenn Calixto Bieito ihn als Tanztheater der Geschlechterkämpfe inszeniert. Im Tagesspiegel denkt Hengameh Yaghoobifarah über queere Literatur nach. Die Feuilletons gratulieren Michael Douglas, dem Trüffelschwein für Stoffe, zum Achtzigsten.
24.09.2024. Die taz begreift in Wiesbaden die Literatur in den Werken der Fluxus-Künstlerin Alison Knowles. Die SZ erfährt von der israelischen Hip-Hop-Sängerin Noga Erez, wie der Krieg in ihrer Musik alles Verspielte zersplittert. Auf Backstage Classical ruft die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv ihrem Land zu: Tschaikowsky kann nichts für Putins Gewaltorgien. Und in Frankfurt versucht Jens-Daniel Herzog einen wenig martialischen Kleist auf die Bühne zu bringen, freut sich die FR.
23.09.2024. In Calixto Bieitos Inszenierung von Carl Orffs szenischer Kantate "Trionfi" an der Hamburger Staatsoper werden Schwäne gebraten und viel gesoffen - ein Skandal ist das aber nicht, findet die SZ. In der FAZ widerspricht der Literaturagent Matthias Landwehr dem Klett-Cotta-Verleger Tom Kraushaar: Die Buchbranche ist ganz und gar nicht gesund! Außerdem amüsiert sich die FAZ beim Pariser Festival für ungewöhnliche Filme. Die taz besucht die 84-jährige Jazzmusikerin Rosemarie Förster.
21.09.2024. Die NZZ hebt ab bei Bayreuth Baroque: Countertenortriller mit nacktem Unterleib und unerhört reich kolorierten Gefühlsausbrüchen. Da kann Jan-Christoph Gockels Frankfurter "Faust"-Inszenierung nicht ganz mithalten. Die FR schwingt die Hufe zur comichaften Tanzmusik von Los Bitchos. Die Filmkritiker begutachten Francis Ford Coppolas selbstfinanziertes Alterswerk "Megalopolis" - für die Welt ein Meisterwerk des Scheiterns. Die taz besucht das das Literaturfestival Meridian Czernowitz. Die NZZ feiert mit Matisse das Glück des Lebens.