Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.10.2024. Die SZ schaut im Festspielhaus von Dresden-Hellerau dabei zu, wie ein Roboter die Dresdner Sinfoniker dirigiert. Die Welt versucht das Geheimnis diffuser Gewalt in den Bildern der portugiesischen Malerin Paula Rego zu ergründen. Die FAZ lässt Bertrand Bonellos Monsterfilm "The Beast" mit Léa Seydoux hochleben. Bei der Uraufführung von Anna Gmeyners vergessenem Stück "Ende einer Verhandlung" klärt sie einen Mord auf. Die NZZ bewundert Kengo Kumas Neubau für das Museum Gulbenkian in Lissabon.
12.10.2024. Die SZ erlebt ein Gefühl der kognitiven Dissonanz in einer Wuppertaler Lucio-Fontana-Retrospektive, und sie bewundert bei einem Berliner Konzert Dynamik und die vielen Haare des 83-jährigen Bob Dylan. Van porträtiert das Ensemble Naked String Quartet. Die Welt wundert sich über die "schräge" Entscheidung der Schwedischen Nobel-Akademie für Han Kang. Die FAZ erlebt in Amsterdam mit Benjamin Brittens "Peter Grimes" das Todesurteil der öffentlichen Meinung. Dass die Luxusindustrie in der Krise ist, konstatiert sie ohne allzu großes Bedauern.
11.10.2024. Die Zeitungen sind sehr zufrieden mit dem Literatur-Nobelpreis für die Südkoreanerin Han Kang: Schön, dass man in Stockholm mal wieder über den westlichen Tellerrand hinausblickt, freut sich der Tagesspiegel. Die FR bestaunt in der Frankfurter Schirn grenzsprengende Werke mit Puppenaugen, Vulven und Tierkrallen, die die Italienerin Carol Rama seit den Dreißigern schuf. Die FAZ lässt Haydns "Schöpfung" mit Melly Still in Köln als Schattenspiel vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Und dezeen bewundert das Flüchtlings-Wellnesscenter, das der südafrikanische Architekt Sumayya Vally in Kenia schaffen will.
10.10.2024. Die Filmkritiker blicken mit Ramon Zürchers "Der Spatz im Kamin" in die brutalen Abgründe hinter Familienfassaden: Zürcher verheiratet Bergman mit Lynch, staunt die FAZ. Die SZ kuschelt sich in Benedikt von Peters Basler Ring lieber an Plüschtiere und echte Pferde. FAZ und FR begeben sich im Frankfurter Städel auf Entdeckungsreise durchs barocke Italien. In der SZ ermuntert uns die Schriftstellerin Tanja Maljartschuk mehr ukrainische Literatur zu lesen. Und in der Zeit hätte Pianist Chilly Gonzales die Neo-Klassik lieber nicht mitbegründet.
09.10.2024. Die FAZ tanzt in einer Ausstellung in Finnland mittelalterliche Totentänze - bis in die künstlerische Moderne. NS-Raubkunst wird in Deutschland nur zurückgegeben, wenn auch die Diebe damit einverstanden sind, ärgert sich die SZ. Der Filmdienst erinnert daran, wie Luis Buñuel einmal gemeinsame Sache mit einem Stierkämpfer machte, um die spanischen Faschisten zu überlisten. Gemeinsam mit dem Fotografen H. G. Esch staunt die taz: Architektonisch sind sich Pompeji und New York näher, als man denkt. Die NZZ feiert ein wiederentdecktes Jugendwerk Mozarts als Hit.
08.10.2024. Was für ein Comeback! Die NZZ würde Pamela Anderson für ihre Rolle im Film "The Last Showgirl" am liebsten den Oscar verleihen. Die Kritiker wischen sich während Kornél Mundruczós Inszenierung seines Splatter-Horrors "Method" an der Berliner Volksbühne das Blut aus dem Gesicht, taz und Nachtkritik sind uneins. Perlentaucherin Angela Schader begegnen in Agri Ismaïls Roman "Das Gewicht der Welt" Kurden, abseits jedes Klischees.
07.10.2024. Auf Zeit Online blickt die Schriftstellerin Dana Vowinckel zum Jahrestag des 7. Oktober zurück auf "das schlimmste Jahr meines Lebens". Die FAS porträtiert die Regisseurin Henrika Kull, deren komplexer Film "Südsee" über eine junge Deutsche in Israel kaum gegen die Einseitigkeit des Diskurses ankommt. Die taz verläuft sich in der "nomadischen Bibliothek" des samischen Künstlers Joar Nango. Die nachtkritik durchlebt bei Adrian Figueroas Düsseldorfer Inszenierung von Wolfgang Borcherts Kriegsheimkehrer-Drama "Draußen vor der Tür" die Schrecken auf dem Schlachtfeld immer neu.
05.10.2024. Die Literarische Welt lässt zum Jahrestag des 7. Oktober jüdische Stimmen aus der Literatur zu Wort kommen. Die Literaturhistoriker Gabriele Radecke und Robert Radecke-Rauh versuchen im Tagesspiegel herauszufinden, ob Theodor Fontane Antisemit war. Die FR gibt sich in einer Ausstellung in Frankfurt dem Farbrausch der bemalten Textilien Hamid Zénatis hin. Die SZ ist beeindruckt davon, wie Katharina Bach in einer Soloperformance von Michel Friedmans Text "Fremd" das Leiden eines jüdischen Kindes im Nachkriegsdeutschland greifbar macht.
04.10.2024. Viel Bling-Bling, wenig dahinter, urteilen die Kritiker über Emma Dantes Inszenierung von Verdis "Nabucco" an der Berliner Staatsoper. Über Viktor Kossakovskys Film "Architekton" sind die Meinungen immerhin geteilt: Einen epischen Film, der die ephemeren Phänomene aufschließt, sieht der Perlentaucher, genervt von allzu viel moralischem Rigorismus ist die Welt. Die taz lernt in einer Ausstellung zu ukrainischer Literaturgeschichte einiges über die Unterdrückungsmechanismen der Sowjetunion. Monopol lässt sich von Alex Müllers Kuriositätenkabinett verzaubern. Die SZ muss beim Siegerentwurf für das Leipziger Einheitsdenkmal an Spülmittelwerbung denken.
02.10.2024. Die Filmkritiker sind sich uneins über Todd Phillips Joker-Musical: Die FAZ staunt, wie schön Joaquin Phoenix tanzt, der Tagesspiegel wartet auf einen Lady-Gaga-Film, der losgelassen wird. In Monopol denkt Gabriele Stötzer über eine internationale "Politikverkehrsordnung" nach. Die Welt erinnert sich in Zürich mit Dea Loher und Jette Steckel an die Todesangst während der Pandemie. Die FAZ feiert die "Sprachkraft" der Instrumentalmusik in Venedig.