Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.05.2026. Die Zeit atmet auf: Zumindest künstlerisch wird bei der Biennale in Venedig auf Aktivismus verzichtet, dafür gibt's viel Busen. Und endlich spielt auch die DDR im deutschen Pavillon eine Rolle, freuen sich SZ und Welt. In der taz entdeckt die Literaturwissenschaftlerin Franziska Haug Spuren von Queerness in der Literatur der DDR. Geradezu infam findet es der Tagesspiegel, wenn James Vanderbilt in seinem Film "Nürnberg" versucht, die Nazis auf einer ganz menschlichen Ebene zu verstehen. Die taz sieht hier hingegen Hannah Arendts Gedanken ins Bild gesetzt. Und die SZ erinnert: Mode muss nicht praktisch sein.
06.05.2026. Die Venedig-Biennale steht vor der Tür, mit russischer Beteiligung - am Ende könnte Wladimir Putin der große Gewinner sein, fürchtet die FAZ. Der israelische Künstler Belu-Simion Fainaru erzählt im Welt-Interview, wie er und sein Team von den anderen Künstlern geschnitten werden. Ebenfalls die FAZ schwärmt von Igor Zelićs geheimnisvollen Film "Opera", der auf den Kurzfilmtagen Oberhausen gleich mehrere Preise abräumte. Der Tagesspiegel lässt sich in Berlin von einem Konzert des Pianisten Grigory Sokolov verzaubern.
05.05.2026. Die FAZ und Hollywood rufen durch den Ausschluss von digital generierten Schauspielern und Drehbüchern bei den Oscars zum Kampf gegen KI auf. Die taz bewundert in Aschaffenburg eine aus dem Khanenko-Museum in Kyjiw gerettete Madonna. BR Klassik deckt geheime Absprachen hinter der umstrittenen GEMA-Reform auf. Die Welt erfreut sich an Evgeny Titovs blutiger und französischer Adaption der Donizetti-Oper "Lucia di Lammermoor" in Paris.
04.05.2026. Die NZZ wandert auf dem schmalen Grad zwischen Aufklärung, Voyeurismus und Machtfragen, wenn es um die Darstellung von Sexarbeit in Filmen geht. Die FAZ fürchtet, dass es mit der anstehenden GEMA-Reform ungemütlich wird für E-Musik. Absolute Ekstase erleben die Kritiker beim Rosalía-Konzert in Berlin. Die FAZ vertieft sich in Anne Truitts monochrome Bilder und langweilt sich in Philippe Quesnes "Spooky Paradise". Das Berliner Theatertreffen geht los und die Welt ist schon mal überzeugt von der Eröffnungsrede des Intendanten Matthias Pees.
02.05.2026. Die Jury der Biennale von Venedig ist zurückgetreten, FAZ und Welt weinen ihr keine Träne nach. In der FAS, die einen Biennale-Schwerpunkt hat, erzählt Florentina Holzinger, was sie für den österreichischen Pavillon geplant hat. Wenig originell findet die Welt James Vanderbilts Film "Nürnberg", aber Russell Crowe als Hermann Göring ist toll. Die SZ feiert den Schauspieler Thomas Schmauser, der beim Theatertreffen als explosiver Mephisto bewundert werden kann. Welt und taz unterhalten sich mit dem Regisseur Sebastian Hartmann, der mit gleich zwei Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen wurde.
30.04.2026. Viel Wirbel um die Biennale in Venedig: Die SZ sichtet geleakte Mails, die zeigen, wie lange Russlands Teilnahme schon geplant wurde. Die FAZ ärgert sich, dass die Jury Künstler in Sippenhaft für ihre Regierungschefs nimmt. Und auf ZeitOnline fragt der rumänisch-jüdische Künstler Belu-Simion Fainaru: Was ist eigentlich mit China, Saudi-Arabien oder Iran? Die NZZ blickt aufgeregt auf die literarischen Entdeckungen aus Tschechien, die die Frankfurter Buchmesse präsentieren wird. Der Guardian vergisst in der großen Zurbarán-Schau in London die Grenze zwischen Bild und Betrachter. Und der Perlentaucher bewundert die Archaik der Bilder in Markus Schreiners "Rose".
29.04.2026. In Leipzig wird der Opernkomponist Albert Lortzing wiederentdeckt - seine "Regina" feiert die FAZ als eine veritable Volksoper. Ebenfalls in der FAZ wirft die Schriftstellerin Angela Steidele dem Regisseur Markus Schleinzer vor, mit seinem auf der Berlinale gefeierten Film "Rose" Geschichtsfälschung zu betreiben. Aktivismustheater à la Correctiv verträgt sich schlecht mit dem Hochsubventionsbetrieb aktueller Bühnenkunst, findet die Welt. KI wird nicht nur Popmusik, sondern auch deren Rezeption verändern, vermutet die NZZ. In Frankreich reißen die Diskussionen um Boualem Sansal nicht ab.
28.04.2026. Die Jury in Venedig verkündet, weder Israel noch Russland zu berücksichtigen: Die Welt ärgert sich, dass sich ein ästhetisches Urteilsgremium zum politischen Akteur aufschwingt. Die FR bewundert in Aschaffenburg die geretteten Schätze des Kiewer Khanenko Museums. Junge Autorinnen haben es auf dem Buchmarkt heute leichter als ältere Männer, glaubt der Freitag. Im Tagesspiegel erzählt Kent Nagano, wie er in Leonard Bernsteins selten gespieltem Ballett "The Dybbuk" die Dämonen tanzen lässt. Und die FAZ staunt in Aachen, wie gut Ingeborg Bachmanns "Malina" auf der Bühne funktioniert.
27.04.2026. Johan Simons bringt am Schauspielhaus Bochum Wassili Grossmans großen Roman "Leben und Schicksal" auf die Bühne - die Kritiker sind beeindruckt und mitgerissen. Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch passen gut zusammen, staunt die taz im Dresdner Albertinum. Bei der deutschen Erstaufführung von Beat Furrers neuem Klavierkonzert erlebt die FAZ Musik als "Kraftakt". Die NZZ setzt sich mit dem Hype um das kanadische Mikrotonal-Musik-Duo Angine de Poitrine auseinander. Und deutsche Medien haben kaum beachtet, dass Kamel Daoud vom algerischen Regime in Abwesenheit zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.
25.04.2026. Mateja Koležnik schickt die "Drei Schwestern" mit einer Handvoll Soldaten am BE in einen Bunker, während oben der Krieg vorbereitet wird: So gegenwartsdurchlässig klang Tschechow schon lange nicht mehr, ruft der Tagesspiegel. In der FAS erklärt der pritzkerpreisgekrönte burkinische Architekt Francis Kéré, was afrikanische Architektur auszeichnet. Die Welt lauscht beim Literaturfestival "Litglow" dem erstaunlich kontrollierten Hildesheim-Sound. Die SZ staunt, wie gut Ringo Starr singen kann. Der Tagesspiegel feiert Herbert Blomstedt, der mit 98 Jahren einen hinreißenden Bruckner dirigierte.