Adania Shibli

Täuschung

Roman
Cover: Täuschung
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446288355
Gebunden, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich.  Die Geschichte zweier junger Menschen in Palästina. Gezeichnet von der jahrzehntelangen Besatzung und den gescheiterten Friedensplänen der Neunzigerjahre, werden die beiden immer wieder an den Rand des Daseins gedrängt werden. Namen, Orte oder Daten werden nicht erwähnt, allein der Wandel der Jahreszeiten bezeugt ihre innere Zerrüttung. Bäume, Tiere und Verstoßene spenden Trost oder bringen Pein, während die Träume der Protagonisten zunehmend verblassen. 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.09.2026

Rezensent Jan Küveler übt scharfe Kritik an Adania Shiblis neuem Roman. Nachdem schon ihr vorheriger Roman "Eine Nebensache" als 'Propagandastück' (Maxim Biller) bezeichnet wurde - zu Recht, wie Küveler findet - hält ihm zufolge auch ihr neuer Roman kaum mehr Differenziertheit bereit. Zwar treten israelische Figuren in der Geschichte, die sich zwischen der ersten Intifada und den Oslo-Jahren verortet und dabei hauptsächlich zwei junge namenlose Protagonisten umkreist, eine Studentin und einen Stadtreiniger, zuerst weniger eindimensional auf als noch in "Eine Nebensache". Aber letztlich dominiert für Küveler bedauerlicherweise wieder das "Prinzip Shiblis, radikale Politik im Gestus der Unschuld zu "verbrämen". Wenn etwa die Selbstmordanschläge auf israelische Linienbusse während der Osloer Jahre nur in einem Satz "gestreift" werden, ist das für den Kritiker "unredlich". Und auch die vielen Tier- und Naturmetaphern, mit denen Shibli arbeite, sind für ihn bloß plattes "Geschwurbel". Sowohl politisch als auch literarisch ein Reinfall, vermittelt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2026

Als "literarisches Virtuosenstück" würdigt Rezensent Majd El-Safadi den neuen Roman von Adania Shibli, der parallel von der ersten Intifada 1988 bis zu den Jahren nach dem Oslo-Abkommen die Lebensgeschichten eines Mannes und einer Frau erzählt. Die Helden bleiben namenlos, auch die Orte in Palästina werden nicht näher benannt, umso mehr Raum bleibt für Gesten und Gefühle, versichert der Kritiker. Und die bestehen meist aus "Ohnmacht, Enttäuschungen und Entfremdungen", die folgen, etwa wenn die Frau sich an einer israelischen Universität übersehen fühlt oder der Mann sein Schweigen trotz Folter und Haft aufrecht erhält. Vor allem aber sind es die brillanten, dichten Sprachbilder, die Shibli ersinnt, um ihr "Panorama der palästinensischen Identität" zu entwerfen, die den Kritiker beeindrucken, beispielsweise wenn von Jaffa-Apfelsinen erzählt wird, oder der Kufiya, die die Frau am Checkpoint verstecken muss. Dass Shibli statt auf "Larmoyanz und Selbstviktimisierung" auf Scharfsinn, Tiefsinnigkeit und einen präzisen Rhythmus setzt, um vom Schmerz der Palästinenser zu erzählen, rechnet ihr der Rezensent hoch an.

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