Der Mythos der menschlichen Überlegenheit und was wir von anderen Spezies lernen können
Ullstein Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783550202322 Gebunden, 432 Seiten, 24,99
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Stephanie Singh. Das Selbstverständnis der Menschheit als "Krone der Schöpfung" bestimmt maßgeblich, wie wir uns gegenüber anderen Spezies verhalten. Doch was ist, wenn diese arrogante Haltung auf einer Ideologie beruht, die sich wissenschaftlich längst nicht mehr aufrechterhalten lässt? Die Harvard-Primatologin Christine Webb enthüllt bahnbrechend, wie die Illusion menschlicher Überlegenheit wissenschaftlich widerlegt wird, und zeigt die unterschätze Komplexität nichtmenschlichen Lebens: von der Sprache der Singvögel und Präriehunde über die Kultur der Schimpansen und Riff-Fische bis hin zum Scharfsinn der Pflanzen und Pilze. Webb zeigt, was die Menschheit gewinnen kann, wenn sie ihre Vorstellung von Einzigartigkeit und Sonderstellung ablegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2026
Dem "arroganten Affen" Mensch treibt die Tierforscherin Christine Webb gründlich die Überheblichkeit aus, stellt ein faszinierter Rezensent Claus Leggewie fest. Webb ist ja nun nicht die erste, die feststellt, dass der Mensch vielleicht doch nicht die Krone der Schöpfung ist, trotzdem hält sich das "Dogma der menschlichen Ausnahmestellung" hartnäckig. Die Autorin kommt dem mit einer klugen Mischung aus interdisziplinären wissenschaftlichen Befunden, "Kindheits- und Naturerfahrungen" und Wissen aus indigenen Kulturen bei. Ohne in "Naturromantik" zu verfallen, zeigt die Autorin, dass vermeintlich dem Menschen vorbehaltene Fähigkeiten, wie unter anderem Empathie, Intelligenz und Bewusstsein, durchaus auch bei anderen Spezies zu finden sind, erklärt Leggewie. Die Verfehlungen der Forschung sieht Webb auch darin begründet, dass sich die Wissenschaft zunehmend von der Natur entfernt habe, im Gegensatz zu indigenen Kulturen, die nicht nur im Einklang mit der Natur leben, sondern dieser auch mit Demut begegnen. Sogar an ein großes Tabu wage Webb sich heran, nämlich die Frage, ob nicht nur Tiere, sondern sogar Pflanzen ein Bewusstsein haben. "Luftige" Thesen, gepaart mit Witz und Expertise - für den Kritiker ein Buch, das wirklich jeder gelesen haben sollte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.06.2026
Einen demütigen Blick auf den vermeintlich der Rest der Natur überlegenen Menschen kann man mit diesem Buch erlernen, freut sich Rezensentin Susanne Billig. Die Primatenforscherin Christine Webb argumentiert, teils an eigene Erfahrungen als Wissenschaftlerin anschließend, dass Tiere und selbst Pilze oft über Fähigkeiten verfügen, die in der westlichen Wissenstradition oft nur den Menschen zugeschrieben werden. Es geht dabei nicht darum, dem Menschen alle Besonderheit abzusprechen; wohl aber darum, aufzuzeigen, dass in vielen Fällen keine scharfen Trennlinien zwischen den Spezies existieren, wenn es um Intelligenz, Empathie und Ähnliches geht. Auch philosophische Passagen enthält das Buch, etwa wenn das Konzept des autonomen Individuums kritisch hinterfragt wird, dafür greift die Autorin auf indigene Denkweisen zurück, die Lebewesen in Beziehung zur Natur setzen, anstatt diese beherrschen zu wollen. Nicht alle Thesen Webbs überzeugen die Rezensentin, etwa findet sie es nicht sinnvoll davon zu sprechen, dass Vögel das Fliegen"erfunden" haben. Insgesamt jedoch ist das Buch Billig zufolge eine bereichernde Lektüre.
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