Daniel Beer

Das Totenhaus

Sibirisches Exil unter den Zaren
Cover: Das Totenhaus
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783103973716
Gebunden, 624 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter. In endlosen Kolonnen zogen sie auf monatelangen Märschen gen Sibirien: die Verbannten des Zarenreichs. Männer, Frauen und Kinder, ganze Familien waren es, die unter extremen Bedingungen in sibirischen Arbeitslagern schuften mussten. Die Eishölle musste besiedelt, die Rohstoffe sollten ausgebeutet werden - eine riesige Aufgabe, die nur mit verurteilten Sträflingen zu bewältigen war. Der Historiker Daniel Beer erzählt fesselnd und anrührend vom Alltag, von Verzweiflung und Hoffnung der Menschen, die oft nichts anderes verbrochen hatten als Kritik an der Herrschaft der Zaren zu üben - wie Dostojewski oder Lenin. Und er zeigt, wie in diesem Mikrokosmos von liberalen Intellektuellen eine Keimzelle der Revolution von 1917 entstand: Viele der Verbannten wurden zu Trägern dieses Umsturzes, der das Zarenreich zu Fall brachte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2019

Jörg Baberowski erfährt bei Daniel Beer, wie sich das Leben und Sterben im sibirischen Exil während der Zarenzeit gestaltete. Von der Prozedur der Vorbereitung der Häftlinge über die Gesetze und Kontrollmechanismen durch Selbstkontrolle und Solidarhaftung bis zu den Strafen und der Gewalt misst der Autor laut Rezensent das System der Verbannung und den Teufelskreis aus administrativer Verschickung und Verbrechen aus. Dass sich der Autor dabei unter anderem auf Dostojewskis "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" bezieht, indem er die passende Sprache für den Verlust von Freiheit und Würde findet, findet Baberowski verständlich. Das Buch weist für ihn über das Thema der sibirischen Verbannung hinaus und erfasst das Leben in Willkür und Gewalt im Allgemeinen.

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