Die Deutschen zwischen Kriegsgewalt und Friedenssuche. Von 1648 bis heute
dtv, München 2026
ISBN
9783423285353 Einband unbekannt, 576 Seiten, 35,00
EUR
Klappentext
Deutschland in der Mitte Europas: 500 Jahre Ringen um Krieg und Frieden. Die deutsche Außenpolitik der Gegenwart steht in historischen Traditionen. Über Jahrhunderte war die Mitte Europas Ort der Auseinandersetzung um Frieden und Vormacht. Krieg und Gewalt waren - und sind - Teil dieser Geschichte. So wichtig eine verteidigungsfähige Bundeswehr ist, so wenig dürfen Außenpolitik und Diplomatie in den Hintergrund treten, wenn man dem Friedensgebot des Grundgesetzes gerecht werden will. Eckart Conze verbindet in seinem geschichtlichen Abriss das Streben nach Frieden mit der Gewalt des Krieges. In historischer Perspektive geht es um die Frage nach deutschen Interessen und der deutschen Rolle in Europa und der Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2026
Der Titel legt es nahe: Eckhart Conzes Buch über deutsche Kriegs- und Friedenspolitik betont, wie der insgesamt beeindruckte Rezensent Friedrich Kiessling zusammenfasst, vor allem den Unfrieden in der deutschen Geschichte. Fünf Jahrhunderte umfasst diese Geschichte, sie setzt mit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 an - die im Anschluss getroffenen Regelungen konnten die stabilisierende Wirkung, die man sich von ihnen versprach, in Conzes Darstellung nicht einlösen. Dieses Muster, zeigt der Autor, wiederholt sich in den folgenden Jahrhunderten, Bismarcks Diplomatie etwa erweist sich auf die Dauer keineswegs als friedensbringend, auch die vermeintlich friedliche Zeit im geteilten Deutschland war durchaus konfliktreich - und der Kalte Krieg eben nicht überall auf der Welt kalt. Schuld daran trägt laut Conze nicht zuletzt der Nationalismus. Differenziert und mit Blick für große Zusammenhänge führt Conze solche Thesen aus, freut sich Kiessling. Zwar stimmt der Rezensent nicht mit jedem Punkt überein, zudem findet er, dass Conze auch die Friedenspotenziale der deutschen Politik stärker in den Vordergrund hätte stellen können. Gleichwohl liest Kiessling das Buch mit viel Gewinn; nicht zuletzt, weil Conzes Perspektive als "ein historischer Kommentar zur 'Zeitenwende'" im Zuge des aktuellen Zusammenbruchs der internationalen Ordnung ausgesprochen aktuell ist.
Rezensent Otto Langels kann Eckart Conzes deprimierende Bestandsaufnahme über Kriege und Friedensbemühungen der letzten fünfhundert Jahre nur hinnehmen. Denn so ernüchternd die Bilanz, so unbestreitbar sind die Fakten, vermittelt Langels: auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648, wo Conzes Buch einsetzt, und trotz zahlreicher Friedensbemühungen seitdem (zum Beispiel der Wiener Kongress, die Genfer Konvention, die Haager Konferenzen…) nehmen Kriege und Kriegsverbrechen, auch in Europa, kein Ende. Alle positiven "Erfolgserzählungen" von Verrechtlichung oder Demokratisierung verwirft der Marburger Historiker von vornherein und legt "überzeugend" das Gegenteil dar, lobt Langels. Dass Conzes Ansatz Kolonialkriege, Bürgerkriege und das tatsächliche Kriegsgeschehen zugunsten einer auf Deutschland und Europa fokussierenden Metaperspektive außen vor lässt, stellt der Kritiker zwar fest, aber nicht als besonders störend heraus. Für ihn eine "eindrucksvolle", detaillierte und "illusionslose" Darstellung der Kriegsgeschichte.
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