Herausgegeben von Thomas Flierl. Sowjetunion, Sommer 1930. Im ganzen Land entstehen neue Industriestandorte, die Regierung engagiert den Architekten Ernst May. Mit seiner "Brigade" ausländischer Spezialisten (darunter Margarete Schütte-Lihotzky, die Erfinderin der "Frankfurter Küche") soll er in großem Maßstab neue Arbeiterstädte errichten. Voller Enthusiasmus macht sich May an die Arbeit, plant "Standardstädte" und Typenbauten. Doch dann gerät er zwischen die Fronten von Modernisten und stalinistischen Historisten. Seine Hoffnung auf eine egalitäre und funktionale Moderne zerbricht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2012
Insgesamt kann sich Rainer Schulze mit dem Buch des früheren Berliner Kultursenators Thomas Flierl arrangieren. Nicht immer scheint ihm der Autor zwar kritisch genug, wenn er bei seiner Darstellung von Ernst Mays russischen Jahren etwa zu wenig auf das Problem der Kollaboration von Architekten mit autoritären Regimen eingeht. Dem Desiderat einer auf eingehendem Quellenstudium basierenden Beschäftigung mit dem Stadtplaner May und dessen ambitionierten Projekten in Magnitogorsk oder Moskau stellt sich der Autor laut Schulze jedoch in befriedigender Weise. Entlegene Aufsätze und Dokumente Mays präsentiert Flierl und zeigt anhand von Fotos, was von Mays hochtrabenden Plänen in sozialistischer Massenarchitektur übrig blieb. Dass der Autor aus all dem allerdings die Zweite Moderne ableiten möchte und die Notwendigkeit einer sozialistischen Komponente im Ökokapitalismus, findet Schulze dann doch reichlich gewagt.
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