Wenn wir heutzutage über das Klima sprechen, tun wir dies vor allem aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive. Wir können Klima messen und berechnen, aber nicht unmittelbar erfahren. Bevor Klima als "durchschnittliches Wetter" definiert wurde, war das jedoch einmal ganz anders. Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Eva Horn knüpft an ein scheinbar ad acta gelegtes Wissen über das Klima an und zeigt, welche enge Verbindung zwischen Kulturen und ihrem Klima einmal bestanden hat. Von Theorien über den Einfluss von Luft und Temperatur auf Körper und Seele über das Bild des "Luftmeers" bis zu den Fantasien "kontrollierter" Klimata: Unter Rückgriff auf Medizingeschichte, Philosophie, Kunst und Literatur entwirft Eva Horn eine Imaginationsgeschichte des Klimas, die die Debatte um die Klimakrise neu begründen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2024
Rezensent Jürgen Goldstein entdeckt in dieser Wahrnehmungsgeschichte des Klimas von der Kulturwissenschaftlerin Eva Horn erhellende Begriffsarbeit und spannende sinnliche, kulturelle und historische Sichtweisen. Vom Begriff Klima führt die Autorin den Rezensentin über vergangene Vorstellungswelten in der meteorologischen Medizin und der thermischen Anthropologie bis Goethes Wolkenstudien. Die ein oder andere Wiederholung fällt Goldstein auf und auch eine Bedrohung des Argumentationsgangs durch das Rhapsodische, doch dann fügt sich alles wieder zu einer sinnvollen Wahrnehmungs- und Denkgeschichte und Goldstein fühlt sich recht reich beschenkt.
Das Klima wurde in verschiedenen Epochen immer anders wahrgenommen, was zuletzt zu einer Entfremdung von der Natur geführt hat, erklärt die Kulturhistorikerin Eva Horn, deren Buch "Klima. Eine Wahrnehmungsgeschichte" bald erscheint, im Zeit-Online-Interview mit Raoul Löbbert. Unser Resümee
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