Mit 127 Schwarz-Weiß- und 8 Farbabbildungen. Die Entdeckung Ägyptens als touristisches Ziel war begleitet von einer reichen Produktion fotografischer Bilder. Diese hatten mit der Lebenswirklichkeit der Bewohner Ägyptens kaum mehr etwas zu tun, umso mehr aber mit den Fantasien und Phantasmen der westlichen Touristen. Die Aufnahmen stammten alle aus den Ateliers
auswärtiger Fotografen und zeigten nach dem Prinzip des Orientalismus
das, wodurch sich die traditionelle muslimische Kultur von der
westlichen unterschied. Ein besonders beliebtes Motiv waren die
Haremsfenster oder Mashrabiyas, die das Erscheinungsbild der
traditionellen Stadtviertel Kairos prägten. Die an den privaten
Wohnräumen angebrachten Erker erlaubten es den Frauen, das Treiben im
Hof und auf der Straße zu beobachten, ohne dabei selbst gesehen zu
werden. Für die Fotografen wurde der architektonische Schleier zu einem
emblematischen Zeichen, das den Orient als solchen charakterisierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2016
Mit großem Interesse hat Rezensent Jan von Brevern dieses Buch des Kunsthistorikers Felix Thürlemann gelesen, das ihm einen ganz neuen Blick auf Fotografien Ägyptens aus dem 19. Jahrhundert eröffnet. Denn Thürlemann weise detailreich nach, wie europäische Fotografen mit teils inszenierten oder bei ägyptischen Fotografen gekauften Genre-Bildern den Blick auf Kairo prägten - etwa der Fotograf Otto Schoefft, der im Hinterhof seines Ateliers verschiedene Szenerien mit orientalischen Kulissen inszenierte. Ein wichtiges Objekt war dabei die Maschrabiya, lernt der Kritiker, der allerdings gern mehr über die Funktion dieses "architektonischen Schleiers" erfahren hätte. Darüber hinaus vermisst der Rezensent ein paar Informationen über die ägytptische "Wirklichkeit" jenseits der Fotografien. Nichtsdestotrotz kann er dieses kluge und erhellende Buch, das auch verschiedene Motive untersucht, unbedingt empfehlen.
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