Aus dem Italienischen von Cinzia Rivieri und Frank Engster. Schon 1969 hat Furio Jesi "Spartakus. Symbologie der Revolte" verfasst, doch erst 2000 wurde seine Rekonstruktion des Spartakusaufstandes in Berlin im Winter 1918-19 posthum veröffentlicht. Hier liegt sie erstmalig in deutscher Übersetzung vor. Am Beispiel des Spartakusaufstandes entwickelt Jesi den grundlegenden politischen Unterschied von Revolution und Revolte. Ausgehend von literarischen Quellen wie Brecht, Eliade, Nietzsche, Mann und Bakunin skizziert Jesi eine Phänomenologie der Revolte, die zwei Zeitlichkeiten gegeneinander stellt: die zielgerichtete Linearität der Revolution und die "Aussetzung der historischen Zeit" in der Revolte. Jesi behauptet einen grundlegenden Unterschied zwischen dem unmittelbaren Erscheinen (Epiphanie) der Idee und ihrer Erstarrung im ideologischen Kanon, zwischen der Zeit der Subversion oder des Mythos und der Zeit der Erinnerung. Damit verbindet er Mythos und Revolte und versteht die Wirklichkeit des Mythos als etwas radikal Neues, gerade weil sie sich nicht in die Zeit der Erinnerung einschreiben lässt und wieder zu einem Synonym von Wahrheit wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2025
Einen eigenartigen Kommunisten entdeckt Moritz Rudolph in dieser hier nun auch auf Deutsch vorliegenden Schrift. Der 1980 verstorbene Furio Jesi interessiert sich nicht etwa für erfolgreiche Revolutionen im Namen des Sozialismus, die anschließend in Bürokratismus erstarren, sondern für gescheiterte Revolten, die den Keim des Größeren, einer besseren Gesellschaft in sich tragen. Jesi ist mithin ein Denker des Überbaus im Anschluss an Gramsci, seine Hinwendung zum Mythos wurde außerdem von den Arbeiten des Psychoanalytikers Karl Kerényi beeinflusst. Neben dem titelgebenden Spartakusaufstand interessiert sich der Autor, lernen wir, insbesondere auch für die neuere deutsche Geschichte, die er als ein Reservoir von Mythen betrachtet - darunter fällt etwa auch der grandios misslungene kommunistische Aufstand im Jahr 1919. Klassischer denkende Marxisten werden hier, glaubt Rudolph, öfters die Stirn runzeln, allerdings gibt es durchaus Verbindungen zwischen Jesi und der neueren, ebenfalls stark am Mythos orientierten italienischen Philosophie a la Agamben und Negri. Inwiefern das für ihn alles Hand und Fuß hat, erfahren wir aus Rudolphs Kritik nicht, mit Interesse gelesen hat er das Buch in jedem Fall.
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