Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. Georges Perecs "Traumbuch", dokumentiert die höchst produktiven Jahre zwischen 1968 und 1972 und offenbart einen sehr direkten und zugleich neuen Zugang zu Literatur und Leben des französischen Kultautors. Mal lapidar und scheinbar unbedeutend, mal monströs und unergründlich, teils komisch und sonderbar faszinieren die Notate durch eine Vielfalt und Intensität kleiner Formen und unterstreichen einmal mehr die intime Komplizität von Literatur und Unbewusstem. Dabei entpuppen sich die aus nächtlicher Werkstatt zu Tage geförderten Fragmente in ihrer rätselhaften Konkretion, ihrem Witz und tragischem Spiel als reicher Vorrat kreativer Möglichkeitsformen: Drehbuchentwürfe, Skizzen für Erzählungen, veritable Romananfänge.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2017
Roman Bucheli ist fassungslos angesichts des Lektorats von Georges Perecs im Original erstmals 1973 erschienenem Traumtagebuchs aus den Jahren 1968-1972. Jedes sprachliche Musikgehör, jeder Sinn für Orthografie gehe ihm ab, schimpft er. Umso schöner findet er die Aufzeichnungen des Träumers Perec, ihren Zwittercharakter zwischen Psychogramm, Literatur und Autobiografie, ihr Querstehen zum strikten literarischen Programm des Autors. Als käme das (auch ästhetisch) Unterdrückte hier wieder zum Vorschein, meint Bucheli. Die schmucklose protokollarische Fassung der Träume lässt ihn das Spiel von Regel und Subversion in Perecs Schreiben gut erkennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2017
Georges Perecs nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienene Traumerzählungen sind nichts für Perec-Anfänger, meint Rezensent Helmut Mayer und empfiehlt das Buch stattdessen all jenen, die Perec bereits kennen und lieben, denn erst mit einer gewissen Grundkenntnis, einem Grundgefühl für das Leben und das Oeuvre dieses "Autors der Listen, Inventare und Protokolle", der strengen Schreibregeln, die für ihn immer Spielregeln waren, wird der Sonderstatus des vorliegenden, erstmals 1973 erschienenen Buches deutlich, so Mayer. Perec selbst soll die Publikation im Nachhinein bereut haben, da es sich hier im Gegensatz zu seinen anderen Werken um kein durchkonzipiertes Stück Literatur handelt, sondern um Traumnotate, die eine unscharfe Position zwischen Protokoll und Erzählung einnehmen, erfahren wir. Im Gegensatz zu Perec kann sich der Rezensent nur freuen über die Veröffentlichung dieses Bandes, indem er nun nach Herzenslust nach "Lebens- wie Schreibspuren des Autors" suchen kann.
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