Gerhard Roth

Orkus

Reise zu den Toten
Cover: Orkus
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100660831
Gebunden, 656 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

32 Jahre lang hat Gerhard Roth an seinen beiden Romanzyklen "Die Archive des Schweigens" und "Orkus" gearbeitet ein einzigartiger Kosmos der Literatur und des Denkens, der neben klassischen Romanen auch dokumentarische und essayistische Bände umfasst. Der Band "Orkus" ist der Schlussstein dieser monumentalen Arbeit und nicht überbietbarer Endpunkt: ein autobiografischer Roman, in dem das Leben des Autors mit dem seiner Figuren auf faszinierende Weise verschmilzt. "Orkus" ist die Essenz eines Schriftstellerlebens: ein Buch über das Wesen des Menschen, die Wahrnehmung der Welt, die Suche nach einer anderen Wirklichkeit. Eine lange Reise zu den Toten und der Versuch, das Leben zu verstehen, ohne es zu zerstören.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.06.2011

Ein Roman ist Gerhard Roths "Orkus", letzter Band des gleichnamigen Zyklus, nicht. Eine Autobiografie ist es aber auch nicht, jedenfalls nicht, wenn man darunter die chronologische Nacherzählung eines Lebens versteht. Roth schreibt vielmehr über das, was ihn zum Schreiben antrieb, erzählt Ulrich Greiner in seiner Rezension. Das waren und sind: andere Schriftsteller, das Interesse am Wahnsinn und am Bösen. Roth erzählt von Mordprozessen, von den Bildern psychisch Kranker, dann tauchen plötzlich Figuren aus seinen Romanen auf. Wovon das alles zusammengehalten wird? Von Roths Überzeugung, dass Erfindungen und Einbildungen wirklich sind, erklärt Greiner. Und so ist dieses Buch für ihn vor allem eine Abenteuerreise in die menschliche Seele.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2011

Ein Werk ohnegleichen erkennt Tobias Heyl in dem mit diesem Band abgeschlossenen Zyklus "Orkus" von Gerhard Roth. Roth, von Heyl als einstiger beinahe-österreichischer Staatsschriftsteller tituliert, erzählt hier die Geschichte seines Landes seit dem Zweiten Weltkrieg zu Ende. Für Heyl ein Panoptikum des Sozialen, in dem sich Realität und Fiktion begegnen, ohne Handlung im bekannten Sinn, dafür mit jeder Menge Türen, hinter denen Heyl stets Überraschendes findet. Heyl erkennt zwar Mittelpunkt (Konzentrationslager) und Fluchtpunkt (Familie) der Geschichte, verliert sich dazwischen aber, und durchaus mit Vergnügen, in Roths Abschweifungen und Verweisungen, etwa in einem Kapitel über den psychotischen Künstler Adolf Wölfli. Weil alles so gut recherchiert und trocken notiert ist, verliert Heyl nicht den Mut, im Riesenwerk zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2011

Echtes Germanistenfutter verspricht Ingeborg Waldinger. Mit dem Band "Orkus" schließt Gerhard Roth seinen mächtigen Österreich-Zyklus ab, der als megakomplexes Universalwerk dem nationalsozialistischen Epochenwahnsinn nachspürt. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, denen des Romans, des Essays und der Reportage, lote Roth dabei den menschlichen Wahnsinn aus, den dunklen Kern der Conditio humana, ihre Zwänge und Obsessionen. Er begibt sich auf Friedhöfe, in psychische Anstalten und Literatencafes, lässt reale mit fiktiven Gestalten aufeinander treffen, spielt mit Dichtung und Wahrheit und lässt dies alles in einen großen "Feuerstrom der Geschichte" fließen, freut sich Waldinger. Aber klar: Eine solch "kühne Konstruktion" erfordert höchste Lesedisziplin!

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