Gerhard Schweizer wirft in seinem neuen Buch einen Blick auf die Türkei und entdeckt dabei ein Land, das ganz anders ist als seine Klischees. Inzwischen plädieren nicht die säkular an Atatürk orientierten Parteien am entschiedensten für eine Erweiterung der demokratischen Rechte, nicht sie sind dazu bereit, die Macht eines putschbereiten Militärs konsequent einzuschränken. Vielmehr setzt sich heute die islamisch ausgerichtete Partei AKP unter der Führung von Erdogan am stärksten für Reformen ein, die den "Weg nach Europa" ebnen. Gerade der türkische Islam befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Umbruch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2009
Rundum überzeugend findet Wolfgang Günter Lerch dieses Porträt der Türkei, das Gerhard Schweizer vorgelegt hat. Er attestiert dem Autor, Stereotypen über den Islam aufzubrechen, ohne Gefahren zu verharmlosen. Die gegenwärtige Situation der Türkei zwischen Islamismus und Nationalismus scheint Lerch in den Medien oft verkürzt und verzerrt abgebildet. Demgegenüber lobt er den Autor für seine differenzierte Darstellung der komplexen Entwicklung der Türkei von den ersten Verwestlichungsbetrebungen der spätosmanischen Oberschicht über Atatürks nationale und kulturelle Revolution bis zu den Bemühungen, diese zu verteidigen. Wie die gegenwärtige Zerreißprobe der Türkei ausgehen werde, so der Rezensent, wisse Schweizer allerdings auch nicht.
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