Harald Welzer

Zeiten Ende

Politik ohne Leitbild, Gesellschaft in Gefahr
Cover: Zeiten Ende
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023
ISBN 9783103975819
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Viele Menschen fühlen sich vom Angebot, das ihnen die politische und mediale Öffentlichkeit in Deutschland macht, nicht mehr angesprochen. Multi-Krisen und eine immer kaputtere Daseinsvorsorge erhöhen den Stress der Bürgerinnen und Bürger. Jetzt wird das Erbe von vier Jahrzehnten neoliberaler Fehlsteuerung des Staates als Erosion der materiellen und mentalen Infrastrukturen erkennbar. Es wächst die Enttäuschung über eine Politik, die ihre Wähler aus dem Blick verliert.Ein Buch über die Arroganz einer politischen und medialen Klasse, denen die gefährlich groß werdende Distanz zwischen Bürgerschaft und Bundespolitik gleichgültig zu sein scheint und die längst die Fühlung für die soziale Wirklichkeit im Land verloren hat. Aber auch eine Ermutigung für alle Empörten, nicht länger still zu bleiben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2023

Rezensent Jan Heidtmann ärgert sich über das neue Buch des Sozialpsychologen Harald Welzer. Dass Welzer es nicht unter den ganz großen Themen macht, kennt Heidtmann schon. Doch diesmal hat sich der Autor zu viel vorgenommen, findet er. Der Rundumschag gegen deutsche Politik und Wirtschaft verursacht dem Rezensenten Kopfklingeln, zu viel wird angesprochen, verurteilt, aber nicht analysiert, und zu wenig fügt sich alles zu einem Ganzen. Sympathisch findet Heidtmann, wenn Welzer die eigene Ratlosigkeit auch zugibt. Geradezu skandalös hingegen erscheint ihm Welzers Zusammendenken der deutschen Ukraine-Unterstützung mit den Folgen fürs Klima. Darauf muss mal erst mal kommen, staunt Heidtmann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.09.2023

Als Gegenwartsdiagnose kann Rezensent Arno Orzessek Harald Welzers Buch das eine oder andere abgewinnen. Es geht, lernen wir, gegen abgehobene Eliten, gegen verfehlte Umweltpolitik, gegen den westlichen Selbstbetrug im Blick auf die eigene Geschichte und gegen die aus Sicht des Autoren übertriebene Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen die russischen Invasoren. Nicht zuletzt geht es auch, fährt die launige Rezension fort, um eine Rechtfertigung der gemeinsam mit Richard David Precht in "Die vierte Gewalt" vorgebrachten Medienkritik. Dabei versucht er seine Thesen mit empirischen Daten zu belegen, wobei der Hang zur Polemik laut Orzessek insgesamt weiterhin nicht zu leugnen ist. Die Ukrainepassagen erinnern den Rezensenten an das Manifest Alice Schwarzers und Sahra Wagenknechts, dem Welzer eine eigenwillige ökologische Schlagseite beifüge. Wenn es darum geht, nach Auswegen aus der für Welzer allumfassenden Krise zu suchen, verweist der Autor, führt Orzessek aus, auf kleinformatige Utopien eines solidarischen Zusammenlebens. Spätestens hier nehmen laut Rezensent die Plattitüden überhand, wobei Orzessek klarstellt, dass Welzer letztlich auch nicht ratloser ist als alle anderen.

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