Memories of Heidelberg
Roman

Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN
9783498009748
Gebunden, 176 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub gönnen. Vielleicht vertreibt das ja auch den seelischen Smog über dem Eheleben. Das Boutiquehotel ist teuer, aber für das viele Geld gar nicht so toll; dafür haben die beiden gleich einen neuen Stamm-Italiener ausgemacht. Das Restaurant voller Flair befindet sich auf einem alten Flussschiff im Neckar. Während die Ehe der beiden im Verlauf einer Woche zusehends aus der Form gerät, wird auch der abendliche Gang auf das Restaurantschiff immer mehr zur Enttäuschung, zur Strafe, zur Höllenqual. Das Teuflische bricht mit verheerender Macht in den Alltag, am Ende steht eine Katastrophe - und das alles zum Schlager-Oldie Memories of Heidelberg in Dauerschleife.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.08.2026
Rezensentin Judith von Sternburg erahnt unter dem "Ulk" im neuen Roman von Heinz Strunk den Skandal des Alterns. Wunderbar liest sich die Geschichte über Bertram und Isolde, die ihre besten Jahre als Paar längst hinter sich haben und den letzten Akt ihrer Ehe vor Heidelberger Boutique-Hotel-Kulisse ausagieren, für Sternburg, da Strunk die Sehnsüchte, Leidenschaften und Grenzen seiner Figuren sehr gut kennt. Kafkaeske wie satirische Elemente bereichern die novellenartige Story laut Sternburg neben Strunks "menschlicher Übersicht". Ein Roman wie ein "ins Böse gedrehter Loriot-Sketch", findet sie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2026
Rezensent Tobias Sedlmaier hält die allumfassende Trostlosigkeit in Heinz Strunks neuem (Ehe-)Roman überhaupt nur aus, weil Strunk dieses im touristischen Heidelberg zu seinem traurigen Höhepunkt kommende Antiidyll zwischen Bertram und Isolde so gekonnt inszeniert. Schweigen, Missverstehen und anderen Horror mehr gießt der Autor laut Sedlmaier in kafkaeske Situationen. Ein kleines, groteskes Welttheater mit Sätzen, die Strunk dem Alltag und dem Fernsehen abgeschaut hat, wie Sedlmaier erläutert. Vor allem aber das beredte Schweigen zwischen den Protagonisten findet Sedlmaier bedrückend und gleichzeitig besonders stark inszeniert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2026
Rezensentin Christiane Lutz liest den neuen Roman von Heinz Strunk mit Vergnügen. Die teils auf einem Gastroschiff spielende Ehegeschichte handelt von Zwang und Beklemmung, wenn Süßigkeiten den Sex ablösen und Rituale der einzige Halt sind, erklärt Lutz. Als Kammerspiel des Absurden erinnert der Text Lutz an Yasmina Reza, nur dass Strunk ein großes Herz für die kleinen Leute hat. Diese Empathie, eine Zuneigung auch zum Mangel und Strunks Humor, die im Roman in ein "melancholisches Ende" münden, machen Strunks Bücher für Lutz lesenswert, auch wenn sie nicht ganz ohne Klischees auskommen, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.07.2026
Rezensentin Meike Feßmann fühlt mit mit dem bedauernswerten Helden aus Heinz Strunks neuem Roman, in dem es ein liebesmüdes Paar nach Heidelberg verschlägt. In einem sündhaft teuren Boutique-Hotel muss Bertram eine Woche mit seiner Gattin verbringen: Isolde hat eigentlich überhaupt keine Lust mehr auf Betram und lässt ihn das auch bei jeder Gelegenheit spüren. Erbarmungslos lässt Isolde ihren Mann immer wieder auflaufen, Sex will sie auch nicht mehr mit ihm haben, lesen wir. Wie Isolde austeilt, ist schon lustig, meint Feßmann, interessant sind aber auch die Passagen, in denen Strunk die Geschichte ins beinahe Kafkaeske kippen lässt und das vor verwunschener Heidelberg-Kulisse. Vor allem die sanfteren Töne haben es der Rezensentin angetan, die "leise Vergeblichkeit", mit der Bertram sein Leben entgleitet, steht für sie nicht nur für die Dynamik einer schon lange gescheiterten Beziehung, sondern auch sinnbildlich für ein Deutschland in "Endzeitstimmung".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.07.2026
Eine Reise ins Glück ist für den Rezensenten Adam Soboczynski die Lektüre des neuen Romans von Heinz Strunk, den er im Rahmen eines ausführlichen Porträts des Autors bespricht. Die Reise, von der der Roman erzählt, steht hingegen unter keinem guten Stern: Isolde und Bertram, Eheleute mittleren Alters, brechen von Oldenburg nach Heidelberg auf - für eine Geburtstagsfeier, die dann nicht stattfindet. Plötzlich beschäftigungslos in Heidelberg, gehen sich die beiden, deren Ehe längst erkaltet ist, gegenseitig auf die Nerven, mit Vorliebe beim Abendessen beim immer gleichen Italiener, der durchweg Lauwarmes und Halbgares serviert. Die grandiose Schlusspointe der Geschichte möchte Soboczynski nicht vorwegnehmen, stattdessen lobt er enthusiastisch die "düstere Komik" des Buches, die jeder verstehen könne, der je in einer endenden Beziehung steckte. Besonders die Figurenzeichnung hat es dem Rezensent angetan, der rührselige Bertram und die resolute Isolde werden zwar satirisch überzeichnet, gleichzeitig allerdings werden aus den Antihelden dank Strunks menschenfreundlicher Weltsicht auf die Dauer doch noch echte Helden, denn: "im sogenannten kleinen Mann oder in der einfachen Frau schlummert immer etwas Großes und drängt ans Licht".