Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten - und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner Biografie "ihr Werk und Leben erschreckend neu" (SZ). Über Jahre hinweg studierte er unveröffentlichte Quellen, und so kommt eine Autorin zu Wort, die nicht nur weltweit Erfolge feiern durfte, sondern Einsamkeit und Trauer kannte und ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt war, weil sie ihren unehelichen Sohn bei Pflegeeltern hatte unterbringen müssen. Zugleich aber erzählt Jens Andersen eine Geschichte von Moderne und Modernisierung.
Henriette Harris trifft Jens Andersen, den Biografen von Astrid Lindgren, und entlockt ihm Geschichten aus dem Leben seiner Lieblingsautorin. Dass der Autor bei aller Liebe im Buch dennoch den nötigen Abstand zu seinem Gegenstand wahrt, rechnet Harris ihm hoch an. Einmal mehr, meint sie, erweist sich Andersen als großer biografischer Schriftsteller, wenn er Lindgrens Leben mit den Themen Einsamkeit, Melancholie und Selbsterhaltung verknüpft und das Bild eines modernen Menschen, einer Frau des 20. Jahrhunderts erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015
Rezensent Tilman Spreckelsen ist enttäuscht von Jens Andersens Lindgren-Biografie. Zwar beschreibt der Autor das Leben der Lindgren recht umfassend und schildert auch eine Reihe erhellender Momente - etwa wenn Lindgrens, die ersten Jahre bei Pflegeeltern aufgewachsener, dann aber bei ihr lebender Sohn sie auffordert, seine Pflegemutter zu spielen. Aber bei der Schilderung bleibt es auch, Interpretation ist nicht die Sache dieses Biografen, bedauert Spreckelsen. Er wünscht sich ein Buch, das dort ansetzt, wo Andersen aufhört und die "erlebte Zeitgeschichte" in Lindgrens Kinderbüchern sucht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2015
Vor lauter Stofffülle in dieser Biografie von Jens Andersen kann Roswitha Budeus-Budde Astrid Lindgren und ihre Persönlichkeit mitunter kaum mehr sehen. Der Stoff, um den es geht, ist weniger die internationale Rolle der Autorin, sondern vielmehr die schwedische Kulturgeschichte im 19. Jahrhundert, vor deren Hintergrund der Autor über Leben und Werk Lindgrens schreibt, wie die Rezensentin erläutert. Dass Andersen sehr bemüht ist, Parallelen zwischen Leben und Werk zu ziehen, findet die Rezensentin nicht immer befriedigend. Auch wenn ihr die Archivarbeit des Autors und seine Erzähllust imponieren, ob Schuldgefühle unbedingt als Begründung für Literatur und Engagement herhalten müssen, das bezweifelt die Rezensentin.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…