dtv, München 2026
ISBN
9783423285735 Gebunden, 240 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Die Geschichte eines Sommers, vierzehn Jahre nach dem Krieg. Flensburg, 1959. Gustav Hasse, Pianist in einer Swing-und-Rock-'n'-Roll-Schülerband, verbringt die Sommerferien auf einem Campingplatz an der Geltinger Bucht. In Gedanken ist er bei Johanna, der Tochter einer aus Ostpreußen stammenden Miederwarenverkäuferin. Wenn da bloß die Ohrfeige nicht wäre, die er ihr aus Eifersucht gegeben hat. Er fühlt sich schuldig, doch was ist das für ihn - Schuld? Sein Kunstlehrer ist der Maler Gerhard Fritz Hensel, dessen Schwester Hedwig mit dem Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß verheiratet war; das weiß damals nur keiner. Mehr und mehr geht Gustav den ungeheuerlichen großen und kleinen Dingen auf den Grund.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2026
Rezensent Fridtjof Küchemann kennt bereits Jochen Missfeldts auf eigenen Familiengeschichten und Archivfunden basierenden Romane aus dem fiktiven nordischen Solsbüll der Nachkriegszeit. Missfeldts neuer Text knüpft hier an und erzählt laut Küchemann wiederum vom Alltag Ende der 1950er, von Lasten der NS-Zeit, von Flucht und Schuld. Die Absurdität, aber auch der Pragmatismus der Nachkriegszeit werden für Küchemann in der Geschichte sichtbar. Missfeldts Montagen und sein beiläufiges Erzählen ermöglichen es dem Leser, sich selbst ein Bild zu machen, erklärt Küchemann. So entsteht ein "eindrucksvolles" Kriegs- und Nachkriegspanorama, findet er.
Jochen Missfeldts letzter Teil seiner "Solsbüll"-Reihe mag zunächst wie eine harmlose Coming-of-Age-Geschichte daherkommen, fantasievoll erzählt aus der Retrospektive, erklärt Rezensent Christoph Schröder. Doch unter der "Sommerstimmung" im titelgebenden "Abschiedsommer", unter der Liebesgeschichte zwischen Gustav und Johanna, unter dem gekonnt jugendlichen Plauderton, da eröffnet dieser Text eine "historische Tiefendimension", lesen wir, da scheinen die gedanklichen Prägungen der Nazi-Zeit durch den frischen Anstrich, da drängen sich Begriffe und Formulierungen in die Sprache, die von der gewaltvollen Vergangenheit zeugen, da werden Biografien von Opfern und Tätern offengelegt, die eben nicht erst nach 45 anfangen. Alles andere als "harmlos" also, stellt der Rezensent fest, und damit ein angemessener Abschied Missfeldts von seinem Alter Ego Gustav Hasse.
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