John Wray

Gotteskind

Roman
Cover: Gotteskind
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
ISBN 9783498073947
Gebunden, 352 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben. Aden Sawyer, achtzehn, hat einen Plan. Er wird sie weit vom Haus ihrer Mutter, in dem die Familienfotos zur Wand gedreht sind, und vom Einfluss ihres dominanten Vaters entfernen. Denn sie ist entschlossen, nach Peschawar in Pakistan zu reisen, um dort in einer Medrese den Islam zu studieren. Mit Hilfe eines Freundes organisiert sie die heimliche Reise. In Pakistan schlüpft sie in eine neue Identität, verkleidet sich als junger Mann. Doch bald gerät sie in größere Gefahr, als sie sich jemals vorstellen konnte. Denn der Weg zur Erlösung ist lang und gefährlich, und er führt direkt in die Kriegswirren Afghanistans.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.03.2019

Als genüssliche Lektüre kann Brigitte Neumann John Wrays Roman "Gotteskind" nicht unbedingt empfehlen, aber als erhellende. Wray erzählt von einer jungen Frau, Aden, die in Berkeley in lieblosem Wohlstand aufwächst und sich zur Erleichterung aller zu einer großen Reise verabschiedet. Diese Reise führt Aden allerdings nach Pakistan, wo sie ein Leben als Mann beginnt, um sich den Taliban anschließen zu können. Die Rezensentin verfolgt mit Schrecken, wie die junge Frau ihre Persönlichkeit aufgibt, ihr Denken und Fühlen, um sich ganz der islamistischen Doktrin zu unterwerfen. Neumann ist von dem Roman nicht gänzlich überzeugt, vor allem die Auflistung von Kriegsgräuel erscheint ihr erzählerisch etwas flach. Aber sie entnimmt dem Buch doch die Erkenntnis, dass es nicht nur Wahnsinn und Ideologie sind, die junge Menschen in den Dschihad treiben, sondern auch die Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.03.2019

Für den Rezensenten Hubert Spiegel ist der österreichisch-amerikanische Autor John Wray ein "Grenzgänger zwischen den Welten" - bestens geeignet also, um diese Geschichte einer jungen Amerikanerin zu erzählen, die als Mann verkleidet aus dem hedonistischen Kalifornien in den islamistischen Krieg zieht und sich den religiösen Traditionen unterwirft. Angelegt wie eine klassische Ausreißergeschichte, stellt der Autor das Genre auf den Kopf, erklärt der Kritiker, der zudem staunt, wie "subtil" und überzeugend Wray seine gegen ihre Heimat rebellierende Fanatikerin zeichnet.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.01.2019

Rezensent Ingo Arend bewundert John Wrays Erzählkünste und seinen Mut, über den Tellerrand zu schauen. Wenn Wray von der psychologischen Disposition erzählt, die jemanden zum Gotteskrieger machen kann, erkennt Arend die Brisanz des Themas und Wrays besonderen, medienkritischen Ansatz. Auch dass der Autor seine Figur geschlechterambivalent anlegt, hält Arend für spannend. Leider mangelt es den Dialogen über Gott, Koran und Welt im Buch an Tiefe, kritisiert der Rezensent. Wrays literarische Kunst, die Differenzierung der Figuren und sein Spiel mit Innen- und Außenperspektive aber findet er beeindruckend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2019

Während seiner Recherchen zu John Walker Lindh, der als der "amerikanische Taliban" bekannt wurde, traf der Schriftsteller John Wray in der Nähe von Kabul auf einen älteren Mann, der ihm nicht nur von Lindh, sondern auch von einem amerikanischen Mädchen erzählte, erfährt Rezensent Christian Zaschke bei seiner Begegnung mit Wray. Die Arbeit an einem Sachbuch über Lindh geriet ins Stocken, stattdessen entstand dieser Roman über die achtzehn Jahre alte Aden Grace Sawyer aus Kalifornien, die wie ihr Vorbild John Walker Lindh in Pakistan spirituelle Erfüllung suchte, sich als Junge ausgab und bald radikalisierte, erklärt der Kritiker weiter. Die Geschichte liest er als "beklemmende Mischung aus Abenteuer- und Horrorroman", was nicht zuletzt an Wrays lakonischer Sprache liegt, unter deren Oberfläche es stets zu rumoren scheint. Nicht zuletzt dank der gelungenen Übersetzung von Bernhard Robbens lobt Zaschke den Roman für seine "stille Brutalität".
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