Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz. Eine begabte Philosophiestudentin will ihren berühmten Mentor verführen und wird dabei selbst ausmanövriert, eine junge Frau vertraut sich möglicherweise dem Falschen über ihren Stalker an und eine Mutter versucht ihre kleine Tochter wegzugeben, weil sie mit ihr unzufrieden ist. In Nullsumme erzählen zwölf Kurzgeschichten so zärtlich wie brutal von Themen wie Besessenheit, Verlust, Mutterschaft und psychische Gesundheit.
Joyce Carol Oates ist für Rezensentin Nora Karches eine der profiliertesten US-amerikanischen Autorinnen, nun hat sie einen Band mit Kurzgeschichten vorgelegt, die sich vor allem um Angst und Verunsicherung drehen. Eine der Stories kreist um eine Mutter, die nicht aufhören kann, ihr Kind durch das Babyphon zu betrachten, weil sie panische Angst hat, das Kind könnte sterben, lesen wir. Generell zeigen die Geschichten oft psychische Entrückungszustände, so auch bei einem bipolaren Schriftsteller mit Genie-Ambitionen, doch Karches zufolge nutzt sich das Gefühl der Dauerangst bei der Lektüre irgendwann ab - die Texte, in denen es keine Erlösung von der Dunkelheit gibt, sind dann doch zu vorhersehbar und eintönig.
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