Der "Sommer der Migration" 2015 transformierte die europäische Migrationspolitik. Judith Kopp analysiert anhand des Fluchtursachen-Diskurses, wie gesellschaftliche Akteure strategisch darum ringen, ihre Interessen durchzusetzen. Dazu zeichnet sie die Herausbildung des hegemonialen Verständnisses von Fluchtursachenbekämpfung kritisch nach. Dieses schreibt sich in die Reorganisation des EU-Grenzregimes nach 2015 ein. Gleichzeitig verweisen die diskursiven Kämpfe auf eine stärkere Sichtbarkeit von Geflüchteten vor dem Hintergrund globaler Nord-Süd-Verhältnisse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2023
Rezensent Tim Niendorf begibt sich gemeinsam mit Judith Kopps Dissertationschrift zurück in den "langen Sommer der Migration" (Zitat Kopp) des Jahres 2015. Konkret geht es, lernen wir, um die Karriere eines einzelnen Wortes, nämlich "Fluchtursachenbekämpfung", auf dessen Wichtigkeit sich damals plötzlich alle einigen konnten. Allerdings verstanden die unterschiedlichen politischen Lager es unterschiedlich, und bauten es in "Hegemonieprojekte" linksliberaler, neoliberaler und konservativer Provenienz ein, lernt Niendorf von Kopp. Das Buch ist allein aufgrund der verwendeten Sprache schon eher etwas für Spezialisten und Akademiker, schließt der Rezensent, und politisch neutral sei es auch nicht.
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