Aus dem Amerikanischen von Hans Günther Holl. Die These des Buches: Kreativität und Kunst sind Geschenke und keine Waren! Sogar in Zeiten zunehmender Ökonomisierung überdauert mit ihnen etwas Wesentliches, das sich nicht in Heller und Pfennig umrechnen lässt. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Anthropologie, der Literatur, der Wirtschaft und der Psychologie zeigt Lewis Hyde zugleich, dass die "Kommerzialisierung des kreativen Geistes" voranschreitet, und wie sie den Künstler, die Kunst und unsere ganze Kultur prägt. Ob Hyde das Tauschsystem der Trobriand-Inseln heranzieht, die Kreisläufe des Kula-Ringes, ob die Hau-Zeremonie der Maori, das indianische Potlatschritual, schottische Märchen oder Whitmans Dichtung: Immer gelingt es ihm darzulegen, welche Grundeinsichten in die Natur des Schöpferischen bei sonst noch so großen Unterschieden allen Kulturen gemeinsam sind.
Freudig begrüßt Rezensentin Eva-Weber-Guskar die deutsche Edition dieses schon vor fast dreißig Jahren im Original erschienenen Plädoyers, die Kunst nicht allein als Ware, sondern vor allem als "Gabe" und Begabung (Gift) zu betrachten. Der Rezensentin erscheinen die Thesen des beim Verfassen des Buchs noch jungen Künstlers ebenso einleuchtend wie mitunter pathetisch. Vor allem aber findet sie das "methodische Vielerlei" des Ansatzes bestechend. Manches scheint Lewis Hyde in seiner Argumentation auch zu übersehen. Trotzdem schätzt die Rezensentin das Buch wegen seines "kulturhistorischen Rundumblicks", seiner "etwas altmodischen Schwärmerei" als "Gegenstimme zum gegenwärtigen Kunstmarktboom".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008
Skeptisch betrachtet Rezensent Eberhard Rathgeb dieses Buch über die unsere Gesellschaft bereichernde Gabe der Kunst, das Lewis Hyde vorgelegt hat. Zwar findet er die Ausführungen über diese Gabe in Stammesgesellschaften ebenso instruktiv wie die über Whitman oder Pound. Aber er kommt nicht umhin, Hyde eine gewisse Naivität anzukreiden. Er hält dem Autor vor, von dem "Kinderglauben" auszugehen, alles werde letztlich gut, solange es noch wahre Kunst und wahre Künstler gebe. In diesem Punkt scheint Rathgeb weit weniger zuversichtlich als Hyde. Er hebt seinerseits die Gabe des Lebens als die "allererste Gabe" hervor. Dafür ein Bewusstsein zu haben, scheint ihm die Voraussetzung für eine Erfahrung der Kunst als Gabe. "Die Künstlergabe, wie Hyde sie beschreibt", räsoniert er anschließend, "ist ein Reflex auf eine Leere, die immer größer wird."
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