Literarischer Journalismus

Cover: Literarischer Journalismus
Edition Text und Kritik, Frankfurt am Main 2022
ISBN 9783967076691
Kartoniert, 234 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

"Der Roman ist tot", verkündete der US-amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe zu Beginn der 70er Jahre - es war der Beginn eines neuen Zeitalters: das des New Journalism.Wolfe bezeichnete mit diesem Begriff Schreibweisen zwischen Literatur und Journalismus, die zunächst in Kolumnen oder Reportagen, zunehmend aber auch in neuen Romantypen wie der 'Nonfiction Novel' zu finden waren. Auch im deutschsprachigen Bereich gab es zur selben Zeit vermehrt produktive Wechselbeziehungen zwischen Journalismus und Gegenwartsliteratur, bei denen mit Beobachterpositionen, Reporterfiguren, literarischen Erzählverfahren, Techniken der Verfremdung oder Fiktionalisierung experimentiert wurde. Der TEXT+KRITIK-Sonderband nimmt Spielarten dieses deutschsprachigen New Journalism seit den 1970er Jahren in den Blick. Neben einzelnen Autoren und Werken von Jorg Fauser bis Stefanie Sargnagel werden auch Publikationsmedien, privilegierte Gattungen sowie Vermarktungsformen der Journalliteratur untersucht. Darüber hinaus enthalt der Band einen poetologischen Text zum Verhältnis von Literatur und Journalismus von Moritz von Uslar sowie ein Interview über die Geschichte des deutschsprachigen New Journalism mit Diedrich Diederichsen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2023

Rezensent Jan Wiele findet es mutig, in Zeiten von Fake News und den Reportage-Skandalen um Claas Relotius ein Buch über das "heiße Eisen" des literarischen Journalismus zu veröffentlichen. Wie die Herausgeberin Erika Thomalla, Literaturwissenschaftlerin an der HU Berlin, das aufzieht, scheint ihm aber zu gefallen - auch wenn er ihr nicht unbedingt darin zustimmen würde, dass die Lobhudelei um den New Journalism so gar nichts mit dem Aufkommen von Fake News zu tun gehabt habe. Wie in den Aufsätzen von Ethel Matala de Mazza, Georg Stanitzek oder Moritz von Uslar dann aber verschiedene Spielarten und auch die Möglichkeiten eines literarischen Journalismus aufgezeigt werden, liest Wiele gerne - so gehe es unter anderem um die Beatdichter, um Jörg Fausers fiktive Reportagefigur Harry Gelb, um "fundamentalistische" und offenkundig widersprüchliche Thesen zu Literatur und Journalismus, oder um Pop-Anklänge im Schreiben etwa von Rainald Goetz oder Christian Kracht. Ein interessantes und zuweilen "amüsantes" Buch, lobt Wiele.

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