Verlorene Schäfchen
Roman

Penguin Verlag, München 2026
ISBN
9783328604518
Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz. Eigentlich könnte die Familie Flynn eine Vorbild-Vorstadt-Familie sein: Mutter, Vater und drei Töchter, sonntags geht man in die Kirche. Eigentlich. Denn die Flynns haben es schwer. Jeder für sich und alle miteinander. Seit Mutter Catherine in einer Sinnkrise beschlossen hat, die Ehe zu öffnen, lebt Vater Bud im Auto in der Garage und findet in der Selbsthilfegruppe Zuflucht, die am wenigsten nach Sekte klingt: die Verlorenen Schäfchen. Auch die Töchter suchen ihre Wege aus der familiären Lebenskrise: Die jüngste, Harper, ist sich sicher, dass sie einer großen Verschwörung auf der Spur ist. Louise befindet sich in einem ungünstigen Beziehungsstrudel mit ihrem fundamentalistischen Online-Lover, während die dritte im Bunde, Abigail, einen schweigsamen jungen Mann namens Kriegsverbrecher-Wes datet. Und all diese Fäden laufen ausgerechnet bei einem zwielichtigen Milliardär zusammen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 11.07.2026
In Madeline Cashs Roman um eine dysfunktionale Familie scheint sehr viel zu passieren: Die Ehe der Eltern liegt auf Eis, der Vater hat eine Affäre, die Töchter ihre eigenen Teenagerprobleme und die beste Freundin der Mutter pflegt eine Verschwörungstheorie, die um einen angeblich blutsaugenden Milliardär in der Stadt kreist, erzählt Rezensentin Sophia Zessnik, die sich prächtig unterhalten hat. Lobend hebt sie Cashs Gespür "Tempo und Komik" aber auch fürs Traurige hervor. Und Hoffnung macht der Roman am Ende irgendwie auch, verspricht sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2026
Madeleine Cashs Roman "Kleine Schäfchen" wurde in den USA gehyped und auch hierzulande bereits mit Lobeshymnen bedacht. Rezensentin Pia Wieners traut dem Braten aber nicht - und das hat mit dem Clou des Romans zu tun. Zunächst amüsiert sich die Kritikerin allerdings ziemlich gut mit der Story um die Kleinstadt-Familie Flynn, deren Leben dank sexueller Eskapaden der Ehefrau, Depressionen des Gatten und Pubertät der drei Teenager komplett aus dem Ruder läuft. Selbst Leser ohne Humor dürften hier lachen, glaubt Wieners, so trocken und eigenwillig ist der Witz der Autorin. Warum aber muss Cash ihr Personal damit überfrachten, eine Verschwörung aufzudecken? Schlimmer noch: Die Mär von Kinderblut trinkenden Reichen erweist sich bei Cash gar als wahr, verrät die Rezensentin. Wieners recherchiert ein wenig und stellt fest: Die Autorin war noch vor einigen Jahren Teil von New Yorks "antiwoker" Kulturszene, die Beleidigungen Sprechverboten vorzog oder auch durch "morbide Faszination" für islamistischen Fundamentalismus auffiel. Bei genauer Lektüre fallen Wieners durchaus auch Motive aus jener Subkultur und der "New Tech Right"im Roman auf. Daraus versucht Wieners dann schließlich eine Moral abzuleiten, die irgendetwas zu tun hat mit Fanatismus und der Unfähigkeit sich so zu nehmen, wie man ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2026
Die US-amerikanische Vorstadt-Kleinfamilie - ein beliebtes Sujet, weiß Rezensent Simon Sahner, tausendfach von der Popkultur aufgegriffen, in etliche Stereotype zerlegt und wieder zusammengesetzt. Dass es trotzdem noch nicht reicht, ja, dass man aus all diesen Stereotypen eine Literatur destillieren kann, die überrascht und erfrischt, die wahnsinnig gut unterhält, bei der einem mitunter "das Lachen im Halse steckenbleibt", das beweist die US-amerikanische Autorin Madeline Cash in ihrem Romandebüt. Freimütig bedient sie sich bei Vorlagen wie den Simpsons oder "Malcolm Mittendrin", greift beherzt in die Klischee-Kiste, um das, was sie daraus hervor zieht dann aber derart gekonnt mit den brillantesten Einfällen zu schmücken, dass aus dem Klischee am Ende etwas ganz anderes, neues geworden ist, lesen wir. Dieser Einfallsreichtum sowie der absurde Humor Cashs zeichnen diesen Roman aus. Dass davon kaum etwas in der deutschen Fassung verloren geht, haben wir der grandiosen Übersetzung von Sophie Zeitz zu verdanken, lobt Sahner. Einziges Manko dieses ansonsten überzeugenden Debüts: Der Plot. Dünnflüssig, wie ein Vorwand, plätschert er dahin. Dass Sahner diese Schwäche erst ganz zum Schluss seiner Rezension erwähnt, zeugt jedoch davon: Wesentlich ist hier nicht die Handlung, sondern die Figuren!