Plötzlich ist da etwas verschwunden: Ein Automodell, das über viele Jahre das Bild der Städte bestimmte. Eine Frisur, die Frauen begehrenswert machte. Die Kleinanzeige, die dem einsamen Mann helfen sollte, gerade diese Frau zu finden. Auch Filme, Redewendungen, Umgangsformen, die noch vor wenigen Jahrzehnten zum Alltag gehörten: verschwunden. Und niemand kann sagen, wann. In wunderbaren Prosastücken erinnert Martin Meyer daran, was den Alltag vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren ausmachte. Und er regt dazu an, die eigenen Erinnerungen zu überprüfen: Wie hat sich die Welt verändert, wie hat man sich selbst verändert? Eine kleine Kulturgeschichte des Verschwindens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2018
Oliver Jungen wiegt die erhellenden philosophischen Anteile in Martin Meyers essayistischem Blick zurück auf das 20. Jahrhundert ab gegen die "knarzende Klage" des Nihilismus im Buch. Wenn Meyer sich recht gegenwartskritisch mit dem Fortschritt befasst und etwa ein Reflexions-Manko als Epochensignatur konstatiert, kann Jungen nicht immer zustimmen. Meyers phänomenologischen, mit eigenen Erfahrungen garnierten Reflexionen über Barbie-Puppe und Hula-Hoop-Manie findet er jedoch allemal kurzweilig.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2018
Rene Scheu fühlt sich zu einem kulturkritischen Rundumschlag inspiriert durch die Lektüre von Martin Meyers Feuilletons. Was der ehemalige Feuilletonleiter der NZZ hier lakonisch feststellt über das Verschwinden der Sonntage und der Dauerwelle, ist für Scheu auch Sprachkritik, Liberalismusbekenntnis und Liebeserklärung an die Schweiz. Was so leicht daherkommt, von vorn wie von hinten zu lesen ist, hat es philosophisch faustdick hinter den Ohren, ahnt Scheu.
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