Wer "recht erzählt", bewegt sich im Grenzgebiet zwischen wissenschaftlicher Arbeit und fiktiver Narration. Die in Quellen überlieferte Ausdrucksweise historischer Akteure nicht zu verfälschen und sie als Rechtsgeschichte(n) den eigenen Zeitgenossen zu vermitteln, ist ein Balanceakt. Michael Stolleis wählt in diesem Band den Weg über anschauliche Einzelfälle, die sich zu einem pfälzischen Panorama fügen. Der Bogen der an Rhein und Neckar angesiedelten regionalen Studien erstreckt sich von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert. Uns begegnen pfälzische Hochzeitsleute, Frankfurter Juristen, Seidenbauern, Migrantenschicksale und der obrigkeitliche Umgang mit Bettlern in der Kurpfalz. Das spannungsreiche Verhältnis zwischen Bayern und der Pfalz entlud sich u.a. im pfälzisch-badischen Aufstand (1849).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2021
Rezensent Daniel Damler liest die kurzpfälzischen Rechtsgeschichten des Rechtshistorikers Michael Stolleis mit Gewinn. Stolleis berichtet über den Anbau pfälzischer Seide, den langhaarigen Juristen Johann Theodor Sprenger, die Salzburger Hexenprozesse oder den Zug der Bürgerschaft nach Steinfeld in elegantem Ton und mit der nötigen kompositorischen Ökonomie und Quellenkenntnis, verspricht der Rezensent. Rechtsgeschichte in Einzelfällen zu beschreiben und zugleich das große Ganze zu erfassen, wie es der Autor anstrebt - hier gelingt es, freut sich Damler.
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