Der Großmarkt Novgorod steht am Anfang des europäischen Groß- und Fernhandelsverkehrs im späteren Mittelalter. Die Verbindung zwischen Novgorod - dem Stadtstaat im Nordosten Russlands und Handelsplatz für Rohstoffe, Pelze, Wachs und Orientgüter - und den Tuch- und Fertigwarenmärkten des Westens ist durch die frühesten Unternehmungen hansischer Kaufleute hergestellt worden. Novgorod ist ihnen viele Wagenladungen Silbers wert gewesen und galt als "Brunnenquell hansischen Wohlstandes". Die Autoren dieses Bandes untersuchen die Handelsgüter und Absatzwege, die Sozial- und Siedlungsstruktur des Ortes, die deutschen und russischen Handelsleute selber und ihre wechselseitigen Beziehungen, ausgedrückt in Sprache, Kredit, Maß, Gewicht, in Verträgen und im Handelsrecht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2002
Die alte Hansestadt Nowgorod ist für Rezensentin Mareile Ahrndt ein "versunkener Mythos, dessen nach allen Gewürzen dieser Welt duftende Märkte zu Phantasien über die Buntheit des Lebens an einem florierenden Handelsplatz einladen". Nowgorod ist nun auch ein von Norbert Angermann und Klaus Friedland herausgegebener Tagungsband gewidmet, der sich mit den enormen Warenströmen der Hanse beschäftigt, berichtet Ahrndt in ihrer sehr knapp gehaltenen Besprechung. Der Band füge eine Vielzahl von Puzzlestücken zu einer schon in vorhanseatischer Zeit einsetzenden Wirtschaftsgeschichte zusammen. Nicht nur Aufstieg und Blütezeit der Stadt werden dokumentiert, hält Ahrndt fest, sondern auch die Vorboten ihres Niederganges. In diesem Zusammenhang erwähnt sie die bizarr anmutenden Sprachverbote der Hanse, die jede Form der Zweisprachigkeit und das Erlernen des Russischen zu verhindern suchten. Alles in allem bietet der Tagungsband gute Grundlagen für "erkenntnisreiche Blicke über den Tellerrand der Gegenwart hinaus", resümiert Ahrndt lobend.
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